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Bendorf-Oersdorf : Gruseliger Fund zur Geisterstunde

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

In Bendorf-Oersdorf entdeckten Nicole und Torsten Auffurth in einem alten Bilderrahmen versteckt eine Porträt-Postkarte von Adolf Hitler.

shz.de von
erstellt am 09.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Es ist kurz nach Mitternacht. Nicole Auffurth sitzt allein im Wohnzimmer in Bendorf-Oersdorf, als ihr der Scheck in die Glieder fährt. Vorsichtig hat sie die Pappe auf der Rückseite eines alten Bilderrahmens gelöst und abgenommen, da blickt ihr ein Mann auf einem Foto entgegen. Sogar das Miauen der Katze kommt ihr auf einmal unheimlich vor. Ein paar Tage später kann die 38-Jährige über ihre Angst lachen. „War das ein böser Mann?“, fragt die achtjährige Zoe und zeigt auf das Schwarz-Weiß-Foto, das vor ihrer Mutter auf dem stabilen Holztisch liegt. „Ja, sehr böse. Wegen ihm mussten viele Menschen leiden“, antwortet Nicole Auffurth. Das Bild zeigt eine Porträtaufnahme von Adolf Hitler.

Die Geschichte der gruseligen Entdeckung beginnt am 22. Februar beim Nachtflohmarkt in der Rendsburger Nordmarkhalle. Nicole Auffurth und ihr Ehemann Torsten sind am Stöbern. Zunächst erstehen sie eine Suppenterrine mit Goldrand. „Wir stehen auf so alte Sachen“, sagt sie. „Ich suche aus, mein Mann handelt dann“, sagt die Bäckerei-Verkäuferin. Mit Erfolg: Für drei Bilderrahmen müssen die Auffurths bei einer Frau nur sieben statt der geforderten zwölf Euro berappen.

Wieder daheim, verschwinden die Rahmen allerdings erst einmal in der Ecke. „Die waren für unser Schlafzimmer gedacht. Da sollten Hochzeitsfotos rein“, erzählt Torsten Auffurth. Als der 39-Jährige, der bei der AKN Eisenbahn in Kaltenkirchen arbeitet, in der Nacht von Freitag auf Sonnabend Nachtschicht hat, will sich seine Frau endlich um die Bilder kümmern. Vorne ist das Porträt eines unbekannten Mannes zu sehen. Sie dreht den 16 mal 21 Zentimeter großen Rahmen um, löst vorsichtig die Pappe mit einem Teppichmesser ab, biegt die Nägel mit einem Phasenprüfer hoch. „Im ersten Moment dachte ich: Das ist er. Im zweiten Moment: Das kann nicht sein.“ Aber er ist es. Am Revers trägt Hitler ein Hoheitszeichen mit Reichsadler und Hakenkreuz. „Draußen war es dunkel und irgendwie unheimlich. Mir war richtig unwohl und ich habe Magenschmerzen bekommen.“ Behutsam löst sie das noch klebende Hitler-Bild ab. Auf der Rückseite steht gedruckt „Photo-Hoffmann, München, Friedrichstr.34 / Nachdruck verboten / Echte Fotografie“.

Nicole Auffurth ruft ihren Mann an und erzählt von ihrem Fund. „Wie jetzt, Hitler im Bilderrahmen? Da war ich natürlich völlig perplex“, erzählt er. Die beiden wollen mehr wissen, forschen im Internet nach, stoßen bei ihrer Recherche auf Heinrich Hoffmann, Hitlers persönlichem Fotografen. Um mehr zu erfahren, schickt Nicole Auffurth eine E-Mail an die Bayerische Staatsbibliothek (BSB) in München. Die fordert ein Handy-Foto des Bildes an, um der Sache nachzugehen.

Auf LZ-Nachfrage kommt eine etwas enttäuschende Antwort. Kein Unikat. Kein Millionenfund. Aber immerhin: „Es ist eine Original-Verkaufspostkarte, die damals vermutlich in sehr hoher Auflage erschienen ist. Sie ist bei uns unter der Bildnummer hoff-1954 bereits im Archiv vorhanden“, erklärt Angelika Betz von der BSB. Aufgenommen wurde die Fotografie im Juli 1934 von Heinrich Hoffmann, wie Betz bestätigt – wohl in dessen Atelier in der Münchner Friedrichstraße: „Darauf lässt zumindest der Aufdruck auf der Rückseite schließen.“

Einen hohen Wert hat die Postkarte nicht. Dennoch wollen die Auffurths ihren Fund beim Gottorfer Landmarkt in Schleswig schätzen lassen. „Vielleicht hat sie ja zumindest einen Sammler-Wert“, sagt Nicole Auffurth. So oder so wollen sie die Karte vorerst behalten: „So etwas findet man ja nicht jeden Tag.“ Mit Leidenschaft werden die Auffurths auch weiterhin auf Flohmärkte gehen. „Das ist immer toll. Da findet man immer mal Sachen, die eine Geschichte erzählen können, sagt Nicole Auffurth. Zumindest das können sie und ihr Mann seit kurzem auch.

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