zur Navigation springen

Schluss mit Turbo-Abitur : Gymnasien bereit für Rückkehr zu G 9

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bildungsministerin will Turbo-Abitur nach Klasse 12 abschaffen und wieder 13. Jahrgang einführen. Nicht alle Schulen sind erfreut.

von
erstellt am 12.Okt.2017 | 10:22 Uhr

An den drei Rendsburger Gymnasien herrscht Offenheit für einen Wechsel zum Abitur nach neun Jahren (G  9). 2008 führte die Große Koalition das Turbo-Abitur nach acht Jahren (G  8) ein. Jüngst kündigte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) die Kehrtwende an: „Wir wollen flächendeckend zurück zu G  9 und damit zu einer längeren Lernzeit für die Schülerinnen und Schüler“, sagte sie im Landtag. Ab dem Schuljahr 2019/2020 sollen die Kinder nach neunjährigem Lehrplan unterrichtet werden, heißt es im Entwurf für eine entsprechende Änderung des Schulgesetzes. Noch hat der Landtag sie nicht beschlossen. Wenn die Umstellung kommt, dürfen die Schulkonferenzen mit einer Dreiviertel-Mehrheit beschließen, am G  8-Modell festzuhalten.

„Die Schulleiter haben sich ausgetauscht. Alle drei sehen nicht, dass es eine Dreiviertel-Mehrheit für G  8 geben wird“, sagte gestern Dieter Anders, Leiter der Herderschule. Die Betroffenen müssten einen großen Aufwand betreiben, um an dem alten Modell festzuhalten: Die Schulkonferenzen bestehen aus Lehrern, Eltern und Schülern. Mindestens zwei dieser Gruppen plus einzelne Mitglieder der dritten Partei müssten sich für das bisherige Modell aussprechen. Bisher hätten nur vereinzelte Stimmen diese Richtung befürwortet. Ähnlich sieht es Berthold Kayma, Leiter des Helene-Lange-Gymnasiums. „Die Wahrscheinlichkeit, dass man solch eine Mehrheit bekommt, ist eher gering. Dafür müsste man schon viel ackern“, sagte er. Im gesamten Land herrsche eine Stimmung für G  9 vor. „Nicht umsonst hat die CDU mit dem Thema die Wahl gewonnen.“ In ländlichen Gegenden sei der Ruf nach G  9 besonders laut, weil die Schüler dort lange Fahrtzeiten zu den Gymnasien in den Städten auf sich nehmen müssen und das Vereinsleben in Konkurrenz zum Nachmittagsunterricht steht.

Mit Sorge sieht Joana Daniel, Leiterin der Sekundarstufe I der Privatschule Mittelholstein, der Entwicklung entgegen. „Für uns ist das nicht so gut. Wir waren bisher das einzige G  9-Gymnasium in Rendsburg und konnten damit werben.“ Das Interesse der Eltern wuchs: Die fünfte Klasse stellt mit zwölf Kindern den stärksten Jahrgang der Schule dar; dagegen ist die sechste Klasse mit sieben Mädchen und Jungen nur etwa halb so groß. 45 Schüler der Jahrgänge 5 bis 9 besuchen das Gymnasium. „Ich denke, dass wir in Zukunft nicht so viele Schüler bekommen werden.“ Vor demselben Problem werden aber auch die Gemeinschaftsschulen stehen, prophezeit sie. „Viele Kinder sind an Gemeinschaftsschulen gegangen, weil an den G  8-Gymnasien angeblich der Druck höher war.“ Es sei damit zu rechnen, dass mit der Rückkehr der Gymnasien zu G  9 die Anmeldezahlen der Gemeinschaftsschulen sinken. Die Freie Waldorfschule Rendsburg bot bisher das Abitur nach neun Jahren an und wird dabei bleiben, teilte die Einrichtung auf Anfrage mit.

Für die Gymnasien war der Wechsel von G  9 auf G  8 im Jahr 2008 organisatorisch aufwändig. Sie mussten die Lehrpläne für eine Unterrichtszeit auf acht Jahre eindampfen. Der umgekehrte Schritt wird den Schulen sehr viel leichter fallen, sagen die Leiter voraus. „Viel wichtiger ist, dass wir als Schulen Informationen darüber erhalten, wie viele Stunden wir bekommen, ob wir mittags dicht machen müssen oder unser attraktives Nachmittagsangebot aufrecht erhalten können“, betonte Berthold Kayma. Inzwischen besuchen 40 Prozent der 928 Schüler die Arbeitsgruppen am Nachmittag. Bisher lag der Anteil bloß bei 35 Prozent.

Ingrid Hintz, kommissarische Leiterin des Gymnasiums Kronwerk in Rendsburg, war gestern nicht erreichbar.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen