Büdelsdorf : Gut gebaut? IBG Haus am Pranger

Der Stammsitz in Büdelsdorf: Zahlreiche Bauherren aus ganz Deutschland liegen mit IBG Haus im Streit. Foto: Trittmaack
Der Stammsitz in Büdelsdorf: Zahlreiche Bauherren aus ganz Deutschland liegen mit IBG Haus im Streit. Foto: Trittmaack

Kunden und Geschäftspartner des Büdelsdorfer Bauunternehmens IBG Haus beklagen Ärger beim Hausbau. Der Bauherren-Schutzbund spricht von 500 bis 600 Fällen.

shz.de von
08. Oktober 2012, 02:39 Uhr

Büdelsdorf | "Richtig gut gebaut" - diesen Slogan hat sich die IBG Holding GmbH auf die Fahnen geschrieben. "Jeder Hausbau ist eine Herausforderung, besonders für Sie als Bauherr", heißt es auf der Homepage des Unternehmens mit Stammsitz in Büdelsdorf. Wohl wahr, nur leider zu meinem Nachteil, schimpfen viele Betroffene, die mit IBG zu tun haben. Sie liegen mit der in ganz Deutschland tätigen Baufirma über Kreuz. Neubauten werden entweder gar nicht, viel zu spät oder schlampig fertiggestellt. Beim Bauherren-Schutzbund schätzt man die Gesamtzahl der Fälle in Deutschland auf "500 bis 600". Allein der Vorsitzende der gemeinnützigen Verbraucherschutzorganisation, Rechtsanwalt Peter Mauel, bearbeitet in seiner Leverkusener Kanzlei mehr als 100 Fälle. Einige spielen in Schleswig-Holstein. "Alle Bauvorhaben stehen still", sagte ein Regionalberater des Bauherren-Schutzbundes aus Schleswig.
Ein anonymer Anrufer der Redaktion beklagte sich ebenfalls über IBG. Handwerksbetriebe würden schlecht bezahlt oder unter Druck gesetzt. Der Obermeister einer Handwerksinnung im Kreis Rendsburg-Eckernförde bestätigte das negative Renommee des Unternehmens in der Branche: "Ich bin froh, dass ich keine Aufträge von IBG Haus angenommen habe." Ein Bauunternehmer aus Schleswig-Holstein berichtete, dass IBG seine Geschäfte in den vergangenen Jahren bewusst nach Süd- und Westdeutschland verlagert habe, um dem schlechten Ruf auszuweichen. "Es ist aber schwer, von Büdelsdorf aus ein Bauvorhaben im Ruhrgebiet vernünftig auszuführen", sagte er. Hinzu komme, so der Branchenkenner, dass IBG über Jahre hinweg Geschäftspartner schlecht behandelt habe. Jetzt kassiere man die Quittung: "Die Handwerker sind schlicht nicht mehr bereit, in Vorleistung zu gehen. Verständlich."
Haus wird zu spät fertig - Paar sitzt auf Mehrkosten
Der Schutzbund-Chef Mauel schilderte zwei Beispiele. Sie seien exemplarisch für das Geschäftsgebaren von IBG. Ein junges Paar, er Soldat, sie werdende Mutter, lässt sich im Ostseebad Dahme nieder und beauftragt die IBG Haus GmbH, eine von mehreren Tochtergesellschaften der IBG Holding, mit dem Bau eines Einfamilienhauses. Der Mann ist für den Einsatz in Afghanistan eingeplant. Die dafür fällige Gefahrenzulage ist Teil der Hausfinanzierung. Als es auf der Baustelle immer wieder zu Mängeln und Verzögerungen kommt, will der Soldat seine schwangere Partnerin nicht allein in einem Rohbau zurücklassen. Er streicht den Auslandseinsatz. Beide ziehen vorübergehend in ein Ferienhaus. Mit großer Verspätung wird ihr Haus doch noch fertig - mit den Mehrkosten allerdings wird das Paar noch lange zu kämpfen haben.
In einem anderen Fall will ein Rentner-Ehepaar aus dem Ruhrgebiet nach Bayern ziehen, um dort den Lebensabend zu verbringen. Wieder soll IBG ein schlüsselfertiges Haus liefern und hinterlässt nach Schilderung von Mauel eine Ruine. "Was da steht, ist nichts anderes als ein paar Steine plus Dachstuhl. Die noch in Plastik gewickelten Fenster liegen daneben im Matsch", so Mauel. Da das Paar die alte Wohnung längst gekündigt hat, muss es nun wohl vorübergehend in einem Hotel unterkommen.
Verträge werden mit Tochtergesellschaften geschlossen
Das Problem für die Betroffenen: Sie schließen ihre Verträge mit den Tochtergesellschaften der IBG Holding ab. Die verfügen nach Angaben des Bauherren-Schutzbundes nur über ein geringes Stammkapital, die Rede ist von 25.000 Euro. Gewinne werden an die Holding abgeführt. "Wenn eine Tochtergesellschaft finanziell in die Knie geht, ist das Geld weg", sagte Mauel. Informationen, die ebenfalls in Büdelsdorf gemeldete IBG Bau GmbH, über die bundesweit besonders viele Bauverträge abgeschlossen wurden, sei insolvent, weil angeblich ein Investor abgesprungen sei, bestätigten sich zunächst nicht. Nach Angaben des Amtsgerichts Neumünster ging bis Freitagmittag kein entsprechender Antrag ein.
In den vergangenen Tagen soll es nach Informationen der Landeszeitung zu einem Wechsel in der Geschäftsführung gekommen sein. Auch diese Angaben ließen sich vor dem Wochenende nicht erhärten. Die Unternehmensleitung war telefonisch nicht zu erreichen. Auf Nachfrage am Eingang der Firmenzentrale in Büdelsdorf sagte ein Mitarbeiter, die Unternehmensführung sei erst am Montag wieder im Hause.

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