zur Navigation springen

Regatta-Verein Rendsburg : Herrenlose Schiffe: Schwimmende Kostenfallen im Rendsburger Hafen

vom

Sie sind im Weg, sie sehen nicht schön aus und wenn die verlassenen Schiffe sinken, muss der Club die Bergung zahlen.

shz.de von
erstellt am 31.Jul.2017 | 15:42 Uhr

Rendsburg | Sträucher wachsen an Deck aus den Planken. Ihr Lack ist weitgehend abgeplatzt. Moos breitet sich aus. Über die Stahlstreben des hölzernen Rumpfs ziehen sich braune Rostspuren. Am Donnerstag pumpte Hafen- und Takelmeister Jochen Pahl geschätzt 15.000 Liter Wasser aus dem Bauch der „Heimatland Maasholm“. Der Fischkutter im Sportboothafen des Regatta-Vereins Rendsburg (RVR) an der Obereider drohte, zu sinken. Die Polizei sucht nun den Eigentümer, der sich weder um den Zustand des Schiffs kümmert noch die Liegegebühren zahlt.

<p>Die „Heimatland Maasholm“ liegt seit fünf Jahren im Sportboothafen.</p>

Die „Heimatland Maasholm“ liegt seit fünf Jahren im Sportboothafen.

Foto: Becker
 

„Totbleiber“ nennen die Skipper Schiffe, die zum Sterben im Hafen zurückgelassen werden. „Da leiden alle Sportboothäfen drunter. Drei Sorgenkinder haben wir immer“, sagte der Vorsitzende Wolfgang Storm. Der Sportboothafen bietet 200 Liegeplätze an. Abgesehen von dem Fischkutter dümpeln dort noch zwei Segelschiffe, um die sich niemand kümmert.

Der Eigentümer der „Lille Liene“ hat sich aus dem Staub gemacht.

Der Eigentümer der „Lille Liene“ hat sich aus dem Staub gemacht.

Foto: Frank
 

Die aus Holz gefertigte „Lille Liene“ wurde vor einigen Jahren in gutem Zustand verkauft und setzt seither Moos an. „Die Post an den Eigner kommt immer zurück. Da sind wir mit dem Anwalt hinterher“, sagte Pahl. Den Besitzer einer Kunststoff-Yacht kennt er. „Der bezahlt die Liegegebühr, hat aber die Aufforderung erhalten, sein Schiff instand zu setzen. Das ist ja kein guter Anblick.“

<p>Der Verein forderte den Besitzer dieser Yacht auf, sie instand zu setzen.</p>

Der Verein forderte den Besitzer dieser Yacht auf, sie instand zu setzen.

Foto: Frank

Pahl geht es aber nicht nur um die Optik und die Zahlungsmoral. Beim Zu-Wasser-Lassen der Schiffe im Frühling und ihrem Einholen im Herbst sind die Totbleiber im Weg. Die Yachten werden längs zur Anlegestelle gelegt, damit ein Krahn sie an Land heben kann. Dafür müssen die herrenlosen Schiffe, die über Winter im Wasser bleiben, umständlich zur Seite geschoben werden.

Herrenlose Boote können für Yachtclubs zur Kostenfalle werden. Die Eigner müssen ihre Schiffe zwar versichern. Die Versicherung zahlt aber nur, wenn die Besitzer ihren Sorgfaltspflichten nachgekommen sind. Die Sachbearbeiter rufen dann bei den Hafenmeistern an und fragen, ob die Eigner wöchentlich nach dem Schiff gesehen haben. Wenn nicht, bleibt der Verein auf den Bergungskosten sitzen.

Im Unterschied zu den verlassenen Yachten an der Obereider stellt der Kutter ein hohes Risiko dar. Wenn die Dichtung seiner Antriebswelle mit einem Durchmesser von 300 Millimeter vergammelt, zieht sie viel Wasser. Die Dichtungen der Segler sind dafür kaum anfällig. Storm schätzt den Preis einer Kutter-Bergung auf 50.000 bis 100.000 Euro. Bisher musste der Verein nur ein havariertes Schiff auf eigene Kosten aus dem Wasser holen lassen, konnte die Ausgaben aber durch den Verkauf wieder hereinbekommen.

Der Büdelsdorfer Yachtclub bietet 50, der Eider-Yacht-Club etwa 36 und der Verein Eider-Marina Rendsburg neun Liegeplätze an. Sogenannte Totbleiber haben diese drei Vereine zurzeit nicht zu beklagen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen