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Sammler hoffen auf Hilfe : Helfer auf Unterstützung angewiesen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Unsicherheit bei Freiwilligen-Team auf dem Oktogon-Gelände. Mietforderungen bringen den Verein „W.I.R. für Rendsburg“ an die Grenze.

von
erstellt am 03.Jan.2016 | 16:24 Uhr

Frust bei den Spendensammlern: Seit Monaten sortieren freiwillige Helfer aus Rendsburg und Umgebung fast täglich Kleider- und Sachspenden für Flüchtlinge auf dem Oktogon-Gelände. Sie geben Jacken, Spielzeug und Co. an die Menschen aus, bringen Möbel in die neuen Unterkünfte und nehmen fünf Tage die Woche Spenden entgegen. Doch seit einigen Wochen machen sich die ehrenamtlichen Helfer Sorgen, ob sie dieses Arbeit fortführen können. Denn sie belegen inzwischen fast alle Lagerräume der Firma Gebäude-Management & Immobilien (GMI), die diese zunächst kostenfrei zur Verfügung gestellt hatte. Jetzt möchte der Inhaber Miete für die rund 90 Lagerboxen haben. „Verständlich“, wie die Helfer finden, doch woher sie das Geld nehmen sollen, wissen sie nicht.

Was im Sommer dieses Jahres mit einem – wie die Bürger selbst sagen – „wilden Haufen engagierter Helfer“ begann, ist inzwischen sehr gut durchorganisiert. Jetzt haben sie sogar einen Verein gegründet. „W.I.R. für Rendsburg“ lautet der Name und steht für „Den Willen zu helfen – die Initiative zu ergreifen – das Richtige tun.“ Der Rendsburger Steffen Uebelhör wurde vor Kurzem zum ersten Vorsitzenden gewählt, 20 Mitglieder zählt der Verein bereits.

Über zwei Stockwerke verteilt sind hunderte von Bürgerspenden auf dem Gelände der ehemaligen Feldwebel-Schmid-Kaserne untergebracht – ganz akkurat sortiert nach Frauen- und Männerkleidung, Größen, Hygieneartikeln, Schuhen und Hausrat. Die Erfahrungen Uebelhörs als gelernter Lagerexperte kommen dem Verein zugute. Ein besonderer Höhepunkt befindet sich im zweiten Stock: Der kleine Raum, in dem sich das Spielzeug befindet. Dieser wurde zu einem Spielzimmer umgebaut, sodass die Flüchtlingskinder sich dort beschäftigen können, während die Eltern sich Kleidung und anderen Dinge aussuchen. Die Helfer haben sogar eine Fahrradwerkstatt aufgebaut. Dort werden alte Drahtesel wieder flott gemacht und an die Flüchtlinge weitergegeben. Dass das alles bald vorbei sein könnte, möchten sich die Helfer kaum ausmalen. „Wir haben Angst, dass wir keine Räume mehr haben und aufhören müssen“, sagt Vereinsmitglied Katja Ledwinka. Deshalb hat sie vor ein paar Wochen einen Brief nach Kiel geschickt, in dem sie ihre Sorgen schildert. Innenminister Stefan Studt habe bereits darauf reagiert und ihnen Unterstützung zugesagt, berichtet sie. Doch wie diese genau aussehen soll, ob das Land die Mietkosten übernehmen wird oder ob es vielleicht andere Räume für die Gruppe gibt – das alles bleibt weiter ungewiss. „Wir fühlen uns damit im Moment ziemlich allein gelassen. Wir werden von allen als selbstverständlich genommen, aber wenn es darum geht, uns finanziell zu unterstützen, ist plötzlich keiner mehr da“, sagt der Vorsitzende. „Es ist ein Kampf gegen die Windmühlen. Das kostet mehr Kraft als das Spendeneinsammeln.“

Auch die Zusammenarbeit mit der Stadt Rendsburg laufe nur schleppend, beklagen sich die Vereinsmitglieder. Dort fühle man sich für die Gruppe nicht zuständig, sondern sehe das Land in der Pflicht, so Uebelhör nach einem Treffen im Rathaus. „Wir sind alle überfordert, das ist klar. Aber man muss doch gerade deshalb enger zusammenrücken und enger zusammenarbeiten. Wir wollen doch schließlich alle das Gleiche“, sagt er.

>Wer Spenden abgeben möchte, kann dies ab dem heutigen Montag wieder tun. Die Annahmestelle in der Halle 44 auf dem Oktogon-Gelände (Schleswiger Chaussee 91) ist immer montags bis donnerstags von 9 bis 17 Uhr sowie freitags von 9 bis 15 Uhr geöffnet. Wer beim Spenden sortieren helfen möchte, muss kein Vereinsmitglied sein. Jeder, der mithelfen möchte, kann sich mit dem Vereinsvorsitzenden Steffen Uebelhör in Verbindung setzen (Tel. 0160/377  21  63). Zum Großteil kommen die Spenden den Flüchtlingen in der Region zugute. Der Verein weist aber darauf hin, dass zum Beispiel große Kleidergrößen auch an Bedürftige verteilt werden.

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