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Rendsburg : Hela-Musical spielt in der Profiliga mit

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Premiere von „Odysseus und Penelope“ reißt das Publikum von den Sitzen. Rund 120 Mitwirkende spielen groß auf und vermischen Antike mit Moderne. Für heute und morgen gibt es nur noch Restkarten.

Poseidon tobt. Sollte Odysseus ihm und seinem Hass doch entkommen? Die Zuschauer halten die Luft an. Schon bei den ersten energiegeladenen Worten und den zornigen Blicken von Christian Zell als Meeresgott ist klar: Hier steht ein großes Talent auf der Bühne. Überhaupt ruft die Premiere des neuen Musicals „Odysseus und Penelope“, das im Rahmen des 125-jährigen Geburtstages des Helene-Lange-Gymnasiums (Hela) gezeigt wird, die Superlative auf den Plan: Drei Stunden dichte Spannung, eine so tragische wie geistreiche und humorvolle Handlung, ein wirkungsmächtiges Bühnenbild, atemberaubende Tanzszenen und Songs mit Ohrwurmcharakter. Am Schluss zog es das Premierenpublikum kollektiv in Sekundenschnelle für Standing Ovations von den Sitzen – und das nicht nur, weil viele ihre Familienangehörigen bejubelten. Alle sind sich nach der Vorstellung einig: Das ist die beste Hela-Inszenierung überhaupt. Das ist etwas ganz Besonderes. Das ist Profiliga.

Das Hela-Viererteam, das mit „Odysseus“ sein drittes selbst geschriebenes und vertontes Musical vorstellt, hat sich im Zusammenwirken selbst übertroffen. Andreas Jung (Musik), Hella Mahrt (Tanz), Michael Osbahr (Text) und Achim Prigge (Regie, Bühnenbild) haben einen Hit kreiert, der über Rendsburg hinaus wirken sollte!

Die Energie der Vorlage springt von Anfang an auf alle rund 120 Akteure über: Orchester, Chöre, Tänzer und Spieler steigern sich gegenseitig. Keine Pannen, keine Hänger, Schüler-Spitzenleistungen und herausragende Partien. Patrick Bogusch rappt beispielsweise als Odysseus‘ Sohn Telemachos einen großartigen Heldensong, Saskia Wolf überzeugt mit mitreißendem Stimmvolumen als Penelope, Malte Jepsen hält als Odysseus souverän die Fäden in der Hand, glänzt vor allem in den Tanzszenen. Und der Unterstufenchor heizt mit dem Schweinesong die Stimmung an. Als Humorgipfel tagt der Götterrat in Form einer steifen Lehrerkonferenz und beschließt Odysseus‘ Rückkehr.

Zeus-Bruder Poseidon kann diesen nur kurzzeitig aufhalten. Am Schluss kehrt der Held des trojanischen Krieges nach 20 Jahren und langer Irrfahrt doch zu seiner Familie zurück. In Abwandlung der griechischen Mythologie geschieht dies ganz unblutig. Auch andere, eigentlich grausame Szenen sind familienfreundlich ästhetisiert. Dennoch gibt das Etikett „Frei nach Homer – mit Humor“ die Güte der Aufführung nur unzureichend wieder. Es ist keine verniedlichte flache Version, sondern eine gelungene Gratwanderung zwischen altem Stoff, stimmiger Aktualisierung und witzigen Wortwechseln, die durch die fantasievolle Umsetzung nachhaltige Bilder erzeugt.

Die Begegnung des Odysseus‘ mit den furchtbaren Seeungeheuern Skylla und Charybdis – ein atemberaubendes Tanztheater, das der Performer Vinicius von der Münsteraner Musikhochschule als Gast choreografierte. Die Befreiung des Ithakers aus der Macht des einäugigen Riesen – Schwarzlichttheater mit riesigen weißen Figuren. Der Kampf gegen die Anziehungskraft der Sirenen – ein geheimnisvolles Schattenspiel um die im dunklen Rotlicht rudernden Gefährten. Auch die Aktualisierungen haben es in sich: Die jungen Königstöchter, die Odysseus am Strand finden, telefonieren mit Muscheln und ritzen in diese SMS (Schreiben mit Stöcken…). Die Götter tragen Anzug, sind mit menschlichen Schwächen wie Bürokratismus oder Trunksucht ausgestattet. Zum Verständnis ist kein Vorwissen nötig, doch wer den alten Stoff kennt, entdeckt viele witzige Anspielungen und Querbezüge. Musik und Tänze bilden mit der Kombination verschiedener Stile die Brücke zwischen Antike und Moderne, zwischen identitätsstiftender Idee der alten Griechen und identitätsstiftender Projektarbeit der Hela-Musicals!

 

Das Musical ist noch heute und am Dienstag (jeweils 20 Uhr) in der Aula der Waldorfschule zu sehen. An der Abendkasse gibt es noch Restkarten.

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