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Filmpremiere : Hauptrolle für einen scheuen Nager

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Auf dem Gelände des Golf-Clubs Aukrug drehte Joachim Hinz im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks einen Film über Haselmäuse. Die Uraufführung fand im „Tivoli“ statt.

shz.de von
erstellt am 31.Dez.2013 | 08:00 Uhr

Filmpremiere im „Tivoli“ in Innien: Gezeigt wurde der neue Fernsehfilm des Aukruger Naturfilmers Joachim Hinz. Die Hauptrolle in „Kleiner Langschläfer hellwach“ spielt die nachtaktive und sehr scheue Haselmaus. In Nebenrollen sind Eichhörnchen, Eichelhäher, Wiesel, Waldkauz und Haselnussbohrer (eine Wurmart) zu sehen. Gedreht wurde der Film, der im Frühjahr im WDR ausgestrahlt wird, zu 50 Prozent auf dem Golfplatz in Aukrug-Bargfeld, wo die sehr selten gewordene Haselmaus einen für sie idealen Lebensraum gefunden hat.

„Ich bin selbst erstaunt, welch großen Auflauf so ein niedliches, gerade mal daumengroßes Tier hervorrufen kann“, stellte Joachim Hinz fest, als er über 100 Premierenbesucher im Saal des „Tivoli“ begrüßte. Der Aufführungsort für die erste Präsentation von „Kleiner Langschläfer hellwach – Die Haselmaus“ war für Hinz sehr nahe liegend, denn der Naturfilmer wohnt in unmittelbarer Nachbarschaft des „Tivoli“. Zum hauptsächlichen Drehort seines Haselmaus-Films hatte es Hinz in den vergangenen drei Jahren auch nicht allzu weit: Zum Platz des „Mittelholsteinischen Golf-Clubs Aukrug“ sind es vom Zentrum von Innien aus nur knapp zwei Kilometer.

Nicht nur die Anregung, sich der Haselmaus zu widmen, sondern auch den Hinweis auf Haselmausbestände direkt vor der eigenen Haustür habe er Gerhard Augustin aus Plön zu verdanken, betonte Hinz bei der Premiere. Haselmaus-Experte Augustin gehörte zu den wertvollen Helfern, deren Verdienste Hinz dem Publikum vor der Filmvorführung erläuterte: „Es bedarf eines großen Teams, um einen solchen Film zu realisieren.“

Wenn man das Leben eines derart scheuen und darüber hinaus ausschließlich nachtaktiven Nagers wie der Haselmaus dokumentieren will, braucht man außerdem eine Menge Zeit. „Drei Jahre hat es gedauert, bis das Puzzle Stück für Stück Gestalt annahm“, erklärte Hinz. Allein ein Jahr habe er mit den Vorrecherchen verbracht, berichtete der Aukruger, für den die Tierfilmerei seit 1981 ein zweites Standbein darstellt. Hinz, der als Berufsschullehrer in Neumünster unterrichtet, hat über 30 Naturfilme für das Fernsehen gedreht und darüber hinaus das „Institut für Weltkunde“ (Hamburg) mit rund 25 Lehrfilmen versorgt. „Kleiner Langschläfer hellwach“ erinnert vom Titel her an den Wasserspitzmaus-Film „Kleiner Jäger ganz groß“ (2003), den Hinz ebenfalls hauptsächlich in Aukrug drehte und der schon mehrfach im NDR zu sehen war.

Nachdem Hinz sein Filmteam vorgestellt und gelobt hatte, wandte er sich an Thietmar Hambach: „Ich möchte mich beim Präsidenten des Golfclubs dafür bedanken, dass er uns den Golfplatz als Location zur Verfügung gestellt hat.“ „Dieser Film ist eine Werbung nicht nur für unseren Golfclub, sondern für den Golfsport allgemein“, meinte Hambach, „da haben wir Golfer alle gern mitgemacht.“ In „Kleiner Langschläfer hellwach“ wird mehrfach betont, dass „naturgerechte“ und auf Pestizide verzichtende Golfplätze verschiedenen Tier- und Pflanzenarten als Refugium dienen können, und ein paar verirrte Bälle der Aukruger Golfer werden sogar ins Filmgeschehen eingebaut.

Die Zuschauer erfahren im Laufe von 45 durchweg unterhaltsamen und lehrreichen Minuten unter anderem, dass die Haselmaus eigentlich gar keine echte Maus ist (sondern mit dem Siebenschläfer verwandt), dass ihre Balz im Gegensatz zum hektischen Gebaren der Eichhörnchen eher unspektakulär verläuft, dass ihre gefährlichsten Feinde alle mit „W“ anfangen (Waldkauz, Wiesel, Wildschein), dass die Jungen bei der Geburt nur daumennagelgroß sind und dass ihre Technik beim Nussknacken unverwechselbar ist. „Den selten gewordenen Haselmäusen fehlt es an Lebensräumen“, heißt es am Ende von „Kleiner Langschläfer hellwach“, „vielleicht können einige von ihnen weiterhin auf Golfplätzen eine Heimat finden.“

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