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Ausgezeichnet : Hilfsbereitschaft ohne Grenzen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Edith Sinhart hat für ihr ehrenamtliches Engagement das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen bekommen. Die 90-Jährige gründete vor über 30 Jahren den Verein „Schulpatenschaft Langwedel-Mwabungo/Kenya Galu Primary School.“

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erstellt am 26.Aug.2013 | 17:36 Uhr

„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“ – lautet ein Sprichwort. Das weiß auch Edith Sinhart. Die 90-jährige Langwedelerin reiste schon durch die ganze Welt, doch ihr Herz hat sie an Kenia verschenkt. Vor über 30 Jahren gründete sie den Verein „Schulpatenschaft Langwedel-Mwabungo/Kenya Galu Primary School“ und bekam dafür nun das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Angefangen hatte alles 1980 mit einer geplanten Reise nach Tunesien. Doch die Reise musste verschoben werden, das Reisebüro legte ihr Kenia nahe. Am vorletzten Urlaubstag suchte Edith Sinhart nach Mitbringseln auf dem Markt. „Dort wird man gleich gefragt, wo man her kommt und was man macht“, berichtet die ehemalige Lehrerin. Sie tauschte Adressen mit einem Einheimischen aus, der sie in die Grundschule nach Mwabungo einlud. Doch der geplante Ausflug am nächsten Tag konnte aufgrund tropischer Regenfälle nicht stattfinden. Der Kontakt zu dem Lehrer hielt jedoch an. Man schrieb sich Briefe. Ein Jahr später, 1981, löste Edith Sinhart ihr Versprechen ein und reiste erneut nach Kenia, wo sie den Schulbesuch nachholte. „Es gab kaum Tische und Stühle, keine Tafel, einige Zimmer waren noch mit Blätterdach bedeckt. Das Lehrerzimmer war ein langer Schlauch ohne Fenster“, berichtet Edith Sinhart, „aber die Schüler und Lehrer waren alle engagiert und motiviert.“ Der Besuch hat sie geprägt, „ich dachte mir, da muss man was machen“, erinnert sich Sinhart.

Noch im gleichen Jahr gründet sie den Verein, der bis heute rund 74 000 Euro an die Schule gespendet hat. Es wurden Häuser gebaut, Stühle und Tische gekauft, ein Lehrerzimmer hergerichtet, eine Bücherei eröffnet und Strom gelegt. Ein Versammlungshaus wurde gebaut, ein Sportplatz für die Kinder errichtet, mit Fußballfeld und Tribüne. Zwei, der insgesamt neun Lehrer, werden vom Verein bezahlt. Auch heute noch findet jedes Jahr der Herbstmarkt zugunsten der Patenschaft in Langwedel statt. „Das ganze Dorf steht dahinter“, schwärmt Edith Sinhart.

Fast jedes Jahr reist die 90-Jährige nach Kenia und besucht „ihre“ Schule. Und jedes Mal wird ihr zu Ehren ein großes Fest gefeiert. Dann ist die Schule bunt geschmückt, die Kinder führen Tänze auf. Es werden Reden gehalten und gemeinsam gefeiert.

Dass sie nun das Bundesverdienstkreuz am Bande für ihr ehrenamtliches Engagement von Ministerpräsident Torsten Albig überreicht bekommen hat, ist der bescheidenen Langwedelerin gar nicht Recht. „Ich fühle mich nicht so wohl dabei“, erklärt Edith Sinhart, „ich habe zwar damals den Verein gegründet, aber das ganze Dorf steht dahinter und viele andere ehrenamtliche Helfer tragen zum Erfolg des Vereins bei. Das muss man mal betonen.“ Bereits vor zwei Jahren hatten sich ihre Vereinsmitglieder Edith Sinhart für einen Orden vorgeschlagen. „Im April kam der Anruf. Da war ich sehr erschrocken. Zwei Jahre hat keiner ein Wort darüber verloren“, zeigt sich Sinhart von der Verschwiegenheit ihrer Vereinskollegen positiv überrascht.

Trotz ihrer 90 Jahre will die Rentnerin auch weiterhin nach Kenia reisen. „Ich reise sehr bequem“, gesteht die Langwedelerin, „ich habe einen Rollstuhl, damit komme ich überall sehr gut durch. Da freut sich auch meine Tochter, wenn sie nicht am Check-In anstehen muss“, lächelt Sinhart. Nicht nur Afrika steht auf ihrer Reiseplanung ganz weit oben. Ihre Tochter Helga wohnt in den USA, wo sie selbst ein paar Monate im Jahr wohnt. Die verschiedenen Kontinente sind Edith Sinhart nicht fremd. Unzählige Länder und Kulturen wurden kennengelernt. „Ich bin halt eine Reisetante“, lacht die 90-Jährige, „das habe ich von meinem Vater. Als der 91 war, sind wir noch gemeinsam nach Marokko geflogen.“ Obwohl sie die Welt schon gesehen hat, steht noch ein Wunsch auf ihrer Liste. „Einmal mit der transsibirischen Eisenbahn fahren.“

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