Herbstgefühle im Juli

Felix Rumpf zeigt ausgetrockneten Boden.
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Felix Rumpf zeigt ausgetrockneten Boden.

Laubberge nicht nur in der Nortorfer Innenstadt / Böden bis in 1,6 Meter Tiefe stark ausgetrocknet

shz.de von
27. Juli 2018, 10:54 Uhr

Auf den ersten Blick sieht es in der Nortorfer Innenstadt bereits aus wie im Herbst: Rund um die St. Martinkirche bedeckt eine nahezu geschlossene Schicht mit vertrocknetem Laub den Rasen. Ein Phänomen, das derzeit nicht nur regional in Nortorf, sondern überall im Kreis Rendsburg Eckernförde zu beobachten ist.

Der Hochsommer hat Schleswig-Holstein voll im Griff. Die Sonne brennt erbarmungslos herunter und das Thermometer überspringt momentan täglich die 30-Grad-Marke. Dazu kommt, dass es seit Anfang Mai kaum geregnet hat. Und genau da liegt das Problem. „Normalerweise werfen die Linden ihre ausgeblühten Blüten im Laufe des Sommers über einen längeren Zeitraum ab – da fällt das gar nicht so auf“, erklärt der Friedhofsverwalter der Kirchengemeinde, Heinz-Jürgen Schafranski. Aufgrund der andauernden Trockenheit geschehe das aber nun nahezu schlagartig. „Das ist Eigenschutz. Alles was die Bäume nicht zum direkten Überleben brauchen, wird abgeworfen – inklusive einem Teil der Blätter. So etwas habe ich in meiner 44-jährigen Dienstzeit noch nie erlebt“, fügt der Friedhofsverwalter an.

Doch nicht nur das Laub bedeutet einen zusätzlichen Aufwand für Schafranski und seine Mitarbeiter. So müssen neben den Gemeinschaftsanlagen auch die Pflanzen auf allen Gräbern, für die die Verwaltung die Pflege übernommen hat, ausreichend gewässert werden. „Alleine damit sind wir jeden zweiten Tag fast nahezu ausgelastet“, verrät Schafranski.

Ein weiteres Problem ist der trockene Boden selbst. „Ein Grab muss für eine Erdbestattung mindestens 1,6 Meter ausgehoben werden“, erzählt Schafranski. An einigen Stellen sei der Boden bereits bis in diese Tiefe schon so stark ausgetrocknet, dass er nur noch wie feiner Sand ist. „Da reicht ein Stein, durch den sich die Baggerschaufel nicht richtig schließt, und alles rieselt wieder aus der Schaufel heraus“.

Die anhaltende Dürre macht ebenfalls den Gartenbaubetrieben zu schaffen. Das Unternehmen Rumpf aus Nortorf betreut unter anderem Außenanlagen in Nortorf, Sehestedt und Rendsburg. „Zurzeit sind drei komplette Kolonnen mit insgesamt 15 Mitarbeitern nur noch mit dem Wässern beschäftigt“, erklärte Felix Rumpf, einer der drei Geschäftsführer des Unternehmens.

Dementsprechend werden andere Arbeiten wie zum Beispiel das Entfernen von Unkraut oder Schneiden von Hecken erst einmal hinten angestellt. „Die Erhaltung der Pflanzen hat derzeit bei uns die höchste Priorität. Und wenn es nicht gerade um feste Termine geht, pflanzen wir auch nichts Neues an“, ergänzt Rumpf.

Bevor Feuchtigkeit in den Boden einziehen kann, muss erst einmal vorgewässert werden. „Deshalb sind die wenigen, kurzen Regenschauer auch nicht wirklich effektiv. Die bündeln nur den Staub, der Rest läuft ab“, betont Rumpf. Nur ein Tropfen auf den heißen Stein, doch selbst der hält nicht mehr. Denn auch Betonbauarbeiten werden bei Trockenheit und Hitze problematisch.



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