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Schulprojekt : Gute Geister in grünen Westen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die grell-grünen Westen sind ihr Erkennungszeichen: Kinder der Schule Mastbrook sind als „Buddys“ tätig. Sie helfen ihren Mitschülern bei Problemen und schlichten Streits. Davon profitiert die ganze Schule.

Die beiden Mädchen auf dem Schulhof hänseln Andy, einen Jungen aus ihrer Klasse, den sie blöd finden. Da baut sich David in einer grell-grünen Weste vor ihnen auf. „He, hört auf damit“, sagt der Schüler. Der Helfer mischt sich ein – und das macht der Viertklässler oft. Denn der Junge gehört zur „Buddy-Gruppe“ der Schule Mastbrook. Dort haben sich Lehrer, Schüler und Schulsozialarbeiterin zusammengetan, um Kindern bei Schwierigkeiten zu helfen. Wie ein „Buddy“ eben, das englische Wort bedeutet enger Freund, Kumpel, Kamerad.

Die insgesamt knapp 20 Freunde in den grünen Westen mit der „Buddy“-Aufschrift fallen in den Pausen auf dem Hof der Grundschule sofort ins Auge. Die Kumpel verteidigen Jungen und Mädchen, die beim Toben angegriffen werden. Sie schlichten Streit, gehen auf Mitschüler zu, die sonst eher im Abseits stehen, sind ansprechbar bei Problemen und leisten, wenn nötig, sogar Erste Hilfe. Die besten Freunde handeln nach drei Grundsätzen: „Aufeinander achten. Füreinander da sein. Miteinander lernen.“

Das Projekt, das vor zwei Jahren ins Leben gerufen wurde, ist jetzt überregional gewürdigt worden. Auf Initiative des Schulleiters Detlef Vogel sowie des Fördervereins Schule Mastbrook und der Schulsozialarbeiterin Stephie Johannsen bewarben sich die „Buddys“ um den Förderpreis „Verein(t) für gute Schule“. Diese Auszeichnung wird gemeinsam von den Stiftungen „Gemeinsam für gute Bildung“ und „Stiftung Bildung“ vergeben. In der Kategorie „Grundschulen“ wurden bundesweit fünf Konzepte nominiert, darunter das Rendsburger Modell. Verbunden mit der Nominierung war eine Reise nach Berlin am vergangenen Wochenende zur Preisverleihung. „Wir haben die Auszeichnung am Ende zwar nicht bekommen“, berichtet Schulleiter Detlef Vogel, „aber unsere Schüler haben sich bei einem Workshop, der mit der Einladung verbunden war, wirklich sehr gut präsentiert.“

Neben Detlef Vogel, Stephie Johannsen und Ingo Schacht als Vertreter des Fördervereins waren auch vier Kinder mit in die Hauptstadt gereist. Die Viertklässler David Orüc und Angelika Kuhn sind derzeit als „Buddy“ aktiv. Kevin Ventzke sowie Samira Schacht besuchen schon die 6. Klasse einer weiterführenden Schule, gehörten während ihrer Grundschulzeit aber ebenfalls zu den „guten Geistern“ in den grünen Westen. „Die Nachhaltigkeit spielt in unserem Projekt eine große Rolle“, erklärt der Schulleiter. Die „Buddys“ werden so gestärkt, dass ihnen der Wechsel auf die weiterführende Schule leichter fällt und sie auch dort die Grundsätze des fairen Miteinanders vermitteln.

Die Laufbahn eines „Buddys“ beginnt am Ende der dritten Klasse. Dann müssen sich die Schüler selbst einschätzen und es werden Kandidaten ausgewählt, die im vierten Schuljahr die Aufgaben übernehmen. Voraussetzung für eine Teilnahme ist, dass man schon ein „kleines Vorbild“ darstellt – man sollte also keinen Ärger haben und regelmäßig seine Hausaufgaben machen. „Ein Buddy soll sich durch seine Ernennung aber nicht hervorgehoben fühlen“, betont Detlef Vogel. „Vielmehr soll er mit seinen Schulkameraden auf Augenhöhe agieren und sich seiner Verantwortung bewusst sein.“ Bei ihren Aufgaben werden die „Buddys“ unterstützt durch Schulungen wie durch Kommunikationstraining und Erste-Hilfe-Kurse. Diese Seminare werden finanziert durch den Förderverein der Schule.

Der Einsatz zahlt sich aus. „Die Schüler sind selbstbewusster geworden“, weiß Detlef Vogel. „Buddy“ zu werden, so zeigen die Erfahrungen, habe bei den Kindern einen hohen Stellenwert. Die Aufgabe schaffe fast automatisch einen Anreiz zu positiverem Verhalten. Das Projekt sei eine Fortführung der Bemühungen um die Gewaltprävention. Es gehe darum, eine „Kultur des Lobens“ zu schaffen. Das Ziel laute, die Kinder zu befähigen, füreinander da zu sein. Zwar lassen sich nicht sämtliche Konflikte durch die Eigenverantwortung der Kinder lösen, aber oft gibt es einen Erfolg. So wie im Fall von Andy. Nachdem sich der „Buddy“ in den Streit eingemischt hatte, ließen die Mädchen den gehänselten Jungen in Ruhe.

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erstellt am 30.Nov.2015 | 17:10 Uhr

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