Himmlische Musik für die Seele

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Das Duo Marshall & Alexander begeistert das Publikum in der voll besetzten Christkirche / Seltene Einheit zwischen Künstlern und Zuhörern

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09. Januar 2015, 11:23 Uhr

Einlass 18.30, Beginn 19.30 Uhr. So stand es auf dem Plakat. Schon um 18.45 Uhr sitzen fast alle Zuhörer in der ausverkauften Christkirche auf ihren Plätzen. Zeit für Gespräche – doch dann wechselt das Licht, es wird dunkler, das Gemurmel verstummt. Begrüßung durch ein Mitglied des Kirchengemeinderates. Drei Musiker und die beiden Sänger Marc Marshall und Roy Alexander treten auf. Beifall. „Halleluja“ schmettern sie zur Begrüßung.

Das Musikertrio aus Gitarrist, Harmonium-Spieler und Klarinettist (mit weiteren Instrumenten) – etwas großspurig als „Orchester“ bezeichnet – begleitet sensibel und zurückhaltend. Dazu der Duo-Gesang von Marshall & Alexander. Die „Top Ten des Himmels“ bieten unter anderem Panis Angelicus, Adeste Fidelis oder Händels „Largo“. Nichts wird ausgelassen, was tief in die Seele dringen kann. „So stelle ich mir ein Kirchenkonzert vor“, schwärmt der Küster Günter Bandura.

Recht hat er, denn die Choreografie aus Licht und Gesang mit vorzüglicher Begleitung ist in vielen Konzerten erprobt und „funktioniert“. Dazu die beiden Künstler, ihre Erinnerungen an das Konzert im November 2012 und die Freude, wieder in dieser schönen Kirche auftreten zu dürfen. Wie sehr sie damit ihr Publikum beglückt haben, beweist erneut der große Besuch. Diese Stimmen bewegen und berühren auch beim zweiten Gastspiel – trotz oder gerade wegen des in großen Teilen identischen Programms. Es wird weit mehr als nur ein schöner Abend mit Erinnerungen aus früheren Jugendzeiten. Ein Programm mit Aussage, darin unter anderem „Selig sind die Verfolgten“ und viermal „Ave Maria“ von verschiedenen Komponisten. Dabei ist schon die Bach-Gounod’sche Fassung Erfüllung eines unausgesprochenen Wunsches. Durch einfühlsame Arrangements, gekonnt gemacht, und immer alles auswendig gesungen, entsteht eine innige Verbindung zwischen Künstlern und Publikum, die man nur selten erlebt. Konzentrierte Gelassenheit, unaufgeregtes Spiel, dazu deutlicher und fein abgestimmter Gesang erzeugen ein andächtig lauschendes Publikum. Obwohl bei „Großer Gott, wir loben dich“ zum Mitsingen aufgefordert, hält es sich sehr zurück. Man will doch lieber Marshall & Alexander pur genießen. In einem der beiden Gitarren-Solostücke („Asturias“ von Isaac Albéniz), die Klaus Jeckle spielt, wird es total still in der Kirche – als sei niemand da. Eine seltene Einheit zwischen Musik und Zuhörern.

Zum Schluss das „Vater unser“ auf Englisch. „Das wichtigste christliche Gebet“, wie Marc Marshall ankündigt. Es endet mit einem „Amen“, das es in dieser Deutlichkeit in sich hatte. Ist damit wirklich Schluss? Nein. Stehender Applaus löst die Spannung.

Mit zwei Zugaben, zugleich Erinnerungen an unsterbliche Beethoven-Werke, endet das Konzert. Auch angesichts der jüngsten Ereignisse in Paris mit zum Nachdenken anregenden Texten: „Die Himmel rühmen des ewigen Friedens“, wandeln sie das Volkslied ab, und mit „Götterfunken“ – darin der Text „alle Menschen werden Brüder“ – verabschieden sich Marshall & Alexander vom Rendsburger Publikum.

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