Kreis Rendsburg-Eckernförde : Grippe-Fälle steigen dramatisch an

Impfmüdigkeit könnte eine Erklärung für die Ausbreitung der Grippe sein.
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Impfmüdigkeit könnte eine Erklärung für die Ausbreitung der Grippe sein.

Zahlen des Robert-Koch-Institutes zeigen: Gegenüber der Vorsaison gab es 20-mal mehr Influenza-Infektionen im Kreis Rendsburg-Eckernförde.

shz.de von
30. Juli 2015, 06:00 Uhr

Der Anstieg klingt dramatisch: Die Zahl der Influenza-Infektionen im Kreis Rendsburg-Eckernförde ist fast um das 20-fache gestiegen. Damit fiel die vergangene Grippesaison besonders schwer aus. Das geht aus aktuellen Daten des Robert-Koch-Instituts hervor, auf die die Krankenkasse IKK Classic hinweist. „Die Zahlen stimmen. Es hat deutlich mehr Infektionen gegeben“, sagt Dr. Armin Kalmbach, Leiter des Gesundheitsamtes in der Kreisverwaltung. Gründe dafür kann es ihm zufolge viele geben.

In Rendsburg-Eckernförde wurden zwischen Oktober 2014 und April dieses Jahres 98 Influenza-Infektionen gemeldet. Im gleichen Zeitraum vom Jahr 2013 auf 2014 gab es nur fünf registrierte Fälle. „Die tatsächliche Zahl der Grippeerkrankungen ist wahrscheinlich sogar höher. Nicht jeder, der an Grippe erkrankt, geht zum Arzt und wird auf das Virus getestet“, sagt Peter Rupprecht, Pressereferent bei der IKK Classic, zu den aktuellen Zahlen des Robert Koch-Instituts.

Armin Kalmbach bestätigt den Anstieg im Kreis, sagt aber auch: „Entscheidend ist, wie viele Fälle es auf 100  000 Einwohner gab. So betrachtet, liegt der Kreis Rendsburg-Eckernförde im Mittelfeld unter allen Kreisen des Landes.“ Aus medizinischer Sicht könne es viele Ursachen für die hohe Zahl an Erkrankungen geben. Nur einen Grund zu nennen, sei Spekulation. Der Anstieg könne allein darauf zurückzuführen sein, dass in der vergangenen Saison häufiger auf Grippe-Viren getestet worden sein könnte. Vielleicht haben sich aber auch weniger Menschen impfen lassen. Ein weiterer Grund könnte das Virus selbst gewesen sein. „Es kann sich um ein besonders aggressives Virus gehandelt haben.“

Kalmbach zufolge gibt es viele verschiedene Influenza-Viren, die sich immer weiter verändern. Deshalb sei es schwierig, immer den passenden Impfstoff zur Verfügung zu haben. Der wird aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre zusammengesetzt. Die Pharma-Hersteller seien derzeit dabei, die Sera für die kommende Grippe-Saison im Herbst herzustellen, damit dann genug zur Verfügung steht. Wenn die Viren sich bis dahin weiter veränderten, könne der Impfstoff schnell nicht mehr passen.

Laut IKK ist die Grippewelle seit einigen Wochen „deutlich abgeflacht. Neuerkrankungen werden in Deutschland nur noch vereinzelt gemeldet“. Wenn Menschen auch jetzt über Halsschmerzen eine verstopfte Nase oder Husten klagen, handele es sich in den meisten Fällen um einen grippalen Infekt, also eine Erkältung. Die kündige sich langsam an und verschwinde nach ein paar Tagen vollkommen. „Die echte Grippe, die durch Influenza-Viren ausgelöst wird, kommt hingegen plötzlich und erfasst nicht nur die Atemwege, sondern häufig den ganzen Körper“, teilt die Krankenkasse mit.

„Auch wenn die Grippewelle vorüber ist, sollten Menschen mit entsprechenden Symptomen eine mögliche Infektion nicht auf die leichte Schulter nehmen und lieber zum Arzt gehen“, rät Peter Rupprecht. Gefährlich sei eine Grippe vor allem für Risikopatienten, also Menschen über 60 Jahre, Schwangere, medizinisches Personal und chronisch Kranke. Dabei liege die Impfquote hinter den Erwartungen zurück. Für einen umfassenden Schutz müsse die Impfung jedes Jahr aufgefrischt werden.

„Auf der südlichen Erdhalbkugel ist die Influenzasaison in den Monaten Mai bis September“, sagt Peter Rupprecht. „So besteht die Gefahr, sich auf Reisen zu infizieren, wenn man in unseren Breiten gar nicht mehr an die Influenza denkt.“ Urlauber, die zur Risikogruppe gehören, sollten deshalb rechtzeitig mit ihrem Arzt sprechen, ob eine Impfung vor der Reise sinnvoll ist.

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