Handball : „Haben noch viel Luft nach oben“

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Trainer Volker Paul will bei der Titelvergabe in der Handball-SH-Liga mit der HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg ein Wörtchen mitreden. „Wir haben noch viel Luft nach oben“, sagt der Coach im Interview mit der Landeszeitung.

shz.de von
24. Juli 2015, 06:00 Uhr

Neue Saison, neues Glück? Nach dem verpassten Aufstieg in die Oberliga wollen die SH-Liga-Handballer der HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg auch in der kommenden Spielzeit bei der Titelvergabe ein Wörtchen mitreden. Seit zwei Wochen läuft die intensive Vorbereitung. Die Landeszeitung hat mit Trainer Volker Paul über die Ziele für die neue Saison, aber auch über die Fehler der vergangenen Saison gesprochen.

Herr Paul, haben Sie, haben die Spieler den verpassten Aufstieg mittlerweile verdaut oder schleppt die Mannschaft den Rucksack der Enttäuschung mit in die neue Saison?

Ich weiß nicht, ob die Spieler das komplett weggesteckt haben, ich hoffe es aber. Auf alle Fälle spüre ich bei allen wieder die Lust auf Handball und wir wollen auch in der kommenden Saison zeigen, dass wir zu Recht dort oben hingehören.

Warum hat es, trotz der sicherlich vorhandenen Qualität, am Ende nicht gereicht?

Ein entscheidender Faktor war sicherlich die Torhüterleistung. Wenn wir in den letzten drei Spielen 20 Prozent mehr Torhüterleistung gehabt hätten, wären wir aufgestiegen. Dann hätte es schon zum Sieg gegen Tarp gereicht und wir hätten die Relegation gar nicht spielen müssen. Zudem waren viele Leistungsträger gegen Ende der Saison körperlich nicht fit. Spieler wie Jens-Christian Woldt, Niklas Ranft oder Dany Jüschke haben Verletzungen von Woche zu Woche mit sich herumgeschleppt. Und natürlich hat uns Janek Fisch nach seiner schweren Verletzung in der entscheidenden Phase der Saison gefehlt.

Hat auch Volker Paul Fehler gemacht? Haben Sie ihre Arbeit hinterfragt?

Das ist war das Erste, das ich gemacht habe. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass wir unsere personellen Möglichkeiten ausgeschöpft haben. Da war einfach nicht mehr drin. Wir haben am Limit gespielt. Vielleicht hätte ich im mentalen Bereich früher etwas ändern müssen. Wir haben am Saisonende mit einer Mentaltrainerin zusammengearbeitet, möglicherweise kam das aber zu spät. Viele Spieler hatten nach Rückschlägen ein mentales Problem und sind in die Verhaltensmuster aus der vorangegangen Saison zurückgefallen, als sie aus der Oberliga abgestiegen sind. In Stresssituationen waren sie dem Druck nicht gewachsen. Da war Esingen in den beiden Aufstiegsspielen wesentlich stabiler.

Werden Sie auch in der neuen Saison wieder mit einer Mentaltrainerin zusammenarbeiten?

Ja, mit Sicherheit. Wir werden in diesem Jahr sogar schon in der Vorbereitung damit anfangen. Ich glaube, dass im mentalen Bereich noch ganz viele Ressourcen brach liegen. Hier ist der Handball allgemein sehr rückständig. Da sind uns andere Sportarten wie Hockey oder Volleyball, aber auch die Individualsportarten weit voraus.

Was wird sich in der neuen Saison noch ändern?

Wir müssen in der Abwehr noch variabler werden. In der Schlussphase der Saison haben wir mit einer 5:1-Formation gespielt, die nicht so schlecht war. Ziel ist es jetzt, auch eine stabile 6:0-Deckung hinzustellen. Allerdings fehlt mit Dany Jüschke (geht zum Ligakonkurrenten TSV Alt Duvenstedt, d. Red.) ein zentraler Abwehrspieler. Das wird sicherlich die größte Herausforderung für mich: den Spielern das Abwehrspiel schmackhaft zu machen. Sie dürfen es nicht nur als lästige Pflicht ansehen. Sie müssen begreifen, dass man in der Defensive viel mehr investieren muss. Dementsprechend wird auch die Vorbereitung ausfallen. Wir werden uns vor allem auf das Abwehrverhalten konzentrieren.

