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Böswillige Gerüchte : Hetzkampagne gegen Asylbewerber

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der „Real“-Markt an Schleswiger Chaussee reagiert mit Plakat auf erfundene Anschuldigungen. Das Autohaus „May&Olde“ wurde ebenfalls Ziel von Lügen.

Das brusthohe Schild im Eingangsbereich ist nicht zu übersehen. Jeder Kunde, der den „Real“-Supermarkt an der Schleswiger Chaussee betritt, muss an ihm vorbei. In knapp 30 Zeilen nimmt die Geschäftsleitung die Flüchtlinge gegen Gerüchte und Falschinformationen in Schutz, die zurzeit in sozialen Medien und durch Mundpropaganda verbreitet werden.

Auf dem Schild listet „Real“ die falschen Anschuldigungen auf: Angeblich hätten Diebstähle zugenommen. Flüchtlinge würden für Diebstähle unter 50 Euro nicht belangt. Flüchtlinge würden gegenüber anderen Kunden bevorzugt und erhielten Gratisware. Ebenso aus der Luft gegriffen sei, dass Mitarbeiter sich bei Flüchtlingen mit gefährlichen Krankheiten angesteckt haben oder dass eine baldige Marktschließung bevorsteht. Sämtliche Behauptungen werden in der Mitteilung entkräftet. Doch die Gerüchteküche hat dafür gesorgt, dass viele Kunden besorgt sind, manche wütend. Sie fragen die Angestellten, was dran sei an den Vorwürfen.

„Real“-Geschäftsleiter Mladen Knezevic stellt klar: „Bei den Behauptungen handelt es sich durchweg um böswillige und falsche Gerüchte. Es gab bisher nicht einen einzigen Diebstahl von Seiten der Lagerbewohner.“ Im Gegenteil: Er sei positiv überrascht von der unkomplizierten Verständigung. „Wir hatten uns das im Vorhinein komplizierter vorgestellt.“

Seit das Schild vergangene Woche aufgestellt wurde, habe der Markt viele positive Reaktionen von den Kunden erhalten. Knezevic: „Die Mitteilung wird sehr gut angenommen. Einige befestigen eigene Zettel daran. Darauf steht, wir sollten den Hetzereien keinen Glauben schenken, uns nicht unterkriegen lassen.“ Der Markt unterstützt verschiedene Hilfsaktionen für Flüchtlinge. Zudem können Kunden ihr Mehrwegpfand spenden. Die Summe wird durch den Markt ergänzt und geht als Sachspende regelmäßig an das Flüchtlingscamp. Auch das Autohaus May & Olde, das sich an der Büsumer Straße in Sichtweite des Camps befindet, sieht sich mit Hetze gegen dessen Bewohner konfrontiert. So wird das Gerücht verbreitet, dass man bald einen Zaun um das Geschäft ziehen will, um sich vor Diebstahl und Vandalismus zu schützen. „Kunden fragen uns, ob wir bald schließen“, sagt eine Mitarbeiterin. „Das alles ist natürlich nicht wahr. Bei uns ist bisher nichts vorgefallen.“

Polizeisprecher Rainer Wetzel stellt fest, dass es seit der Eröffnung des Erstaufnahmelagers keine nennenswerte Steigerung von Delikten gibt. „In den Unterkünften kommt es gelegentlich mal zu Diebstahl und Körperverletzung“, sagt er. „Natürlich lässt sich auch außerhalb des Camps der eine oder andere Ladendiebstahl mit der Einrichtung verbinden. Die Zahlen sind aber völlig normal für eine so große Menschenmenge. Wo Menschen sind, werden Straftaten begangen.“

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erstellt am 08.Okt.2015 | 12:14 Uhr

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