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Rendsburg-Port : Güterzüge auf der Stadtbahn-Strecke?

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Konzern Max Bögl erwägt, das Material zum Bau von Türmen für Windkraftanlagen auf dem Schienenweg an den Kanal zu transportieren.

shz.de von
erstellt am 24.Apr.2014 | 10:53 Uhr

Die Diskussion über Vor- und Nachteile einer Stadtbahn in den Rendsburger Westen bekommt von unerwarteter Seite einen neuen Dreh. Der künftige Betrieb des Bögl-Werks in Osterrönfeld führt möglicherweise dazu, dass auf dem bislang nicht genutzten Industriegleis zwischen dem Bahnhof und Seemühlen-Nord auch Güterzüge verkehren. Sie könnten das Material für den Bau von Komponenten für Windkraftanlagen transportieren. Der in Bayern ansässige Konzern Max Bögl will die sogenannten Hybrid-Türme aus Stahl und Beton ab Juli am neuen Standort zwischen Grüner Meile, Senvion TechCenter und Rendsburg Port fertigen.

In einer Mail an die „Bürgerinitiative Lebensqualität Rendsburg Nord“ bestätigte Bauamtsleiter Frank Thomsen gestern entsprechende Überlegungen. „Die zukünftigen Logistikwege der Firma Bögl sind noch nicht entschieden. Unter mehreren Optionen wird aber auch eine Wiederaufnahme des Bahnbetriebs bis zur Laderampe an der Büsumer Straße geprüft“, schrieb Thomsen. „Die abschließenden Ergebnisse stehen noch aus.“ Ein Bahnverkehr würde aber nicht von der Firma Bögl selbst betrieben werden, sondern durch einen Dienstleister, so der Fachbereichsleiter.

Die Bürgerinitiative befürchtet dadurch erhebliche Lärmbelästigung entlang der 4,1 Kilometer langen Strecke. Man sei „hochgradig beunruhigt“ angesichts von Informationen, dass „die Firma Bögl eine sehr alte Dieselloktechnik verwendet, auch gerne Taigatrommel genannt“. Thomsen dazu: „Dieser mögliche Dienstleister hat bestätigt, dass keine Dieselloks des Typs ,Taigatrommel‘ eingesetzt würden, sondern ein Typ, der nicht lauter sein würde als ein Regionalbahnzug.“ Ein Zusammenhang zwischen Bögl und der „Taigatrommel“ sei nicht nachvollziehbar.

Die Bögl-Geschäftsführung war am Mittwoch und gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Fragen zur Logistik und zum Materialbedarf für den Bau von rund 200 Türmen im Jahr ließ das Unternehmen unbeantwortet.

Fest steht: Der hochmoderne Schwerlasthafen am Kanal-Südufer bietet zwar perfekte Bedingungen, die jeweils 3,80 Meter hohen und 30 Zentimeter starken Betonfertigteile zu lagern, zu bewegen und aufs Schiff zu verladen. Sollte das Ausgangsmaterial für das Endprodukt – unter anderem tonnenweise Kies und Zement – jedoch in loser Form angeliefert werden, ist er ungeeignet. „Der Rendsburg Port ist, Stand heute, für den Umschlag von Schüttgut nicht ausgerüstet“, sagte Prokurist Kai Lass. „Dafür gibt es auch keine Genehmigung.“ Das Rohmaterial müsste erst in Container umgefüllt werden, um mit den Kränen im Rendsburg Port bewegt zu werden. Für den Umschlag von Schüttgut ist nur der Kreishafen gegenüber ausgelegt.

Der Transport mit der Bahn wäre ebenfalls nur in Containern möglich. Sie müssten in der Büsumer Straße auf Lastwagen umgehoben werden, bevor es durch den Kanaltunnel in Richtung Rendsburg Port weitergeht. Im Rathaus steht man dieser Lösung positiv gegenüber. „Eine seit Jahren gewünschte Wiederaufnahme des gewerblichen Bahnverkehrs kann grundsätzlich nur begrüßt werden“, so Thomsen, da die Stadt seit Jahr und Tag Beträge für eine minimale Unterhaltung der Gleisanlagen in den Haushalt einstelle. Das Industriegleis sei nie wirklich stillgelegt worden, sondern werde für eine spätere gewerbliche Nutzung vorgehalten.

 

 

 

 

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