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Ärger mit der BGP : Hausverwaltung lässt Mieter im Schimmel leben

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Stefan Klemens wartet seit Jahren auf die Sanierung seiner BGP-Wohnung.

shz.de von
erstellt am 13.Jun.2017 | 16:55 Uhr

Schwarzer Schimmel zieht sich über weiße Fensterrahmen. Der Lack ist aufgeplatzt. „Der Schimmel hat sich ins Holz reingefressen, und es interessiert niemanden“, sagt Stefan Klemens. Er hat kein Verständnis dafür, dass die BGP-Hausverwaltung in Berlin kürzlich 685 Rendsburger um ihr Einverständnis in eine Mieterhöhung bat (wir berichteten). „Wofür?“, fragt er.

Bei einem Starkregen vor fünf Jahren drang Wasser in das Badezimmer seiner Mietwohnung an der Idstedtstraße in Rendsburg ein. Mit den Folgeschäden lebt Klemens bis heute. Der Vermieter behob sie nicht. Gestern wies eine Sprecherin der BGP-Hausverwaltung auf Anfrage der Landeszeitung darauf hin, dass die Schäden vor der Übernahme des Objekts im Jahr 2014 entstanden seien. Sie kündigte aber an: „Wir prüfen das. Die Hausverwaltung bemüht sich um Aufklärung.“

Klemens erinnert sich noch gut an das Unwetter im Jahr 2012: „Ich kam von der Arbeit, und das Wasser lief die Wände runter.“ Er ist als Pfleger in einem Rendsburger Hospiz tätig. Als er den Hausmeister rief, zog der an der Tapete, sodass sie aufriss. Seitdem hängt sie in großen Fetzen herab und gibt den Blick auf einen schwarzen Schimmelfleck frei. „Ich könnte sie abreißen, aber ich weiß nicht, was mit der Wand los ist“, sagt Klemens. Unterhalb der Decke und oberhalb der Hauptwasserhähne zeichnen sich auf der Raufasertapete gelbe Ränder ab. „Je mehr Zeit verstreicht, umso mehr geht kaputt. Das mehr als fünf Jahre ruhen zu lassen, ist sehr mutig“, sagt Klemens mit Blick auf seine Hausverwaltung.

Vor zwei Jahren kündigte die BGP an, dass eine Sachbearbeiterin und der Hausmeister sich die Schäden ansehen wollten. Er sollte bis dahin nicht renovieren. Der Besuch blieb jedoch aus. Nachdem Dachdecker vor einem Jahr mit einer Leiter an dem Mehrfamilienhaus hinaufstiegen und sich den Bereich über seiner Wohnung ansahen, sprach Klemens sie an. „Der Schaden des Daches besteht laut Aussage der Firma bereits über Jahre und nicht erst seit gestern. Die Hausverwaltung reagiert darauf weiterhin mit Ignoranz“, berichtet er. Im Büro an der Bismarckstraße habe er oft die Antwort erhalten: „Davon wissen wir nichts, und gemeldet haben Sie diesen Schaden nicht.“ Bei einem Besuch hieß es: „Neue Fenster bekommen Sie nicht, sonst müssten wir sie überall austauschen.“ Klemens mietet die Wohnung seit 2010 und ärgert sich: „Die Wohnungen sind in den sieben Jahren fünfmal verkauft worden. Da sitzen immer neue Sachbearbeiter. Keiner hat einen Durchblick.“

Die Wasserschäden stellen nicht das einzige Problem dar: Im Jahr 2015 zählte Klemens 27 Heizungsausfälle. Auch die Warmwasserzufuhr streikte regelmäßig. „Ich habe immer Angst vor dem Winter“, sagte er. Gleichzeitig heizt die Heizung im Badezimmer permanent, obwohl Klemens den Regler auf Null gestellt hat. Die Heizkosten dafür muss er tragen. Eine Mietminderung wegen der Heizungs- und Warmwasserausfälle akzeptierte die BGP nicht. Stattdessen erhält Klemens alljährlich Rechnungen zur Nachzahlung von Nebenkosten in Höhe von 300 bis 400 Euro. Er kann den Anstieg nicht nachvollziehen, da er die Wohnung allein bewohnt und regelmäßig arbeitet. Auf der Nebenkostenabrechnung tauchen zudem Ausgaben für einen Geschäftsbetrieb auf, den er aber nicht führt. Nicht zuletzt erhielt Klemens vier- oder fünfmal eine fristlose Kündigung mit der Begründung hoher Mietschulden. Er stellte fest, dass die Nebenkosten fälschlich als Mietschulden deklariert wurden. 17 Anwaltsschreiben deshalb seien nicht beantwortet worden. Klemens erläuterte den Irrtum aber regelmäßig bei Gesprächen in der BGP-Geschäftsstelle und konnte die Kündigung dadurch abwenden. Trotzdem wiederholte sich das Prozedere Jahr für Jahr.

Umziehen will Klemens nicht. „Etwas Neues zu finden, ist nicht so einfach. Ich habe auch ein paar Erinnerungen an die Wohnung“, sagt er. Außerdem liebe er die Herausforderung. Als nächstes will er Küche und Wohnzimmer renovieren.

Beim Einzug zahlte Stefan Klemens für die 54 Quadratmeter große Wohnung 395 Euro warm, inzwischen sind es 428 Euro. Die BGP bat ihn aber im Unterschied zu anderen Mietern nicht um sein Einverständnis in eine Erhöhung. Angesichts des schlechten Services würde er auch nicht einwilligen.

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