Im Einsatz auf dem Kanal : Helmut Lüthje geht von Bord

Auf der Brücke: 2006 wurde aus dem Decksmann ein Kapitän.
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Auf der Brücke: 2006 wurde aus dem Decksmann ein Kapitän.

Nach 48 Berufsjahren beendete der Schiffsführer der Kanalfähre „Memel“ seine letzte Wache. Helmut Lüthje fuhr in Sehestedt, Breiholz und Schacht-Audorf.

shz.de von
31. Juli 2018, 11:13 Uhr

Sehestedt | Vorsichtig und mit langsamer Fahrt steuert Helmut Lüthje die vollbesetzte NOK-Fähre „Memel“ die letzten Meter bis zum südwestlichen Anleger der Fährstation Nobiskrug. Tausende Male zuvor hat er das zwischenfallfrei getan, genauso wie in Breiholz und in Sehestedt auch. Ganz besonders in Sehestedt, denn da lebt der erfahrene Schiffsführer mit Ehefrau Elvira seit 34 Jahren und hatte dort zwangsläufig den kürzesten Weg bis zur Arbeit. Nur wenige hundert Meter vom Kanalblick bis zur Fähre sind es für ihn. Aber nun ist so oder so Schluss mit Arbeitsweg, denn Helmut Lüthje (63) hatte am Sonnabend seine letzte Wache als Schiffsführer, geht nach 48 Berufsjahren in Rente.

Eigentlich hatte Lüthje mit Schifffahrt nichts am Hut. Gelernter Landmaschinenmechaniker war er ursprünglich, allein die Möglichkeit in den Staatsdienst zu wechseln, ließ ihn trotz eher schwacher Entlohnung in den Dienst der Kanalverwaltung treten. Streckenarbeiter war er dort zuerst, fuhr auch Bagger und Lkw, später wurde er schließlich Weichenwärter. „Ein Traumjob“, wie er sagt, durch Wochenenddienste und Nachtschichten hätte man richtig gut verdienen können. Die Weichenwärter, eine längst von moderner Technik abgelöste Tätigkeit, hatten die Aufsicht in den Ausweichstellen des Nord-Ostsee-Kanals und meldeten den durchgehenden Schiffsverkehr an die Zentrale. Die früheren Wärterhäuschen lassen sich noch heute an den Kanal-Weichen entdecken und dienen längst anderen Zwecken.

Wie auch immer, diese technische Entwicklung ließ Helmut Lüthje schließlich zum Decksmann auf den Schiffen und Fähren des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) werden. „Das war schon okay, reichte mir aber nicht“, erklärt er lachend und machte sich schließlich dran, neben der Arbeit das Binnenschifferpatent zu erwerben. „Das gelang, und da bin ich auch stolz drauf“, sagt er und erwähnt beiläufig, dass er dazu viel Zeit und rund 5000 Mark investieren musste, allerdings hätte das WSA ihn durch die Gewährung von Bildungsurlaub unterstützt. Im Juni 2006 wurde er schließlich Schiffsführer beim WSA, eine Tätigkeit, die er bis zum heutigen Tag mit Neigung und großem Engagement nachgegangen ist.

Manch Ärger ist in der Rückschau geblieben, viel Positives aber auch. Dreimal hat er beispielsweise mit der Sehestedter Kanalfähre einen Notarzt zu einem vorbeifahrenden Frachtschiff transportieren müssen und einmal hätte ihn jemand angezeigt, da er für ein Brautpaar den „Hochzeitswalzer“ mit Typhon-Signalen mit der Fähre gefahren hatte. Ohnedies sei festzustellen, dass die Rücksichtslosigkeit der Fahrgäste zunehmen würde. „Den meisten Ärger bekommen aber die Decksleute ab“, erklärt Lüthje, oft ginge es den Autofahrern nicht schnell genug, um Vordränglern sollen sie sich kümmern und vieles mehr.

„Aber dennoch“, so der scheidende Kapitän, „mir hat der Beruf viel Freude gemacht und ich werde sicher Verbindung zur Schifffahrt halten.“ Und so ganz folgenlos endete auch die letzte Wache auf der „Memel“ in Schacht-Audorf nicht. Etliche Kollegen und auch Ehefrau Elvira hatten sich zum Abschied eingefunden. Unter großem Hallo beendete er nach 26 Jahren beim WSA die letzte Wache, aber die offizielle Abschiedsfete findet erst diese Woche statt.



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