Grüne verlieren Angst vor Containern für Flüchtlinge

Eka von Kalben
Eka von Kalben

Unterbringung in Modulbauten als schnelle Lösung / Sani-Werk in Borgstedt als Lieferant denkbar

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05. Mai 2015, 12:21 Uhr

Containern haftet ein negatives Image an – vor allem, wenn Menschen darin wohnen sollen. Doch diese Modulbauten sind nicht nur eine schnelle, sondern auch durchaus komfortable Möglichkeit, Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf zu bieten. Davon ist nun auch die Grüne Eka von Kalben, Fraktionsvorsitzende im Landtag, überzeugt. Gestern informierte sich die Politikerin bei der Herstellerfirma Sani in Borgstedt über die Vorteile der mobilen Behausungen.

„Politik ist oft langsamer als sie sein müsste“, so von Kalben. „Die Flüchtlinge sind da, die Wohneinheiten aber nicht, da ist man als Politiker dankbar, wenn die Wirtschaft schnell und unbürokratisch reagieren kann.“ Ihr sei es wichtig, die Firmen, die Lösungen anbieten, zu besichtigen. „In die Betriebe hineinzuschnuppern ist Gold wert. Bei Sani ist die Bereitschaft, mit ihren Mitteln zu helfen, unglaublich groß.“

Die Borgstedter könnten ihre Dienste beispielsweise bei der Errichtung von Erstaufnahmezentren anbieten. Diese sollen nach aktuellen Plänen auf den Universitätsgeländen in Flensburg, Kiel und Lübeck entstehen. „Wo Studierende sind, herrscht ein offenes Umfeld. Hinzu kommt, dass man die Unterkünfte für studentisches Wohnen nutzen kann, sobald sie für Flüchtlinge nicht mehr benötigt werden“, erläutert von Kalben die Ortswahl. Klappt alles, sollen so 1800 Plätze entstehen – eine erste Anlaufstation für die Flüchtlinge, bevor sie im Land verteilt werden.

„Wir würden für den Bau der Unterkünfte an den drei Standorten insgesamt zwischen sechs und acht Monaten benötigen“, berichtet Sani-Geschäftsführer Dennis Hansen. Er unterstreicht damit einen der größten Pluspunkte von Containern: „Im Vergleich zur konventionellen Bauweise sind wir etwa 70 Prozent schneller.“ Hinzu kommt, dass die Container und der Innenausbau im Borgstedter Werk und nicht vor Ort stattfinden. So kann das ganze Jahr über produziert werden. „Außerdem verursachen wir deutlich weniger Baustellenverkehr, Lärm und Staub.“ Unterkünfte aus Containern seien außerdem flexibel und erweiterbar. Zudem können sie nahezu rückstandsfrei abgebaut werden – was der Grünen-Fraktionsvorsitzenden sehr zusagte. Während Container laut Hansen vor allem als temporäre Lösung dienen, würde er Modulbauten auf längere Sicht einsetzen. Diese gleichen etwa der Boden- und Wandstärke oder der Dämmung einem Haus. „Mit Dach und individueller Fassade ist kein Unterschied zu erkennen“, so Hansen. „In dem Fall stellen wir keine Container, sondern erbauen ein Gebäude.“ Eka von Kalben: „Nach meinem Besuch kann ich den Dorfbewohnern die Angst vor Containern nehmen.“

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