Ländlicher Strukturwandel : Haale soll lebenswert bleiben

Neuer Treffpunkt? Eine Skater-Rampe für die Jugendlichen steht auf dem Parkplatz vor dem Grundstück, wo 2016 Timms Gasthof abbrannte.
Foto:
1 von 2
Neuer Treffpunkt? Eine Skater-Rampe für die Jugendlichen steht auf dem Parkplatz vor dem Grundstück, wo 2016 Timms Gasthof abbrannte.

Der Verein „Treffpunkt“ kämpft gegen den Strukturwandel. Er setzt sich für den Kaufmann ein und sucht nach einem Dorfgemeinschaftshaus, denn nachdem Timms Gasthof abgebrannt ist, fehlt dem Ort ein Treffpunkt.

Die Probleme betreffen nicht nur die Gemeinde am Südufer des Nord-Ostsee-Kanals. „Haale hat wie die meisten Dörfer in Deutschland mit dem Wandel der Lebensverhältnisse zu kämpfen“, heißt es in einem Rundschreiben an alle Haushalte. Jetzt hat ein Verein die Initiative ergriffen, um neue Wege bei der Bewältigung des dörflichen Strukturwandels zu gehen.

Der neugegründete Verein „Treffpunkte Haale“ hat sich die Förderung der allgemeinen Daseinsvorsorge und den Erhalt des dörflichen Zusammenlebens auf die Fahnen geschrieben. Juliane Jarre und ihre Mitstreiter wollen Kultur, Vereinsleben, Nahversorgung, Mobilität, Digitalisierung, Jugend- und Seniorenarbeit fördern. Zukunftsmusik, aber vorsorglich schon mal in die Vereinssatzung aufgenommen ist der „Betrieb eines Dorfgemeinschaftshauses“.

Die negativen Entwicklungen des Strukturwandels werden vom neuen Förderverein „Treffpunkte Haale“ klar benannt. „Es schlossen Bankfiliale, Meierei und Post; durch den Brand im letzten Herbst verloren wir mit dem Treff Haale auch noch unsere Gaststätte, und die Existenz unserer einzigen Einkaufsmöglichkeit ist gefährdet.“ Weitere Missstände komplettieren die insgesamt ziemlich unerfreuliche Situation: „Der Weg zum nächsten Arzt gestaltet sich vor allem für ältere Menschen ohne Pkw zur Tagesreise; die Vereine kämpfen mit Mitgliederschwund, der öffentliche Nahverkehr ist schon auf ein Minimum geschrumpft, und es besteht die Gefahr, dass die Attraktivität unseres Dorfes weiter sinkt.“ Die Mitglieder des neuen Fördervereins wollen all dem „entgegenwirken und den Ort weiterhin lebens- und liebenswert erhalten.“

„Nachdem unsere Gastwirtschaft im vergangenen Jahr abgebrannt ist, haben wir ja jetzt nur noch den Lebensmittelladen, wo man sich mal zum Klönen treffen kann“, sagt Juliane Jarre, die bei der Gründungsversammlung des Fördervereins „Treffpunkte Haale“ zur 1. Vorsitzenden gewählt wurde. Kein Wunder also, dass die ganze Dorfbevölkerung alarmiert war, als die Betreiberin des örtlichen Kaufmannsladens am 21. Oktober per Facebook einen Hilferuf an die Adresse der Gemeinde sandte. „Da hat sie geschrieben, dass es ihr zunehmend schwer fällt, den Laden aufrechtzuerhalten, und dass sie auf Unterstützung von der Gemeinde hofft“, erzählt Bürgermeister Bernd Holm. Eine direkte finanzielle Hilfe durch die Kommune sei ausgeschlossen, meint Holm: „Mit Geld dürfen für sie nicht unterstützen, denn das wäre ein unzulässiger Eingriff in die Marktwirtschaft, aber wir haben ihr einen Energieberater vermittelt und angeboten, einen Förderverein oder eine Stiftung zu gründen.“ Der Verein „Treffpunkte Haale“, der von 20 engagierten Einwohnern gegründet wurde, will auf vielfältige Weise tätig werden, betont der Bürgermeister: „Das ist ein Förderverein für alle – nicht nur für unseren Lebensmittelladen.“

Der „Erhalt der Einkaufsmöglichkeiten zur Nahversorgung“ ist denn auch nur einer von zehn Unterpunkten, die in Paragraph 2 der Vereinssatzung als Zweck der Vereinsgründung definiert werden. Als weitere Aufgaben des Vereins werden aufgelistet: „Die Förderung des kulturellen Miteinanders und der Heimatpflege, Förderung der Jugendarbeit, von sportlichen Aktivitäten, des Vereinslebens und der Seniorenarbeit.“ Die Unterstützung bedürftiger Bürger, die Förderung der Digitalisierung sowie die Entwicklung von Mobilitätsangeboten für die Bürger sind ebenfalls in der Satzung festgeschrieben.

Der Unterpunkt „Betrieb eines Dorfgemeinschaftshauses“ wurde bereits in die Satzung aufgenommen, obwohl ein solches Bürgerhaus derzeit noch Zukunftsmusik ist. „Nach der Zerstörung von Timms Gasthof fehlt uns ja nun auch ein großer Raum, wo man mal 150 Leute mit Speis und Trank bewirten kann“, konstatiert Bürgermeister Holm. Im ehemaligen Schulgebäude hat die Gemeinde einen Versammlungsraum, aber „keine Möglichkeit, die Situation irgendwie zu verbessern“, wie Gemeindevertreter Friedhelm Heuck anmerkt. Bernd Holm, sein Stellvertreter Thore Lohse und Friedhelm Heuck haben sich in Koberg im Kreis Herzogtum Lauenburg einen Markt-Treff angeschaut, der als Gemeindehaus mit Bäckerladen konzipiert ist. Eine Machbarkeitsstudie für einen Markt-Treff ist schon erarbeitet wurden. Mit welchem Ergebnis? „Dass es auf jeden Fall sinnvoll wäre, so ein Gemeinschaftshaus, das ja auch eine Gaststätte enthalten kann, zu bauen“, erklärt Heuck. „Aber bei der Beantragung muss man so viele Bedingungen erfüllen“, bremst Holm die Erwartungen, „und die finanziellen Mittel sind auch ein großes Problem.“

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen