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Hohenwestedt : Haftstrafe nach tödlicher Attacke mit Flaschenhals

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein Streit in Hohenwestedt eskaliert: Das 16-jährige Opfer verblutete beim Hallo-Partner-Tag. Der 21-jährige Täter wurde zu einer Haftstrafe verurteilt.

shz.de von
erstellt am 17.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Hohenwestedt/Kiel | Weil er im Streit einem 16-Jährigen einen abgebrochenen Flaschenhals in den Hals rammte, muss ein 21-Jähriger jahrelang ins Gefängnis. Das Kieler Landgericht verurteilte den jungen Handwerker am Mittwoch zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und einem Monat wegen Totschlags, gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung.

Unmittelbar vor der tödlichen Attacke vom 7. September 2013 in Hohenweststedt (Kreis-Rendsburg-Eckernförde) soll der angetrunkene und aggressive junge Mann einem Unbeteiligten eine leere Wodka-Flasche über den Kopf gezogen habe. Dann soll er einen weiteren Mann mit dem Flaschenhals bedroht und gesagt haben: „Ich stech' dich ab!“ Als anschließend der 16-Jährige mit Fäusten auf ihn einschlug, stieß der Angeklagte nach Feststellung des Gerichts zu: Das spitze Glas drang tief in den Hals des Opfers ein und durchtrennte Vene und Schlagader. Der Teenager verblutete binnen Minuten.„Die Kammer hat keinen Zweifel daran, dass der Angeklagte mit bedingtem Tötungsvorsatz handelte“, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Brommann: „Der Angeklagte wusste, was er in der Hand hielt. Er war auf die Flasche und ihren Einsatz fokussiert.“ Weil das Opfer ihn aber zuvor attackiert hatte, erkannte das Gericht auf einen minder schweren Fall des Totschlags.

Einen Notwehrexzess wie ihn der Verteidiger geltend machen wollte, sah die Kammer nicht. „Das Vorgehen des Angeklagten insgesamt war von einer Angriffsabsicht, nicht einer Verteidigungsabsicht getragen“, sagte Brommann. „Dass der 21-Jährige beim Angriff des Opfers Angst hatte, nimmt ihm die Kammer nicht ab.“ Für den Angeklagten spreche aber unter anderem, dass er die Tat eingeräumt und gegenüber den Angehörigen Reue bekundet habe. Vor dem Geschehen hatte der 21-Jährige das Volksfest in Hohenweststedt besucht.

Die Eltern des Opfers waren in dem Prozess Nebenkläger. Die Mutter brach während der Urteilsverkündung laut weinend zusammen und wurde von ihrem Mann aus dem Gerichtssaal geführt. Der Angeklagte folgte dem Urteil aufmerksam und angespannt. Er war schon früher wegen aggressiven Verhaltens aufgefallen. Seine Gemütslage im Verlaufe des Tatabends beschrieb er mit den Worten: „Ich war angepisst - aber ich war halt auch noch aggressiv.“Bereits während der Schulzeit wurde er in der Jugend-Psychiatrie behandelt. 2008 wurde er wegen gefährlicher Körperverletzung zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Außerdem musste er sich bereits wegen einer Attacke gegen seine Mutter vor Gericht verantworten.Seine Einweisung in eine Entziehungsanstalt lehnte das Gericht ab – in Übereinstimmung mit dem psychiatrischen Sachverständigen. Das sei trotz Drogen- und Alkoholkonsums nicht zu rechtfertigen.

Der Staatsanwalt hatte acht Jahre und vier Monate Haft beantragt. Die Verteidigung wollte nur gefährliche Körperverletzung und Bedrohung bestraft sehen. Dafür forderte sie neun Monate Bewährungsstrafe. Vom Vorwurf des Totschlags sollte der Angeklagte wegen eines angeblichen Notwehrexzesses freigesprochen werden. Das sah die Kammer anders.

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