Rendsburg : Hertie-Haus: Frühjahrsputz am Schandfleck

Zusatzarbeit: Nebenher wird auch die Heinrich-de-Haan-Büste von Farbe befreit. Foto: Trittmaack
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Zusatzarbeit: Nebenher wird auch die Heinrich-de-Haan-Büste von Farbe befreit. Foto: Trittmaack

Eine Reinigungsfirma hat in Rendsburg auf eigene Kosten das Hertie-Haus vom Dreck befreit. Der Eigentümer des Gebäudes stimmte der Aktion erst nach einigem Zögern zu.

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09. April 2013, 12:59 Uhr

Rendsburg | Die Szenerie am Sonnabendvormittag machte viele Passanten neugierig: Am Hertie-Haus wurde gearbeitet. Zum ersten Mal seit dem 15. August 2009, als das Kaufhaus für immer seine Pforten schloss. Jetzt legten sich Rocky Höfer, Jennifer Kelly, Boris Mattigat und Nico Antoschuk von der Reinigungsfirma Schröder und Partner mächtig ins Zeug. Sie putzten Fenster, kratzten Aufkleber von den Scheiben, fegten Müll zusammen. Sie rückten dem Dreck von fast vier Jahren zu Leibe. Die Reaktion der Rendsburger war immer dieselbe: "Tut sich hier endlich etwas? Ist das Haus verkauft? Wer kommt denn hier rein?"

Nein, das alte Hertie-Haus ist nicht verkauft und es gibt auch keine Hinweise auf eine neue Nutzung. Den dringend notwendigen Frühjahrsputz haben auch nicht die Eigentümer in Auftrag gegeben - es war eine Idee von Birte Karstens, der Niederlassungsleiterin von Schröder und Partner: "Die Sonne scheint und überall wird sauber gemacht. Und wir haben hier mitten in der Stadt einen Schandfleck, der immer mehr verkommt. Da wollte ich ein Zeichen setzen." Birte Karstens nahm Kontakt zum Verwalter des Hauses in Düsseldorf auf und fragte nach einer Genehmigung für eine kostenlose Reinigung. "Zunächst waren die zuständigen Leute ein wenig skeptisch. Sie wollten wohl nicht, dass das Haus weiter ins Gerede kommt. Letztlich aber haben sie zugestimmt", sagte die Geschäftsfrau.

Reinigungsfirma trägt Kosten selbst

Die Kosten für den rund zweistündigen Einsatz trägt ihr Unternehmen, die Mitarbeiter werden dafür natürlich bezahlt. Und sie haben an diesem Vormittag gut zu tun. Papier, Laub und Dreck liegen im ehemaligen Eingangsbereich der Kaufhauses knöcheltief und auf den Fensterscheiben und -rahmen hat sich eine dicke Dreck-Kruste abgesetzt. Die Arbeiter nehmen sich die Front am Altstädter Markt vor und den Durchgang zur Marienkirche. Genug Arbeit für zwei Stunden. Allerdings: Auch auf der Rückseite ist das Hertie-Haus ein Schandfleck, vom Stegengraben gar nicht zu sprechen. Und wie es drinnen aussieht, will wohl niemand so genau wissen. Aber es kann nicht Aufgabe einer privaten Aktion sein, die Arbeit der Eigentümer zu erledigen und diese aus der Verantwortung zu entlassen. Der Hertie-Frühjahrsputz sollte lediglich ein Zeichen sein. Dieses Zeichen soll auf Eigeninitiative hinweisen, auf die Möglichkeit, selbst etwas für Rendsburg tun zu können - und nicht zuletzt darauf, was der Stadt durch die untätigen Eigentümer angetan wird.

Dass es nicht allein um ein etwas schöneres Erscheinungsbild am Altstädter Marktes ging, begriffen die Passanten sofort. "Wie herrlich, es wird sauber gemacht", freute sich eine ältere Dame beim Anblick der fleißigen Arbeiter - um nach der Erklärung der Aktion gleich hinzuzufügen, die Eigentümer sollten sich schämen, das Gebäude so verkommen zu lassen. "Aber vielleicht bekommen sie ja ein schlechtes Gewissen, wenn sie das hier mitbekommen."

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