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Rendsburger Kanaltunnel : Harte Kritik an Baufirmen

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Wasser- und Schifffahrtsdirektion muss viel Kritik einstecken. Jetzt wehrt sich Sönke Meesenburg und spricht über profitorientierte Baufirmen, Personalmangel und Pfusch beim Bau des Tunnels.

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erstellt am 17.Sep.2013 | 12:17 Uhr

Die Wasser- und Schifffahrtsdirektion des Bundes ist verantwortlich für die Sanierung des Rendsburger Kanaltunnels. Die Behörde musste in den vergangenen Wochen viel Kritik einstecken. Immer wieder wurde die Öffentlichkeit scheibchenweise mit neuen Verzögerungen konfrontiert – und es gab keine schlüssigen Erklärungen für die Gründe. Inzwischen ist klar, dass die Arbeiten nicht wie geplant zweieinhalb Jahre dauern werden, sondern mindestens fünf. Gestern Abend setzt sich die Behörde gegen die Vorwürfe zur Wehr. Im Regionalentwicklungsausschuss des Kreises sprach Sönke Meesenburg, der Leiter der Planungsgruppe für den Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals, über profitorientierte Baufirmen, Personalmangel und eine Unmenge von hinderlichen Vorschriften.

Zu Beginn seines Vortrages zeigte Meesenburg einen Film zu den Arbeiten (www.kanaltunnel-rd.de), in dem von einer großen Herausforderung und von drei sorgfältig geplanten Bauphasen die Rede war. Dann kam er zur Sache. „Es gibt verschiedene Gründe dafür, dass wir uns in einer angespannten Situation befinden“, sagte Meesenburg, „wir sitzen mitten in einem Spinnennetz, sollen schnell und tüchtig arbeiten – und sind abhängig von vielen Faktoren, die wir nicht beeinflussen können.“

Da wären zunächst die vielen Schäden, mit denen niemand gerechnet habe. Die könnten nicht einfach behoben werden, sondern lösen nach Aussage des Fachmannes eine Lawine an Formalitäten aus: Es müssen ein neues Konzept und eine Ausführungsplanung her, die unterschiedlichen Vorschriften genügen. Mit der Baufirma muss ein Nachtrag ausgehandelt werden, der wiederum überprüft und genehmigt werden müsse. Meesenburg bestätigte, dass die Kosten inklusive der Nachtragsforderungen inzwischen bei 35 Millionen Euro liegen. „Und das wird nicht die Endsumme sein.“

Behindert würden die Arbeiten auch durch schlechte Arbeit vor mehr als 50 Jahren. Meesenburg deutete an, dass damals teilweise Baustellenschrott im Beton versenkt worden sei.

Ein anderes Problem sei das Personal: „Wir arbeiten durch den Personalabbau mit einer Minimal-Mannschaft. Und dann verlangt man von uns, schneller und flexibler zu arbeiten?“

Hart ging Sönke Meesenburg mit den Baufirmen ins Gericht. Früher sei es üblich gewesen, partnerschaftlich zusammen zu arbeiten. Das finde man nicht mehr. „Heute dominiert die Gewinnmaximierung, nicht die Suche nach gemeinsamen Lösungen.“ Das sei allerdings nicht nur im Rendsburger Kanaltunnel der Fall. Nach den Ausschreibungs-Bestimmungen komme man kaum daran vorbei, den Firmen den Zuschlag zu geben, die den günstigsten Preis machen. All diese Faktoren, so Meesenburg, trage dazu bei, dass „wir so herumeiern, wenn es um den Fertigstellungstermin geht“.

Der Baudirektor kündigte im Ausschuss an, dass der Kanaltunnel voraussichtlich Mitte Oktober für kurze Zeit gesperrt wird, Grund: Durch den starken Verkehr sind in der Weströhre gefährliche Spurrillen entstanden. Es sei schwierig geworden, die Fahrzeuge dort herauszulenken – deshalb sei es schon zu Beinahe-Unfällen gekommen. Meesenburg: Wir brauchen so schnell wie möglich eine neue Fahrbahndecke. Eine Idee, die noch diskutiert wird: Der Tunnel wird an einem Sonntag, wenn Lkw-Fahrverbot herrscht, für die Arbeiten 24 Stunden komplett für jeglichen Verkehr gesperrt.

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