Zu Besuch auf der wache : Hinter den Kulissen der Polizeiwache

Der Arbeitsplatz des Dienstgruppenleiters: An seinem Tisch hält Thorben Strauch Kontakt mit der Leitstelle in Kiel, nimmt Anrufe entgegen und überwacht auf dem Bildschirm, was im Inneren von Gewahrsamszellen passiert. Über den Computer kann er außerdem schnell die Namen von Fahrzeughaltern abfragen.
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Der Arbeitsplatz des Dienstgruppenleiters: An seinem Tisch hält Thorben Strauch Kontakt mit der Leitstelle in Kiel, nimmt Anrufe entgegen und überwacht auf dem Bildschirm, was im Inneren von Gewahrsamszellen passiert. Über den Computer kann er außerdem schnell die Namen von Fahrzeughaltern abfragen.

Unfallflucht im Straßenverkehr und Auseinandersetzungen mit Betrunkenen sind Alltag bei den Rendsburger Ordnungshütern.

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26. Juli 2015, 17:05 Uhr

10 Uhr morgens, noch ist es ruhig auf der Polizeiwache in der Moltkestraße. Seit 6.30 Uhr sind die Kollegen von der Frühschicht vor Ort. Ein Notruf aus dem Parkhaus Nienstadtstraße und reichlich Papierkram haben sie in den frühen Morgenstunden beschäftigt – außerdem zwei Einbrecher, die in den Zellen auf der Wache sitzen. Betrunkene, Randalierer oder eben Diebe werden in dem Dienstgebäude so lange festgehalten, bis das Gericht entschieden hat, wie es mit ihnen weitergeht. Haftbefehl oder Freiheit.

Die Beamten Jan Lassen (49) und Nadine Jahr (25) beschließen, auf Streife zu gehen. Sie warten nicht darauf, dass die Arbeit zu ihnen kommt, sie suchen sich selbst welche. Bevor der Streifenwagen des Teams vom Hof der Wache rollt, drückt die junge Polizistin die Taste 1 auf dem Funkgerät. Damit teilt sie der Leitstelle in Kiel mit, wo sie sich gerade befinden. Im Einsatz, auf der Wache oder eben wie jetzt auf Streife. Der Weg führt die Beamten Richtung Mastbrook. Vorbei am Ostlandhaus, dann geht es durch die Schleswiger Chaussee in Richtung Innenstadt, weiter durch Hoheluft. Feste Strecken für die Streife gibt es nicht. Doch einige markante Punkte fahren die Polizisten öfter ab, berichtet Nadine Jahr. In dem Haus einer Großfamilie gab es in jüngster Zeit häufiger Streit. Die Beamten zeigen regelmäßig Präsenz.

Auf den nächsten Einsatz, der ihnen per Funk übermittelt wird, müssen die Polizisten eine knappe Stunde warten. Die Leitstelle gibt Informationen durch: Ein gestohlenes E-Bike scheint wieder aufgetaucht zu sein, zumindest will ein Rendsburger am Bahnhof beobachtet haben, wie eine junge Frau mit dem Rad an ihm vorbeigefahren ist. Nadine Jahr und Jan Lassen lassen sich eine genaue Beschreibung der möglichen Diebin geben und fahren zum Bahnhof. Dort beäugen nicht nur die Beamten aufmerksam das Umfeld. Auch sie selbst ziehen die Blicke auf sich. Kinderaugen leuchten, wenn das blau-weiße Dienstfahrzeug an ihnen vorbeifährt. „Man wird die ganze Zeit angestarrt, daran muss man sich gewöhnen“, sagt Jahr. Auch freche Sprüche gehören zum Polizeialltag dazu. „Haben Sie nichts Besseres zu tun, als mich anzuhalten?“ lautet einer dieser Standard-Sätze, den die Ordnungshüter bei Verkehrskontrollen zu hören bekommen. „Doch die meisten sehen uns noch als klassischen Freund und Helfer. Der Großteil der Bürger ist freundlich zu uns“, sagt Jahr.

Die junge Frau auf dem E-Bike ist längst auf und davon. Zurück auf der Wache , sind die Kollegen mit einem demolierten Fahrzeug beschäftigt. Auf dem Rondo-Parkplatz wurde es offensichtlich angefahren, während der Besitzer einkaufen war. Vom Verursacher fehlt jede Spur. Dienstgruppenleiter Thorben Strauch: „Unfallflucht ist Tagesgeschäft, täglich gibt es mehrere Fälle.“ Die Ausreden der Flüchtigen seien bisweilen fast schon unterhaltsam. Eine riesige Delle am Kotflügel – und man will nichts bemerkt haben. „Man muss sich als Polizist klar sein, dass man in dem Job millionenfach belogen wird“, so Strauch.

Zum täglichen Geschäft gehört auch immer wieder der Alkohol. Er sei das größte Problem und immer wieder einer der Gründe für einen Polizeieinsatz. Wilde Partys haben nicht selten zur Folge, dass Anwohner in ihrer Ruhe gestört werden. Betrunkene auf der Straße neigen zu Sachbeschädigungen. Ein Streit im Rausch führt schnell zu einer Körperverletzung, und bei einem Autofahrer mit zwei Promille im Blut ist der Unfall schon programmiert. Thorben Strauch hat einen Wunsch: „Ich würde gern mal ein Experiment machen und die Stadt einen Tag lang trocken legen. Ich glaube, wir hätten kaum Einsätze.“

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