Auch die beiden Zugänge Marc Walder und Finn Kohnagel gelten nicht gerade als Abwehrspezialisten.

Nein. Marc ist mit Sicherheit kein Abwehrstratege und auch Finn mag lieber Angriff spielen. Dennoch werden sie uns weiterhelfen, weil sie vor allem in der Offensive enorme Qualitäten haben. Mit Finn kommt ein spielstarker Mittelmann und Marc ist ein Allrounder, der auf allen Rückraumpositionen spielen kann und ganz unangenehm für den Gegner ist.

Was ist in der neuen Saison von der HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg zu erwarten?

Wie eben bereits gesagt, haben wir durch Finn und Marc an Qualität gewonnen. Auch Torhüter Simon Treziak (von der HSG Eider Harde, d. Red.) wird uns weiterhelfen können. Er bildet mit Andreas Tietjens ein gutes Gespann. Beide Torhüter ergänzen sich ideal. Auch auf dieser Position haben wir uns gegenüber dem Vorjahr verbessert.

Dann kann doch die Zielsetzung in diesem Jahr nur Meisterschaft lauten, oder?

Nein. Das wäre vermessen. Es gibt mindestens sechs Mannschaften, die dafür in Frage kommen. Das wird ein Hauen und Stechen geben. Die SH-Liga hat gegenüber der Vorsaison an Qualität gewonnen. Das ist schon fast Oberliganiveau. Absteiger HSG Eider Harde schätze ich sehr stark ein, den TSV Alt Duvenstedt und den ATSV Stockelsdorf ebenfalls. Auch der TSV Kronshagen wird vorne mitspielen. Mein Topfavorit ist allerdings Aufsteiger HSG Ostsee N/G. Die haben sich ordentlich verstärkt und werden wohl den Durchmarsch machen. Wir wollen im oberen Drittel landen, alles andere wäre eine Zugabe. Natürlich würden wir uns nicht gegen einen Aufstieg sträuben, sollte es am Ende so kommen. Ebenso wichtig wie die Platzierung ist aber auch, dass wir weiter junge Leute in die Mannschaft einbauen. Die Verzahnung zwischen der A-Jugend, der zweiten Männer und der Ligamannschaft wird noch enger.

Dann dürften Sie nicht sonderlich erfreut über den Abstieg der zweiten Mannschaft aus der Landesliga gewesen sein.

Nein, das ist sehr bedauerlich. Eine Mannschaft in der Landesliga wäre als Unterbau gut gewesen. Man muss aber auch ehrlich sagen, dass der Abstieg nicht unverdient war. Die Jungs haben in der Hinserie zu wenig in den Klassenerhalt investiert. Die Hypothek in der Rückrunde war dann einfach zu groß. Zum Schluss sollten es die A-Jugendlichen richten, aber es hat eben nicht ganz gereicht. Auch weil die HSG Eider Harde im entscheidenden Spiel die besseren A-Jugendlichen hatte.

Von wem erwarten Sie in der kommenden Saison den größten Leistungssprung?

Christopher Sawitzki hat schon angedeutet, dass er sich zu einer festen Größe entwickeln kann. Er hat als A-Jugendlicher bei uns sehr gute Spiele gemacht. Nun muss man abwarten, wie er sich in seinem ersten Herrenjahr entwickelt. Aber auch viele etablierte Spieler wie beispielsweise Patrick Petriesas oder Niklas Ranft haben gegenüber dem Vorjahr noch Steigerungspotenzial. Das ist vielleicht auch das, was uns von anderen Mannschaften unterscheidet. Wir haben noch viel Luft nach oben.

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