Übungscamp : Harte Arbeit bis zum richtigen Ton

Konzentration: Streicher und Bläser auf den Weg zum richtigen Zusammenspiel im Ensemble.
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Konzentration: Streicher und Bläser auf den Weg zum richtigen Zusammenspiel im Ensemble.

Nordland-Kammermusikkurs im Nordkolleg

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04. Januar 2018, 11:10 Uhr

Kaum betritt man in diesen Tagen das Grundstück des Nordkollegs Rendsburg, wehen einem schon gleich die ersten Töne leise entgegen. Der Grund: Wie in den vergangenen Jahren trifft sich zwischen dem 1. und 8. Januar der musikalische Nachwuchs beim Nordland-Kammermusikkurs. Insgesamt 45 Instrumentalisten bilden 25 unterschiedliche Ensembles aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen sowie aus den Nachbarbundesländern, die unter der Förderung von vier Professoren neue musikalische Perspektiven und wertvolle Anregungen aus erster Hand erhalten.

Künstlerischer Leiter ist erneut Ulf Tischbirek, Professor für Violoncello an der Musikhochschule Lübeck. Ferner lehren die ebenfalls dort tätigen Professorinnen Angela Firkins, die sich um die Bläser kümmert, und Konstanze Eickhorst (Klavierbegleitung). Professor Christian Sikorski aus Stuttgart unterrichtet die Geiger und Bratscher. Jeder noch so kleine Raum ist mit den unterschiedlichsten Klängen erfüllt: Da kratzt ein Geiger leidenschaftlich auf seinen Saiten, dort bläst eine Fagottistin lustige Töne, die einzige Harfenistin sitzt wie auf einer Wolke und perlt zart-sphärisch vor sich hin.

Aber auch eine Tischtennisplatte wartet auf Jugendliche, die Zerstreuung ohne Musik suchen. Doch was so locker aussieht, ist in Wirklichkeit harte Arbeit. Zehn bis zwölf Stunden musizieren manche bis in den späten Abend hinein.

Auch bei den Professoren wird nicht einfach nur gespielt. So erfahren Alisa von Rohden (Flöte), Henrike Kirsch (Fagott) und Nachwuchspianist Xabel Martinez hautnah mit einem Stück von Charles Kœchlin, wie schwierig es ist, nicht nur die richtigen Töne im Zusammenspiel zu finden, sondern auf Farbe, subtilen Klang der Instrumente, vorsichtige Dynamik zu achten. Sie spielen gerade zum ersten Mal miteinander. Und wie schwer es doch ist, musikalisch zu einem Ensemble zu verschmelzen, erfahren die drei am eigenen Leib. Die Fagottistin kämpft tapfer mit den sehr hohen Tönen, die Flöte mit der Intonation. Und so entpuppen sich die nur 18  Takte als wahre Herausforderung. Nach einer halben Stunde akribischer Arbeit hat Angela Firkins die drei aber soweit, dass es wirklich schon sehr gut klingt.

Taktweise geht es auch bei einem Duo Klavier-Bratsche zu. Ein Stück von Robert Schumann liegt auf dem Pult. Julius von Forstner muss immer wieder ansetzen: „Der dritte Finger. Wie möchtest du ihn aufsetzen? Achte auf den Bogen. – Und noch einmal. Zeit lassen! – Lass dein Vibrato spüren.“ Christian Sikorski achtet auf die vermeintlich kleinste Kleinigkeit. Doch darauf kommt’s ja an. Pianist Rasmus Noah Emersleben muss immer wieder an der gleichen Stelle beginnen, so lange, bis der Stuttgarter Professor zufrieden ist. Ein ähnliches Bild beim Cellisten Ulf Tischbirek, wo die Sonatine von Zoltan Kodály atmosphärisch zusammengefügt wird. Der Cellist gibt der Pianistin Jennifer Klein und der jungen Charlotte Weinberg Tipps zur Klangverbesserung und Spielästhetik: „Je mehr du in die Tiefe vordringst, desto mehr Stütze brauchst du.“ Oder: „Beim Pizzicato musst du die Saite ganz hinunter drücken, sonst hört man es nicht.“ Auch hier ist nach einiger Zeit die Entwicklung deutlich hörbar.

Pianisten haben es nur scheinbar leicht. Die Töne entstehen immer, ohne Mundstück, ohne Blatt, ohne Bogen – es muss ja nur eine Taste gedrückt werden . . . Jedoch bei Ludwig van Beethovens erster Violinsonate op. 12 ist hohe Spielkunst gefragt, da der Hauptpart nicht unbedingt bei der Violine, sondern beim Klavier liegt. Jonte Nagel ist gerade bei Konstanze Eickhorst. Eigentlich spielt er schon sehr gut. Doch die wertvollen Anregungen der Professorin lassen sein Spiel nach kurzer Zeit transparent und eindrucksvoll dynamischer erscheinen.

Die jungen Musiker bleiben bis zum kommenden Montag zusammen und wollen in dem Abschlusskonzert im Pavillon des Nordkollegs (16 Uhr) den Zuhörern zeigen, wie sehr sie ihr Spiel vervollkommnet haben. Wir dürfen gespannt sein.

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