Hartshoper Moor : Hier baut Moos wieder Torf auf

Lebensraum Moor: Der Blick vom Aussichtshügel im Hartshoper Moor ermöglicht die Sicht auf viele erfolgreiche Maßnahmen der Stiftung Naturschutz Fotos: Käselau (3), Stiftung Naturschutz (1)
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Lebensraum Moor: Der Blick vom Aussichtshügel im Hartshoper Moor ermöglicht die Sicht auf viele erfolgreiche Maßnahmen der Stiftung Naturschutz Fotos: Käselau (3), Stiftung Naturschutz (1)

Die Stiftung Naturschutz besitzt im Hartshoper Moor große Flächen und renaturiert sie. Damit haben Moorfrösche und Moorlilie wieder eine Heimat gefunden. Ein Spaziergang mit Moorexpertin Jutta Walter.

shz.de von
16. Juli 2018, 11:49 Uhr

Wer den Blick vom Aussichtshügel im Hartshoper Moor schweifen lässt, der erblickt zunächst eine kleine Wasserfläche. Hier wurde Torf ausgehoben, der zum Bau von Dämmen rund um die Moorparzellen benötigt wurde. Seit dem Jahr 2011 gelingt es der Stiftung Naturschutz in Schleswig-Holstein auf diese Weise, das Moor Stück für Stück wieder zu vernässen. „Wir haben auch die Drainagen herausgenommen“, berichtet Jutta Walter, Projektleiterin für den Moorschutz bei der Stiftung Naturschutz. Die Grünlandflächen wurden jahrzehntelang landwirtschaftlich genutzt. Durch die intensive Bewirtschaftung und Entwässerung hatte sich der Torf mehr und mehr zersetzt und das Moor sackte bis zu zwei Meter ab. Noch heute zeugt ein vor einhundert Jahren eingeschlagener Eisenpfahl von der Höhe der damaligen Mooroberfläche. „Als das Moorschutzprogramm des Landes ins Leben gerufen wurde, haben wir geschaut, wo die Stiftung zusammenhängende Flächen besitzt“, erinnert sich Jutta Walter an die Anfänge im Hartshoper Moor. Seit etwa 30 Jahren wurden im Areal kontinuierlich die Flächen gesichert, welche von den Landwirten nicht mehr rentabel bewirtschaftet werden konnten.

Ob Weißes Schnabelried, Glockenheide, Moorlilie, Sonnentau oder Schmalblättriges Wollgras: „Die typischen Moorarten, die ich mir wünsche, sind alle hier“. Stolz zeigt Jutta Walter auf einen Bereich, in dem sich das Sumpftorfmoos angesiedelt hat. „Darüber freue ich mich sehr. Das ist ein Torfmoos, welches auch wirklich wieder Torf aufbauen kann“. Nur wenige Meter weiter entdeckt die Moorschützerin das Rote Bult-Torfmoos: „Das sind die erwünschten Arten“.

Dass die Maßnahmen der Moorrenaturierung im Hartshoper Moor nachhaltig angelegt sind, beweist auch die aktuelle Trockenperiode. „Durch das Verfüllen von Gräben gelingt es uns, die Flächen feucht zu halten“, berichtet Walter. „Die Wasserstände sind hier weniger stark gefallen, als in anderen Mooren Schleswig-Holsteins“. Um knapp 40 Zentimeter sei der Spiegel aber auch hier gesunken, so die Expertin nach der Überprüfung einer Messstelle. Doch nicht nur die moortypische Flora fühlt sich nach der begonnenen Vernässung wohl, auch viele Libellen, Schmetterlinge, Vögel und Amphibien haben das Hartshoper Moor wieder für sich entdeckt. Mit etwas Glück überfliegen einige der majestätischen Kraniche das Areal. Auch Rohrweihe und Kiebitz lassen sich vom Wegenetz aus beobachten.

Im Frühjahr kann außerdem ein ganz besonderes Spektakel bestaunt werden: Die Männchen der Moorfrösche färben sich während der Laichzeit blau. Bis zu 3000 Exemplare tummeln sich dann auf den erfolgreich vernässten Flächen – das sind mehr als in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zusammen.

Kurz notiert

> Etwa vier Kilometer westlich der Gemeinde Hohn bei Rendsburg, mitten in einer fast 1000 Hektar großen Niederung, liegt das Stiftungsland Hartshoper Moor mit 259 Hektar.

> Ein Wegenetz ermöglicht es, das Moor auf eigene Faust zu erkunden. Besondere Höhepunkte, wie den Sonnentau oder die blauen Frösche, können Besucher auf einer Führung erleben, die der Bürgermeister der Gemeinde Sophienhamm, Thomas Kolb, im Frühjahr anbietet.

> Zwei Wander-Touren gibt es. Die kleine Tour verläuft auf zweispurigen Plattenwegen direkt durchs Moor, während die größere im Süden eine kleine Teilstrecke entlang einer schmalen Straße beinhaltet.

> Parkmöglichkeit am Rande der Straße Schemelsdamm, 24806 Sophienhamm.
> Mehr Informationen zu Ausflugsmöglichkeiten und Tierwelt: stiftungsland.de



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