Hier fühlen sich "Seebären" zu Hause

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Eindrucksvoll: Der Saugbagger Bilberg war vor Dubai im Einsatz.

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12. Juli 2010, 03:59 Uhr

Rendsburg | Das Schifffahrts archiv hat sich zu einem wahren Publikumsmagneten entwickelt. Über 1500 Besucher kamen im vergangenen Jahr in die Königstraße 5. Beim Start im Oktober 2007 hätte Alfred "Ali" Gudd nicht mit einem derartigen Erfolg der von Reeder Dr. Jens-Peter Schlüter gestifteten Ausstellung gerechnet. "Die Besucher kommen aus ganz Schleswig-Holstein und reisen extra aus benachbarten Bundesländern an", berichtet der Archiv-Leiter. Nur in Rendsburg selbst habe sich der gute Ruf des Heimathafens für alle Fans der Seefahrt noch nicht herumgesprochen. "Aber der Kölner geht ja auch nicht in seinen Dom", sagt Gudd.

Er ist aber zuversichtlich, dass das Inter esse auch in Rendsburg über kurz oder lang steigen wird. Denn Reeder Schlüter hat noch einmal tief in die Tasche gegriffen, um die Ausstellung attraktiver zu machen. Zehn neue Modelle von Spezialschiffen gibt es ab sofort im Archiv zu bestaunen. Jedes von ihnen so teuer wie ein Kleinwagen. "Damit kommen wir dem Wunsch der Besucher nach", erzählt Gudd.

Zu den Neuheiten zählt der Saugbagger "Bilberg", der vor Dubai die berühmte Palmeninsel aufgeschüttet hat. Das 114 Meter lange Schiff ist im Maßstab 1:75 zu sehen. Neben einem Bohrinselschlepper, einem Multifunktionseisbrecher und dem ehemaligen DRK-Schiff "Helgoland", das im Vietnamkrieg als schwimmendes Lazarett in Saigon diente, ist jetzt unter anderem auch die "Polarstern" im Maßstab 1:100 zu sehen. Der Rumpf des 118 Meter langen Forschungsschiffs wurde auf der Howaldtswerft in Kiel gebaut, der komplette Ausbau erfolgte dann auf Nobiskrug.

Jedes der insgesamt rund 100 Modelle ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet worden - da fühlt sich jeder "Seebär" wie zu Hause. Doch das Schifffahrtsarchiv bietet noch mehr. 500 weitere Exponate wie Fotos, Gemälde, Dokumente und Navigations geräte werden gezeigt. Das Archiv widmet sich vor allem der Rendsburger Schifffahrts geschichte. Modelle und Fotos zu 25 ehemaligen und aktuellen Rendsburger Reedereien sind ausgestellt. Die Liste reicht von Schlüter über Zerssen und Peterson bis hin zu Stadthistoriker Edward Hoop. "Kaum einer weiß, dass Hoop auch Reeder war. Das nach seinem Vater benannte Küstenmotorschiff Paul Hoop hatte er geerbt", berichtet Gudd, der selbst 15 Jahre zur See gefahren ist.

Die größte Schiffsmodellausstellung des Landes ist nicht nur eindrucksvoll, sondern auch unterhaltsam. Dazu trägt Gudd während der Führungen mit vielen Anekdoten bei und auch die von ihm getaufte "Ecke der Schadenfreude". Im Treppenhaus des Archivs sind verschiedene Missgeschicke auf See zu sehen - zum Beispiel die "Norwegian Dream" beim Rammen eines Schleppverbandes.

Das Schifffahrtsarchiv hat seinen Sitz in der Königstraße 5 in Rendsburg. Die Öffnungszeiten sind mittwochs von 15 bis 18 Uhr und sonnabends von 11 bis 13 Uhr. Gruppen können unter Telefon 04331/4379376 Termine absprechen.

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