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Rendsburg : Harte Zeiten am Bahnhof für Rollstuhl-Fahrer

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Aufzug zu den Gleisen 3 und 4 fällt immer wieder aus. Betroffene Fahrgäste aus Richtung Hamburg sollen laut Bahn in Neumünster aufs Taxi umsteigen.

Der Aufzug zu den Gleisen 3 und 4 im Rendsburger Bahnhof fällt seit Wochen immer wieder aus. Mindestens seit Sonntag funktioniert er gar nicht mehr. Rollstuhlfahrer können dadurch keine Zugfahrten von Rendsburg nach Schleswig, Flensburg oder Husum unternehmen. Wer aus Richtung Hamburg anreist, kann den Bahnsteig nur über die Treppe verlassen.

Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis bestätigte, dass der Aufzug zurzeit immer wieder ausfällt. Der Steuerblock für die Hydraulik sei defekt. „Diese Einheit ist seit geraumer Zeit bestellt und wird voraussichtlich in 14 Tagen geliefert. Bis dahin setzen die Techniker immer wieder die Anlage in Betrieb.“

Jan Philipp Ohm hat kein Verständnis für die Ausfälle. „Das ist ein Witz. Das ist ein Fahrstuhl und kein Hexenwerk. Rendsburg ist keine Kleinstadt. Hier leben genug Rolli-Fahrer. Das ist so nicht hinzunehmen.“ Der 26-Jährige erkrankte als Kind an Krebs und ist seither auf einen fahrbaren Untersatz angewiesen. Wöchentlich fährt er per Zug nach Hannover und zurück. Der Bankkaufmann arbeitet dort bei einem Geldinstitut. Als er am Wochenende seine Eltern in Rendsburg besuchte, steckte er auf dem Bahnsteig fest. Im Zug hatte er die Auskunft erhalten, dass der Aufzug funktioniert, doch das stimmte nicht. Sein Vater Klaus-Peter Ohm trug ihn daraufhin mit Hilfe von zwei anderen Reisenden die Treppe hinunter und stürzte dabei. Die Deutsche Bahn riet Jan Philipp Ohm, beim nächsten Mal entweder in Neumünster auszusteigen und per Taxi nach Rendsburg oder per Zug weiter nach Kiel und mit einer anderen Regionalbahn zurück in seine Heimatstadt zu fahren. Die meisten Züge aus Kiel halten auf Gleis 2, an dem der Aufzug intakt ist.

Die Bahn bietet Menschen mit Behinderungen einen Mobilitätsservice an. Sie können ihre Fahrten bis 20 Uhr am Vortag telefonisch, per Fax, E-Mail oder Internetformular anmelden. Wie die Bahn auf ihrer Web-Seite erläutert, gewährleistet sie dann eine „Ein-, Um- und Ausstiegshilfe an den wichtigsten Bahnhöfen, entweder durch eigenes Personal, durch die Bahnhofsmissionen oder Dritte“. Regelmäßig schickt das Unternehmen der Rendsburger Bahnhofsmission Faxe mit den Ankunftszeiten und -gleisen hilfsbedürftiger Reisender. „Wenn die Ferien und der Urlaub angefangen haben, kommen sehr häufig Anfragen“, sagte Ilona Bötel, Leiterin der Bahnhofsmission. Ihre Kollegin Jutta Christoph begleitete gestern drei Rollstuhlfahrer beim Umsteigen. Sie drückte einen Knopf neben der Eingangstür der Züge und rief damit das Bahnpersonal. In Doppeldeckerzügen fahren die Mitarbeiter eine elektrische Rampe am Fahrradabteil aus, in anderen Zügen legen sie per Hand ein Blech als Einstiegshilfe aus. Die Helfer der Bahnhofsmission tragen Rollatoren die Treppen hinauf, allerdings keine Rollstühle. Zudem baten sie die Deutsche Bahn in der Vergangenheit mehrfach erfolgreich darum, einen Zug in ein anderes Gleis einfahren zu lassen, damit Rollstuhlfahrer den intakten Aufzug nutzen können.

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erstellt am 26.Jul.2017 | 11:08 Uhr

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