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Der erste Tag : Herzklopfen vor der ersten Stunde

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Grundschule Rotenhof begrüßte gestern die neuen Erstklässler. Es gibt fünf Klassen – eine davon für Migrantenkinder ohne Deutschkenntnisse.

Ungewohnt viele große Menschen tauchten gestern an der Grundschule Rotenhof zwischen den umherwuselnden Schülern auf. An die Hände der Mamas und Papas geklammert, den neuen bunten Ranzen auf dem Rücken und mit Herzklopfen strömten die Erstklässler zu ihrer Einschulung in die Turnhalle.

Irgendwann hatten alle einen Platz gefunden, und der kommissarische Schulleiter Detlef Vogel schaffte es, den Pegel des Geschnatters etwas zu reduzieren. So konnten die Zweitklässler die Abc-Schützen mit einem Lied willkommen heißen. Eine Erstklässlerin mit weißem Schleifchen im Haar wischte sich die Tränen von den Wangen und schaute sich nach ihren Eltern um, klatschte aber tapfer mit den anderen Applaus.

Viele der neuen Schüler hatten die Nacht zuvor nicht gut geschlafen. „Keine Sorge“, sagte ihnen Detlef Vogel. So sei es auch allen Erwachsenen hier schon mal gegangen. Dann teilte er seine neuen Schützlinge in ihre Klassen ein: Jeder fasste mit der Hand an ein Seil, das für seine Klasse stand. Die so gebildeten Kinderketten zogen mit ihrer jeweiligen Klassenlehrerin in ihre erste Schulstunde.

Neben den vier regulären Klassen gibt es die sogenannte DAZ-Klasse (Deutsch als Fremdsprache). In ihr finden sich dieses Jahr etwa 20 Migrantenkinder zusammen, die noch kein oder fast kein Deutsch sprechen. Teils sind es Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, dem Irak oder Eritrea, teils Kinder aus EU-Ländern: Polen, Rumänien oder Italien. „Vier bis sechs Wochen werden sie in der DAZ-Klasse bleiben, um die Sprache zu lernen“, erklärte die Lehrerin der Klasse Ulrike Weiß, „dann werden sie auf die anderen Klassen aufgeteilt, damit sie sich möglichst schnell integrieren können.“

Auch ohne Deutschkenntnisse verstehen sich die Kinder offenbar blendend mit ihrer Klassenlehrerin. Die erste Stunde hatte ihnen schon viel Spaß gemacht. Und nach der Verabschiedung lief einer der Jungen noch einmal zu Ulrike Weiß, um sie zu umarmen.

Die Eltern warteten am Buffet auf ihre lieben Kleinen. Ihnen riet Detlef Vogel, ihre Kinder der Schule anzuvertrauen und sie ein Stück weit los zu lassen: „Ihr Kind hat heute Mut bewiesen. Das müssen Sie jetzt auch. Es ist wichtig, dass ihr Kind Selbstständigkeit lernt. Es kann viel mehr, als Sie denken. Lassen Sie es ruhig allein zur Schule gehen.“


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erstellt am 03.Sep.2015 | 09:54 Uhr

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