zur Navigation springen

Förderkreis-Jubiläum, : „Hinter dem Chor steht ein Chor“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein beeindruckendes Festkonzert wurde Joseph Haydns „Schöpfung“ zum 40-jährigen Bestehen des Förderkreises Kantatenchor St. Marien. Nachträglich ist damit die Weitsicht des früheren Kantors Hans Jürgen Baller gewürdigt worden.

von
erstellt am 16.Sep.2013 | 16:13 Uhr

„Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde; und die Erde war ohne Form und leer; und Finsternis war auf der Fläche der Tiefe“, singt der Erzengel Gabriel nach dem Orchestervorspiel mit der hörbaren Vorstellung eines Chaos zum Anfang von Joseph Haydns „Schöpfung“. Ganz so düster waren die Aussichten bei der Gründung des Fördervereins für den Kantatenchor St. Marien nicht; angesichts der heutigen Situation ist das 40-jährige Bestehen des Vereins ein Beispiel für die Weitsicht des damaligen Marienkantors Hans Jürgen Baller.

Das Jubiläumskonzert war ein weiterer Beweis in der Erfolgsgeschichte des Kantatenchores St. Marien, wie fruchtbar der Boden ist, den der Förderverein in Jahrzehnten kräftig düngte. Dafür ist die „Schöpfung“ ein gutes Beispiel: Nicht nur, weil sie zu den Lieblingsstücken des aktuellen Marienkantors Volker Linhardt gehört, sondern auch, weil der Zusammenhang von Musik und Wort gezeigt wird. Auch wenn das Oratorium die Erschaffung der Welt zum Thema hat – in der Marienkirche entstehen dank eines reichhaltigen Konzertangebots wöchentlich neue Musikwelten, die von einem sehr interessierten Publikum wahrgenommen werden.

„Hinter dem Chor steht ein Chor, der den Chor fördert“ lobte Pastorin Heidi Kell den Einsatz des Jubilars. „Er ist kein exklusiver Kreis, sondern offen für alle, die den Kantatenchor St. Marien als wichtigen Kulturträger der Stadt unterstützen wollen!“

Davon, dass sich das lohnt, konnten sich alle in der voll besetzten Marienkirche überzeugen: Die aus dem Unhörbaren sich steigernde Schilderung des Chaos, von der capella vitalis berlin unvergleichlich passend begleitet und von Volker Linhardt empfindsam dirigiert, sucht ihresgleichen. Atemlose Stille in der Kirche, der Anfang aus dem Nichts mit edelstem Wohlklang; dann Yorck Felix Speer (Bass) als Erzengel Raphael: Er nahm sich die nötige Zeit, um den Beginn einer spannenden Geschichte zu „erzählen“.

Achim Kleinlein (Tenor) als Erzengel Uriel wurde anfangs vom Orchester zugedeckt - dank des ausführlich und liebevoll gestalteten Textheftes konnte man ihm dennoch folgen; und immer wieder herausragend Yorck Felix Speer: Eine Stimmenentdeckung, voller Engagement und vieles auswendig singend. Nicht minder faszinierend: Ilse Christine Otto als Erzengel Gabriel, deren mit geschmeidiger Stimme gesungene Verzierungen direkt unter die Haut gingen.

Und dann der der 85-köpfige Kantatenchor, der sich sensibel, klar und dennoch klanggewaltig als passender Partner erwies. Unter Linhardts Leitung entstand der direkte Draht vom Ensemble zum Publikum und zu Haydns Werk; was auch einen sanften Widerspruch des Publikums zu dem Text im dritten Teil aufdeckte, in dem Eva (Ilse Christine Otto) schwärmend singt: „Teurer Gatte...Mit dir erhöht sich jede Freude, mit dir genieß‘ ich doppelt sie; mit dir ist Seligkeit das Leben; dir, dir sei es ganz geweiht!“ Das regte eingedenk dieser überkommenen Frauenrolle doch zum Schmunzeln an. Übertragen auf den Kantatenchor traf „Mit dir erhöht sich jede Freude“ jedoch ins Schwarze.

„Des Herren Ruhm, er bleibt in Ewigkeit! Amen!“ singen Chor und Solisten zum Schluss. Fünf Minuten stehend dargebrachter Applaus waren verdient.








zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen