Königsschießen : Großer Aufgalopp der „Neuwerker“

Mit einem Marsch durch die Rendsburger Innenstadt begann der Gildetag der Neuwerker Scheiben-Schützen.
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Mit einem Marsch durch die Rendsburger Innenstadt begann der Gildetag der Neuwerker Scheiben-Schützen.

Gildetag der Scheiben-Schützen von 1692: Hans Joachim Rathjen (71) entscheidet das Königsschießen für sich.

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28. Mai 2018, 19:34 Uhr

Rendsburg | Die Neuwerker Scheiben-Schützen-Gilde von 1692 hat einen neuen König. Aus einer Entfernung von 100 Metern traf Hans Joachim Rathjen gestern Abend ins Schwarze. Damit endete gleichzeitig die Regentschaft von Martin Krause, dem „Gildetreuen“. Rathjen, ein ehemaliger Fahrlehrer, genannt „Jochen der Sichere“, war nicht die erste Wahl. Der 71-Jährige rückte nach, nachdem zwei seiner Kameraden auf den Titel des Schützenkönigs verzichtet hatten. „Der König ist der König. Es gibt kein zufrieden oder unzufrieden“, zog Erster Ältermann Norbert Klause sein Fazit.

Bereits um 10 Uhr waren die Gildebrüder vor dem Stadttheater angetreten. Traditionell trugen sie schwarzen Anzug mit gelber Rose im Knopfloch, weiße Handschuhe, Zylinder und Gehstock. Von Major Peter Kehrberg und Adjutant Thorsten Stein auf Pferden angeführt, marschierten die Scheiben-Schützen durch die Innenstadt zum Neuen Rathaus, wo sie von Bürgermeister Pierre Gilgenast begrüßt wurden. Die „Holsteiner Jäger“ sorgten für die musikalische Begleitung. Die Marschroute wurde gegenüber den Vorjahren geändert, weil die Holsteiner Straße wegen einer Baustelle nicht passierbar ist.

Anschließend stand das Gildefrühstück im Conventgarten auf dem Programm. Auch dabei kam die Geschichte nicht zu kurz. Einst wurde der König für die Zeit seiner Regentschaft von der Steuerlast befreit. Dieses Privileg gibt es nicht mehr, allerdings einen kleinen Ausgleich in Form des „Talers der Gerechtsamen“. Diese Anerkennung erhielt die scheidende Majestät Martin Krause aus der Hand von Gilgenast. Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts betrug die Zahlung 24 Reichsmark, Gegenwert etwa zwölf Euro. Krause erhielt aber nur einen „Majestätsbonus“ im Wert von zehn Euro. Den Rest „habe ich als Verwaltungsgebühr abgezogen“, scherzte Gilgenast.

Für die Festrede hatten sich die Neuwerker den Chef der „Konkurrenz“ eingeladen: Erster Ältermann Thomas Krabbes von der Altstädter Vogelschützengilde betonte, dass es eine Ehre für ihn sei, vor den Neuwerkern sprechen zu dürfen. Er stellte heraus, dass die Rendsburger Gilden bestens miteinander auskämen („Das war ja nicht immer so“). Was die Mitglieder auszeichne, sei das große bürgerschaftliche Engagement.

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