Hilfe für die Häftlinge

Gemeinsam helfen sie – der Arbeitskreis Abschiebungshaft: Pastor Hans-Joachim Haeger, Berta Ott, Gisela Hamann, Hans Christian Segeberg, Christa Gottlob und Dr. Martin Hegemeier (von links). Foto: Sopha
Gemeinsam helfen sie – der Arbeitskreis Abschiebungshaft: Pastor Hans-Joachim Haeger, Berta Ott, Gisela Hamann, Hans Christian Segeberg, Christa Gottlob und Dr. Martin Hegemeier (von links). Foto: Sopha

Für Berta Ott stehen die Menschen und Menschlichkeit im Mittelpunkt

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21. Oktober 2011, 08:06 Uhr

Rendsburg | Ihr Lebensweg ist nicht alltäglich. Aber Berta Ott macht keine großen Worte um ihre Person. Und für die Wahl zum "Menschen des Jahres" wollte sie sich nur nominieren lassen, wenn die ganze Gruppe erwähnt wird. Gemeint ist der Arbeitskreis Abschiebungshaft der Christkirchengemeinde Rendsburg-Neuwerk, der den Menschen mit tatkräftiger Hilfe die Haft erträglich machen will.

Berta Ott wurde im sibirischen Altai geboren. Sieben Kinder waren sie zu Hause. Die Mutter sprach Deutsch mit ihnen, sie antworteten auf Russisch. "Darum kann ich die Sprache besser verstehen als sprechen", erklärt Berta Ott. Es sei immer der Wunsch der Mutter gewesen, dass sie eines Tages nach Deutschland kommen. Als es dann 1998 so weit war, "wollte ich im ersten Jahr am liebsten wieder zurück."

Der Grund: Berta Ott war Kinderärztin. Wenn die kleine Frau auf Kinder zu sprechen kommt, dann leuchten ihre Augen. Da bedarf es gar keiner Worte, um zu wissen, wie sehr sie auch ihre Arbeit liebte. Doch ihre Qualifikation wurde in Deutschland nicht anerkannt. "Auf einmal war alles weg", erklärt Berta Ott und es ist noch zu spüren, dass der Neuanfang nicht einfach war.

Aber dann lernte sie "die Gruppe" kennen. Und Berta Ott hatte wieder eine Aufgabe. Anfangs saßen viele Russen in Abschiebehaft - da fungierte sie als Übersetzerin. "Heute sind es Tunesier, Libanesen, Afghaner oder Menschen aus Uganda." Das heißt, nun sind Französisch oder Englisch gefragt. Beides spricht Berta Ott zu ihrem Bedauern nicht; aber die anderen Gruppenmitglieder übersetzen. Und zur Not verständigt sie sich mit Händen und Füßen.

"Es bringt viel Freude", sagt Berta Ott. Der Kontakt mit Menschen ist ihr wichtig. Auch zu ihrer großen Familie, die zum großen Teil in Deutschland lebt und oft zu Besuch kommt. Sie besucht im Gegenzug mit den anderen Helfern die Abschiebehäftlinge. Jeden Mittwoch um 15 Uhr treffen sie sich. Meist haben sie Kuchen dabei, dann wird in lockerer Runde zur Gitarre gesungen und Kaffee getrunken. Die Rendsburger sind der Kontakt zur Außenwelt. Sie kaufen ein, was die Gefangenen sich wünschen und in der Haft nicht erhalten: Tabak, Schokolade, Lebensmittel beim Türken. Inzwischen hat Berta Ott bei diesen Besorgungen Unterstützung durch ihren Mann. Und wenn das wenige Geld der Häftlinge nicht ausreicht, dann springen sie schon mal ein.

Dieses Jahr war Berta Ott zu Besuch in Russland. "Der Abschied ist mir leicht gefallen. Deutschland ist jetzt meine zweite Heimat", sagt sie und lächelt. Dabei hat auch die neue Aufgabe geholfen.

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