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Landeszeitung

11. Dezember 2017 | 04:02 Uhr

Erfde : Halbzeit für Thomsens Europa-Tour

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Im Allgaier-Werk in Baden-Württemberg legte Peter Thomsen auf seiner Europareise einen Zwischenstopp ein. Mit dem Reiseverlauf ist der ehemalige Lehrer sehr zufrieden.

Mehr als die Hälfte seiner Europatour hat Peter Thomsen aus Erfde mit seinem Allgaier-Trecker bereits hinter sich gebracht. Nachdem er Österreich, Bayern und Baden-Württemberg mehr bei Regen als bei Sonne durchquert hat, beginnt nun die Etappe durch Frankreich. Die Schäden an Mensch und Gefährt hielten sich bislang in Grenzen. Unwegsame Straßenverhältnisse bis hin zu Buckelpisten forderten mitunter ihren Tribut. Gerissene Riemen, abgefallene Spiegel, ein Riss im Dieseltank, verloren gegangene „Fracht“, die auf dem Trecker lag: „Doch alles in allem haben Wohnwagen, Allgaier und ich bislang alles gemeistert. Hier und da eine kleine Blessur, das ist normal“, meint Peter Thomsen.

Immer wieder fand er helfende Hände, die sein Gefährt auf Vordermann brachten. Denn nicht nur in Deutschland gibt es viele Oldtimer-Treckerfreunde. Auch in polnischen, tschechischen, ungarischen und österreichischen Scheunen steht so manches historische Ackergefährt wie ein Schatz aus vergangener Zeit. Neben den unzähligen Fotografrafen und interessierten Schaulustigen wurde Peter Thomsen immer wieder von Trecker-Besitzern eingeladen, deren Oldtimer-Schätze zu bestaunen. So zum Beispiel im niederösterreichischen Traisen, wo Thomsen für einige Tage auf dem Campingplatz der Familie Wallentin kampierte. „Reinhard Wallentin ist selbst Oldtimer-Besitzer. Auf seinem Hof hat er einen 25 PS starken Lanz-Bulldog stehen. Diesen hat sein Großvater 1942 in einer Holzvergaser-Version erworben. Nach dem Krieg wurde der Lanz wieder auf Diesel zurückgerüstet. Bis 1959 ist der Bulldog bei den Wallentins als Zugmaschine mit Mähwerk in der Landwirtschaft eingesetzt worden“, schreibt Peter Thomsen in einem seiner Reiseberichte. Seit der Zeit stehe der Lanz im Originalzustand bei den Wallentins im Stall und für kein Geld der Welt gäbe ihn sein Besitzer wieder her.

Die Fahrt durch Österreich gestaltete sich für den Erfder schwieriger als gedacht: „Zu glauben, Niederösterreich heiße so, weil es dort keine Berge gibt, ist ein Irrtum“, berichtet Thomsen. Immer wieder verlangsamten Steigungen von 14 Prozent und mehr seine Fahrt. Hinzu kamen Unwetter mit zum Teil sintflutartigen Regenfällen. In Braunau besichtigte der Erfder das Geburtshaus von Adolf Hitler. Ein Gespräch mit dem Sinti-Paar und Campingplatzbetreibern Maria und Murat, deren Fahrzeuge nachts hin und wieder von Wirrköpfen mit Flaschen beworfen werden, machte Thomsen nachdenklich. Wieder zeigte sich, wie wichtig seine Reise und die damit verbundene Botschaft ist (nie wieder Faschismus und Krieg).

In Uhingen (Baden-Württemberg) wartete mit der Besichtigung des Allgaierwerkes der nächste Tourhöhepunkt auf den Treckerfahrer: „Hier wurde mein Allgaier R 22 im Juni 1949 fabriziert. Der Ausbildungsleiter Dr. Ralf Obermaier und Max Schmied, Auszubildender als Konstruktionsmechaniker, empfingen mich und zeigten mir die heutigen Produktionsschwerpunkte“, berichtet Thomsen. Von 1946 bis 1955 baute Allgaier Traktoren. Heute ist das Werk weltweit Zulieferer von speziellen Konstruktionsteilen im Automobilbau sowie Werkzeugbauer und Hersteller von hochwertiger Verfahrens- und Siebtechnik. Das R bei Peters Allgaier R 22 steht übrigens für „robust“. Das muss der Trecker auf dieser Tour wohl auch sein. Im Schwarzwald hätte er zudem als Amphibienfahrzeug gute Dienste geleistet. Statt üppiger Obstbaumwiesen, grünen Weiden und reifer Getreidekoppeln erwarteten den Erfder knöcheltief überflutete Flächen. Kleine Bäche verwandelten sich in reißende Ströme, sein geplanter Campingplatz in Willstätt ähnelte eher einem Freibad als einem Stellplatz. Peter Thomsen nahm das viele Wasser von oben mit Humor: „Man gut, dass mein Traktor keine Scheibenwischer hat“.

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