Schwerlasthafen : Großauftrag für den Rendsburg Port

Die erst vor wenigen Monaten vom Stapel gelaufene „Abis Duisburg“ soll die in Bokel / Ellerdorf demontierten Windkrafträder nach Holland bringen. Dauer der Schiffsreise: 24 Stunden.
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Die erst vor wenigen Monaten vom Stapel gelaufene „Abis Duisburg“ soll die in Bokel / Ellerdorf demontierten Windkrafträder nach Holland bringen. Dauer der Schiffsreise: 24 Stunden.

Neun gebrauchte Windkraftanlagen im Wert von bis zu 5,4 Millionen Euro werden im Hafen derzeit verladen und dann nach Holland verschifft.

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19. November 2013, 09:37 Uhr

Das könnte der Durchbruch für den Rendsburg Port sein: In dem Schwerlasthafen am Kanal-Südufer unweit der Eisenbahnhochbrücke werden derzeit fünf jeweils 13 Jahre alte Windkraftanlagen verschifft, weitere vier sollen Anfang kommender Woche folgen. „Ein Auftrag dieser Größenordnung ist für uns eine Premiere“, sagt Prokurist Kai Lass. Das Repowering von Windkraftanlagen und der damit verbundene Export dieser Kolosse könnte sich für das Unternehmen zu einem bedeutenden Geschäftsfeld entwickeln.

Als Repowering bezeichnet man den Austausch alter Anlagen zur Stromerzeugung durch neue mit höherem Wirkungsgrad. Bei Windkraftanlagen ist der dafür erforderliche Aufwand besonders groß. Zwar können sie in ihre Einzelteile zerlegt werden, doch im Gegensatz zu herkömmlichen Kraftwerken haben die einzelnen Elemente der Windräder gewaltige Dimensionen. Die größten Bauteile, die derzeit im Rendsburg Port im Bauch der „Abis Duisburg“ verstaut werden, haben eine Länge von 30 Metern. Das schwerste Einzelstück bringt es auf 43 Tonnen.

Die neun Windkrafträder stammen aus dem Windpark Bokel / Ellerdorf. Gekauft wurden sie von der holländischen Firma „Windbrokers Europe B.V.“. Vertriebschef Dick Vermeulen ist seit zehn Jahren im Geschäft. Er beobachtete gestern die Verladung und zeigte sich optimistisch, zügig einen Abnehmer für die Produkte zu finden. Gebrauchte Winkraftanlagen aus Deutschland seien auf dem Weltmarkt gefragt. „Wir haben bereits Anlagen nach Chile, Marokko und Südafrika verkauft“, sagt er. Bis zu 600 000 Euro ließen sich pro Windkraftrad erzielen, macht bei neun Anlagen also insgesamt bis zu 5,4 Millionen Euro. Im Idealfall könne eine gebrauchte Anlage wie jetzt aus Bokel/Ellerdorf noch zehn bis 20 Jahre Strom erzeugen.

Das setzt jedoch voraus, dass die Technik unbeschädigt beim Kunden eintrifft. Für die Verladung ist im Rendsburg Port der Terminalleiter Jürgen Lohmann verantwortlich. Wochenlang wurde am Computer geplant, wie der 80 mal zwölf Meter große und knapp zehn Meter hohe Laderraum der „Abis Duisburg“ beladen sein muss, um möglichst viele Bauteile unterbringen zu können. Gestern morgen wurde mit dem Umheben begonnen, heute sollen die Arbeiten abgeschlossen werden. Als aufwändig erwies sich die Sicherung der Ladung. Lohmann: „Im Gegensatz zum Laster könnten die Elemente nicht nur nach links und rechts verrutschen, sondern – je nach Wellengang – auch nach vorn und hinten.“ Deswegen wird alles besonders fest verzurrt.

Hat die weiterhin geltende Sperrung der Rader Hochbrücke für Schwertransporter das Geschäft des Rendsburg Port beflügelt? Das kann Prokurist Lass nicht bestätigen. „Jeder Hafen ist nur so gut wie seine Hinterlandanbindung. Wir wollen auch mit Dänemark ins Geschäft kommen. Dafür brauchen wir die Hochbrücke.“ Für das Unternehmen Rendsburg Port ist der aktuelle Auftrag eine wichtige Referenz, mit der es sich auf dem Markt empfehlen will: „Wir sind bereits im Gespräch mit weiteren Auftraggebern

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