zur Navigation springen

Schüsse im Rendsburger Finanzamt : Gutachterin hält Medikamenteneinfluss für unwahrscheinlich

vom

Zeugen beschreiben den Angeklagten Lauenroth als „nervös“ und „schwierig“. Offenbar verlor der mutmaßliche Todesschütze schnell die Geduld.

shz.de von
erstellt am 19.Mär.2015 | 11:07 Uhr

Kiel | Im Prozess um den Mord an einem Rendsburger Finanzbeamten hat eine Gutachterin dem Angeklagten in der Frage eines möglichen Medikamenteneinflusses widersprochen. Der Steuerberater, der wegen Mordes vor Gericht steht, hatte zu Prozessbeginn gestanden, den Mann erschossen zu haben, aber eine Tötungsabsicht bestritten. Er habe unter Medikamenteneinfluss die Kontrolle verloren.

Die Gutachterin sagte am Donnerstag vor dem Landgericht Kiel aus, der Angeklagte habe am Tag der Tat sehr wahrscheinlich nicht unter erhöhtem Medikamenteneinfluss gestanden. Die festgestellten Werte passten eher zu der regelmäßigen geringen Tagesdosis.

Der Angeklagte soll am 1. September 2014 im Rendsburger Finanzamt einen 57 Jahre alten Abteilungsleiter mit drei Schüssen tödlich verletzt haben. Laut Staatsanwalt Achim Hackethal ein heimtückischer Mord. Dem tragischen Geschehen im Büro des Finanzbeamten gingen lange Spannungen zwischen dem Steuerberater und der Behörde voraus.


Der Angeklagte habe ausgesagt, am Tattag die gesamte verschriebene Tagesdosis auf einmal genommen zu haben sowie zwei weitere Tabletten, sagte die toxologische Gutachterin. Zu dieser Aussage passe der festgestellte Wert aber sehr wenig. Drogen und Alkohol konnten nicht nachgewiesen werden.

Zudem haben Zeugen aus dem persönlichen Umfeld des Angeklagten ausgesagt. Ein langjähriger Freund von Olaf Lauenroth gab an, der unter Mordverdacht stehende Fockbeker habe sich seit einem schweren Unfall 2010 charakterlich verändert. „Er war ein harter Hund“, sagte er. Und dies wohl nicht nur sachlich: Er habe den Finanzbeamten das Gefühl geben können, „Nichtskönner zu sein“.

„Er zweifelte an sich, war nervös und verlor schnell die Geduld“, sagte der 54 jährige Krankenpfleger aus Neu Duvenstedt. Eine Steuerfachangestellte (59), die bis zur Tat am 1. September 2014 für Lauenroth arbeitete, sagte: Der Steuerberater sei seit dem Unfall „schwierig geworden, wenn er sich ungerecht behandelt fühlte.“

Ähnliches schilderte eine ehemalige Mandantin, die sich wenige Tage vor der Tat von ihrem Steuerberater getrennt hatte. Der Ton, mit dem der Angeklagte mit dem Finanzamt auch schriftlich kommuniziert habe, habe ihr nicht gefallen. Beispielsweise seine Formulierungen in Briefen an das Amt wie „da im Finanzamt immer alles verloren geht...“. Dies habe sie ihm öfter gesagt, ohne dass er sein Verhalten geändert hatte.

Die Witwe des Opfers, die auf verschiedenen Stationen ebenfalls jahrzehntelang in der Finanzverwaltung des Landes gearbeitet hatte, sagte, sie könne sich erinnern, bereits in dieser Zeit häufiger den Namen des Angeklagten gehört zu haben - unabhängig von ihrem Mann. Einmal habe ihr eine Kollegin einen Leserbrief gezeigt, in dem der Angeklagte dazu aufrief, die Finanzämter in ihrer Arbeit zu behindern. „Der Brief hat mich ziemlich entsetzt.“

Dass Lauenroth ausfallend werden kann, wusste man in seinem Heimatort Fockbek und in Rendsburg schon vor der Tat. Dennoch hätte ihm dort niemand eine Gewalttat zugetraut. Sein polizeiliches Führungszeugnis war zuvor makellos.

Dies war eine Voraussetzung für die Erteilung eines Jagdscheines, der zum Führen von Kurz- und Langwaffen berechtigt. Seit 2007 war Lauenroth im Besitz dieses Dokuments. Das bestätigt die Kreisverwaltung Rendsburg-Eckernförde, die 2010 und 2013 routinemäßig seine Eignung zum Besitz von Waffen überprüfte – ohne Beanstandungen. Lauenroth hatte in seinem Waffenschrank eine Pistole der Marke Beretta und sechs Gewehre.

Menschen, die den Steuerberater seit vielen Jahren kennen, beschrieben den Mann nach der Tat als notorischen Querulanten, der immer wieder Leserbriefe geschrieben hat und im Finanzamt mit Beschwerden vorstellig geworden sein soll. Seit einem Unfall vor vielen Jahren ist er auf einen Rollstuhl angewiesen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert