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Imland-Klinik : High-Tech-Winzling für mehr Lebensqualität

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Erstmals wurde in der Klinik einem Patienten mit Blasenfunktionsstörung ein Schrittmacher eingesetzt.

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2017 | 10:46 Uhr

Zum ersten Mal wurde einer Patientin in der Imland-Klinik ein Blasenschrittmacher eingesetzt. Priv.-Doz. Dr. Andreas Bannowsky, Chefarzt der Urologie, leitete die Operation. Das Gerät soll die Lebensqualität steigern, indem es bei Patienten mit „überaktiver Harnblase“ den Harndrang auf ein normales Maß reduziert, oder, wie bei dieser Patientin, die Harnblasenfunktion zur Entleerung anregt. Die betreffende Patientin hatte unter einer ausgeprägten Blasenfunktionsstörung gelitten und musste mehrfach täglich ihre Harnblase über Katheter entleeren. Darauf kann die Patientin nach der Schrittmacherimplantation verzichten.

Bei anderen Patienten, die unter einer Harnblasenüberaktivität leiden und bis zu 25 Mal täglich eine Toilette aufsuchen müssen, kann dieser Blasenschrittmacher ebenfalls in 50 bis 80 Prozent der Betroffenen erfolgreich sein und den häufigen Harndrang auf ein normales, oder zumindest zufriedenstellendes Maß wieder reduzieren. Die Steuerung der Blase funktioniert normalerweise vollautomatisch. Bei Männern setzt ab einer Füllmenge von etwa 350 bis 500 Millilitern Urin ein Harndrang ein, bei Frauen ab etwa 250 bis 500 Millilitern. Die Blase meldet ans Gehirn, dass ihre Kapazität erreicht ist. Das Gehirn wiederum meldet zurück, dass die Blase entleert werden sollte. Im Normalfall geschieht dies fünf- bis zehnmal am Tag. Gerät das System jedoch aus den Fugen, erfolgt die Meldung ans Gehirn weitaus früher. Mediziner sprechen von einer Drang-Symptomatik („Überaktive Harnblase“) bis hin zu einer Drang-Inkontinenz. „Die Blase meldet dann ständig, dass sie voll ist“, schildert Chefarzt Bannowsky das Problem der Betroffenen. Die Funktionsstörung kann zudem zu plötzlich auftretendem Urinverlust führen.

Der Blasenschrittmacher sorgt dafür, dass die Falschmeldungen ans Gehirn verringert werden oder sogar ganz unterbleiben. Ein Minimalstrom überlagert dabei die Impulse, die die Blase über Nervenfasern ans Rückenmark weitergibt. Zwei kleine Operationen sind notwendig, um den Schrittmacher zu implantieren. Im ersten Schritt werden unter Vollnarkose über dem Kreuzbein am Rücken zwei Elektroden eingesetzt, die den Minimalstrom zu den Nervenbahnen leiten. 20 bis 25 Minuten dauert der Eingriff. Vier Wochen später wird der Impulsgeber ins Unterhaut-Fettgewebe implantiert. Dieser versorgt die Elektroden mit Strom. Die Batterien haben eine Lebensdauer von sieben bis acht Jahren und müssen dann operativ ausgetauscht werden.

Die Patienten spüren, wenn der Blasenschrittmacher arbeitet. „Das macht sich als Kribbeln im Gesäßbereich bemerkbar“, sagt Dr. Bannowsky. Nach kurzer Zeit jedoch blendet das Gehirn das Kribbeln aus, es sei denn, man achtet bewusst darauf. Jeder Schrittmacher wird individuell eingestellt. Zudem können die Patienten mittels Fernbedienung die Impulsstärke variieren – im Rahmen festgelegter Grenzen.

Bis zu 12.000 Euro kostet die Implantation eines Blasenschrittmachers und wird von den Krankenkassen als zugelassene Therapie übernommen. Bevor die Ärzte das Gerät einsetzen, prüfen sie zunächst über eine Testphase mit vorläufigen Elektroden, ob sich die Funktionsstörung der Blase lindern lässt. Ist das nicht der Fall, kann man, als mögliche Alternative, auch den hyperaktiven Blasenmuskel mit Botox beruhigen. Das Gift wird dabei an 20 bis 30 Stellen in den Blasenmuskel injiziert. Nachteil: Auch hierfür muss man eine Narkose in Kauf nehmen, zudem hält die Wirkung des Giftes nur etwa neun bis zwölf Monate an und muss dann wiederholt werden.

Der Anfang der neunziger Jahre in den Vereinigten Staaten entwickelte Blasenschrittmacher kommt zum Einsatz, wenn eine medikamentöse Therapie oder andere Methoden nicht mehr weiterhelfen, oder die häufig verschriebenen Tabletten aufgrund von Unverträglichkeiten nicht genommen werden können. Allerdings ist die Technik noch nicht sehr verbreitet. Weniger als 20 Kliniken in Deutschland verfügen über das Know-How, einen Blasenschrittmacher zu implantieren.

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