Günter Grass besucht Ausstellung und nennt drei Tugenden

Porträt des Paten: Günter Grass nahm sich eine Viertelstunde Zeit, um für Emil Anton Riemer (8. Klasse) Modell zu sitzen.
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Porträt des Paten: Günter Grass nahm sich eine Viertelstunde Zeit, um für Emil Anton Riemer (8. Klasse) Modell zu sitzen.

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10. Juli 2014, 14:36 Uhr

Viel Lob für die Schüler des Wahlpflichtkurses (WPK) „Wald“ gab es gestern vom Paten der Hohenwestedter Klimawaldschule: Günter Grass besuchte die Schule Hohe Geest (SHG), inspizierte die Ausstellung „Der Wald“, saß Modell für einen Porträtmaler aus der achten Klasse, informierte sich über die Ziele der „Stiftung Klimawald“, gab der Schülerzeitung ein Interview und ließ sich in der Schulküche seine Lieblingsspeise – eine Linsensuppe – schmecken.

Alle 1250 Schüler der SHG hatten sie seit Montag schon klassenweise durch die Ausstellungsräume geführt. Aber gestern kam nun der Gast, dessem Besuch die Mädchen und Jungen des WPK „Wald“ besonders entgegen gefiebert hatten. Um 13.52 Uhr fuhr ein Volvo mit Lübecker Kennzeichen auf dem Schulhof vor. Darin saßen Günter Grass, Ehefrau Ute und Sekretärin Hilke Ohsoling. Auf eine Teilnahme an der Vernissage am Sonnabend hatte der Literatur-Nobelpreisträger aus gesundheitlichen Gründen noch verzichtet (wir berichteten), aber gestern fühlte er sich fit genug, um seine Gemeinschaftsschau mit den Schülern zu besichtigen. Das erste Lob des Schriftstellers für die von den Schülern konzipierte „Wald“-Ausstellung galt der Zeitschriften-Auswahl zum Thema „Günter Grass in den Medien“. „Das ist eine interessante Sammlung“, befand Grass.

„Unser eigentliches Thema ist der Wald, aber daneben muss man ja auch Sie und Ihr Werk vorstellen“, erläuterte WPK-Leiter Torsten Stellmacher mit Blick auf die Ausstellungstische zu jedem bedeutenden Grass-Werk, die jeweils von einem Schüler gestaltet worden waren. Eine ganze Reihe von Selbstporträts – unter anderem „Ich als Koch“ (1981) – werden in der Ausstellung gezeigt. Ob er den Schriftsteller porträtieren dürfe, fragte Emil Anton Riemer. Der Achtklässler durfte. Grass saß eine Viertelstunde lang geduldig Modell und lobte dann das Werk von Emil, merkte allerdings an, dass die Nase etwas knochiger und die Lippen etwas fülliger nachgearbeitet werden könnten.

Lob vom Nobelpreisträger gab es auch für die Exponate der Schüler: Eine fünfköpfige Gruppe hatte sich von den „Fundsachen für Nichtleser“ (1997) zu eigenen Bild-Text-Kombinationen inspirieren lassen. Andere Schülerinnen hatten Eulen und Pilze getöpfert, und fünf WPK-Malerinnen präsentierten ein Wimmelbild mit dem Titel „Waldgalerie“. „Wenn Schüler dazu inspiriert werden, Themen aufzugreifen und dazu eigenen Gedichte und Gemälde zu schaffen, dann ist das sehr schön. Mehr kann man sich als Autor doch gar nicht wünschen“, meinte Grass, nachdem er alle vier Ausstellungsräume inspiziert hatte.

Als er im vergangenen Sommer gefragt wurde, ob er die Patenschaft für Deutschlands erste Klimawald-Schule übernehmen wolle, habe er sofort zugesagt, erklärte Grass: „Weil der Wald für mich seit meiner Jugend etwas Zentrales, mich Bildendes gewesen ist.“

Die von den Schülern gestaltete Ausstellung sei „sehr lebendig und sehr vielseitig“, urteilte Grass: „Man merkt, dass die Schüler aktiv mitgearbeitet haben.“ Ob er eine Botschaft für die Schüler seiner Patenschule hätte, wollten die Redakteure der SHG-Schulzeitung wissen. Grass formulierte drei empfehlenswerte Tugenden: „Neugierig bleiben, Fragen stellen und Zweifeln lernen.“

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