Millionenprojekt : Günstig Wohnen: SPD will mit alter Idee in die Zukunft

Die Rendsburger Wohnungsbaugesellschaft wurde vor zwölf Jahren von der Stadt verkauft.

Die Rendsburger Wohnungsbaugesellschaft wurde vor zwölf Jahren von der Stadt verkauft.

Ratsfraktion schlägt Gründung einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft vor – wie es sie bis 2004 gab.

shz.de von
24. März 2017, 15:00 Uhr

Es war schnelles Geld. Der Verkauf der Rendsburger Wohnungs-Gesellschaft (RWG) vor zwölf Jahren spülte einen Millionenbetrag in die damals schon klamme Stadtkasse. Rendsburg wurde über Nacht zudem Schulden in Höhe von 27 Millionen Euro los. Doch der Handel erwies sich als Fehler – vor allem aus Sicht der Mieter. Die 1400 Wohnungen verkamen zu einem Spekulationsobjekt (siehe Text unten).

Nun will die SPD-Ratsfraktion das Rad zurückdrehen. In der Ratsversammlung am Donnerstag, 30. März, um 17 Uhr im Alten Rathaus schlägt sie die Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft vor, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Nach Ansicht von Fraktionschef René Sartorius ist die Zeit reif dafür. „Auch in Rendsburg ist der Wohnungsmarkt knapp, insbesondere für sozial schwache Mieter“, sagt der Ratsherr. Zudem kämen immer mehr Flüchtlinge in die Stadt, auch der Nachzug von Angehörigen sorge für steigende Nachfrage. Den Aspekt Flüchtlinge wolle man jedoch nicht in den Vordergrund stellen, so der SPD-Wortführer. Eine kommunale Baugesellschaft könne Wohnraum mit sozialverträglichen Mieten für alle schaffen. Selbst Arbeitnehmer mit einem festen Job haben nach seiner Beobachtung zunehmend Probleme, finanziell über die Runden zu kommen. Auch ihnen müsse man den Zugang zu bezahlbaren vier Wänden ermöglichen.

Wobei nach Einschätzung von Sartorius nicht zwingend neue Gebäude entstehen müssen. „Wenn ich durch die Stadt gehe, sehe ich einfach zu viele Gebäude, die verfallen. Das ist schade.“ Seiner Meinung nach haben die Eigentümer entweder nicht das Geld, sie zu sanieren – oder sie sind nicht willens. „Es wird bewusst darauf gewartet, bis die Gebäude nur noch abgerissen werden können.“

In der Vorlage für die Ratsversammlung fordern die Genossen Bürgermeister Pierre Gilgenast und seine Verwaltung auf, zunächst ausschließlich mit Bordmitteln aktiv zu werden – ohne teure externe Berater. „Die Prüfung und Bearbeitung hat im ersten Schritt alleine durch städtische Mitarbeiter zu erfolgen“, heißt es in dem Antrag, über den abgestimmt werden soll. Sartorius dazu: „Ich erwarte, dass sich kundige Leute aus dem Rathaus hinsetzen. Auch unseren ehemaligen Bürgermeister Breitner kann man ja um Rat fragen.“

Der reagierte gestern auf LZ-Anfrage positiv auf die Idee. „Der Vorschlag der SPD beschreibt einen möglichen Weg und zeigt in die richtige Richtung. Er ist nachvollziehbar und sinnvoll begründet“, sagte der jetzige Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen. „Ob es tatsächlich zur Gründung einer kommunalen Gesellschaft kommen kann, muss sorgfältig geprüft werden. Dabei berät unser Verband sehr gern. Auch lokale Wohnungsmarktakteure gehören eingebunden.“

Zur Frage der Finanzierung sagte Sartorius, dass es ohne neue Kredite nicht gehen werde. „Die Gesamtverschuldung würde ansteigen.“ Und die Obergrenze von 60 Millionen Euro wäre dann wohl Makulatur.

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