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Breiholz : Habecks Weg aus der Milchmarktkrise

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Minister Robert Habeck plädierte beim „Tag des offenen Hofes“ für Mengenreduktion, um die Milchmarktkrise zu bewältigen. Mehr als 2000 Besucher kamen auf den Bauernhof von Familie Asmussen in Breiholz.

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2016 | 13:44 Uhr

Weit über 2000 Besucher stellten gestern beim „Tag des offenen Hofes“ in Breiholz unter Beweis, wie groß das Interesse der Bevölkerung an Landwirtschaft ist. Die Ehrengäste suchten derweil nach Wegen aus der aktuellen Milchmarktkrise. Der stellvertretende Ministerpräsident Dr. Robert Habeck plädierte für eine europaweite Milchmengenreduktion, Schleswig-Holsteins Bauernverbandspräsident Werner Schwarz forderte eine Kostenentlastung für die Betriebe durch den Abbau von ministeriellen Auflagen, und Kreisbauernverbands-Chef Klaus-Peter Lucht brachte Schlachtprämien und Vertragsnaturschutz als Anreize für Milchvieh-Aussteiger ins Spiel.

„Er hat einen guten Zug drauf!“, meinte Kerstin Asmussen, als Robert Habeck gestern Nachmittag einen Stopp an der „Milchtankstelle“ einlegte. Der Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume hatte sich von Kerstin Asmussen zeigen lassen, wie man an der „Tanke“ Erdbeerpulver und frische Milch auf Knopfdruck zusammenmixt. Bei 25 Grad im Schatten genehmigte sich Habeck den Erfrischungsdrink sogleich „auf ex“. Die Milchtankstelle, die seit September 2015 in Betrieb ist, war einer von den Programmpunkten, die sich beim „Tag des offenen Hofes“ der Familie Asmussen in Breiholz besonders großer Beliebtheit erfreuten. Gleich nach dem Auftaktgottesdienst bildete sich ab 11 Uhr eine mal mehr, mal weniger lange Schlange vor dem Direktvermarktungsshop, die sich dann bis in den späten Nachmittag hinein nie ganz auflöste. An der Milchtankstelle kann man sich rund um die Uhr und sieben Tage die Woche mit frischer Milch, Milchmixgetränken, Grillfleisch, Highland-Mettwurst, Honig, Eiern und Marmelade eindecken. Mit der Einrichtung seiner Milchtankstelle hat der Hof Asmussen mit großem Erfolg neue Wege eingeschlagen. „Was die Direktvermarktung angeht, sind wir voll dabei“, stellte Sönke Asmussen fest, als er beim Rundgang mit dem Minister von den Pressevertretern gefragt wurde, ob er angesichts der aktuellen Milchmarktkrise noch eine Zukunft für seinen Betrieb sehe: „An Aufgabe denken wir nicht – das wäre das letzte.“

Anderswo aber kapitulieren bereits Milchviehbauern vor dem Preisverfall ihres Produkts. „Die Situation ist so dramatisch, dass wir erleben werden, dass Milchviehhöfe aus dem laufenden Betrieb rausgehen müssen, und das ist eine Katastrophe“, sagte Bauernverbandspräsident Werner Schwarz. „Wir als Bauernverband und auch die Politik haben da keine echten Rezepte“, gestand Schwarz ein, „wir müssen versuchen, die Produktionskosten in den Griff zu bekommen und darauf hoffen, dass die Preise wieder besser werden.“ Die Landwirte dürften sich in dieser Krisensituation „nicht auseinanderdividieren lassen“, forderte Schleswig-Holsteins Bauernverbands-Chef: „Wir müssen zusammenstehen und gemeinsam nach vorn schauen.“ Eine europaweite Beschränkung der Milchmenge erscheint Robert Habeck als probater Weg aus der Krise. „Wenn ich etwas zu sagen hätte, würde ich die Menge reduzieren“, erklärte der stellvertretende Ministerpräsident im Gespräch mit der Landeszeitung, „der europäische Milchmarkt ist relativ abgeschirmt, und deshalb könnte das funktionieren.“

Was nicht funktioniert hat, ist die landesweite Eindämmung des Rinder-Herpes, denn rund um Hanerau-Hademarschen hat es auf einem halben Dutzend Betriebe einen neuerlichen Ausbruch dieser Seuche gegeben. „Hanerau-Hademarschen ist ein Hotspot, und noch ist unklar, wo diese Infektion herkommt“, teilte Habeck mit. Direkt nach der Eröffnung des Hoftags hatten zwei Landwirte aus Oldenbüttel dem Minister ihr Leid geklagt. „Kühe aus gesunden Beständen müssen dort voraussichtlich geschlachtet werden“, berichtete Habeck, „und deshalb sind die Bauern natürlich entsetzt.“

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