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Landeszeitung

13. Dezember 2017 | 05:05 Uhr

Rekordversuch : Grenzverschiebung

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Am Wochenende will der Rendsburger Extremsportler Hans-Peter Dannenberg zu Fuß die Alpen überqueren – in weniger als 49 Stunden.

von
erstellt am 07.Aug.2014 | 09:31 Uhr

Gemeinhin fährt man mit dem Auto über einen der vielen Pässe, wenn man die Alpen überqueren will. Die Fahrer bei der Tour de France nehmen zumindest das Fahrrad und Hannibal benutzte seinerzeit Elefanten. Zu Fuß aber wagen nicht viele dieses Abenteuer. Der Rendsburger Extremsportler Hans-Peter Dannenberg gehört zu dieser seltenen Spezies. Und weil die bloße Überquerung per pedes ihm nicht ausreicht, setzt er dem Unternehmen noch die Krone auf. Am anstehenden Wochenende möchte der 52-Jährige die Alpen nonstop überqueren – und zwar in weniger als 49 Stunden.

Es ist schon verrückt, was Menschen in ihrem Leben so anstellen, um sich selbst zu testen, ihre eigenen Grenzen zu erreichen und diese im Idealfall ein Stück weit zu verschieben. Hans-Peter Dannenberg hat diese Erfahrung schon mehrfach in seinem Leben gemacht. Drei Mal absolvierte er bereits den als härtesten Triathlon der Welt bekannten Ironman auf Hawaii. Neben zig Starts bei Triathlons (Doppel- und Dreifach-Triathlons) und Extremläufen stehen auch eine Durchquerung des Harzes und ein Lauf von der Nord- an die Ostseeküste in seiner sportlichen Vita. Womöglich sind es diese Erlebnisse, die ihn vollkommen ruhig und abgeklärt über seine neueste Grenzerfahrung sprechen lassen. „Das ist schon etwas Besonderes und vielleicht das i-Tüpfelchen all der Dinge, die ich bisher so gemacht habe“, erklärt der geborene Schleswiger, der sich selbst salopp als Fischkopp bezeichnet. Eine Affinität zum Sport, geschweige denn zu derartigen Höchstleistungen war während seiner Jugendzeit nicht erkennbar. „Ich habe gefeiert, Bier getrunken und wieder gefeiert“, sagt er rückblickend und kann heute darüber lachen. Als Wende in seinem Leben beschreibt er einen eher langweiligen Abend in einem Wachlokal während seiner Bundeswehrzeit. „Da war ich so Anfang zwanzig und habe während des Dienstes einen Artikel über den Ironman-Triathlon auf Hawaii gelesen. Das hat mich total geflasht, und ich fand das vollkommen abgefahren. Seitdem hat mich das Thema nicht in Ruhe gelassen“, erinnert er sich.

Nach einem zwischenzeitlichen achtjährigen Rückfall in alte Zeiten, in denen er sich gehen ließ (siehe auch Artikel unten), frönt Dannenberg seiner Leidenschaft wieder regelmäßig. Das Feuer kehrte zurück. „Ich bin mit totaler Begeisterung dabei, weil es so viele Sachen gibt, die mich reizen. Dazu gehören auch die Schönheiten der Natur, die man bewundern kann.“ Gemeinhin sollte man meinen, dass bei diesen extremen körperlichen Belastungen der Blick für die Umgebung zur Nebensache verkommt. Bei Hans-Peter Dannenberg ist genau das Gegenteil der Fall. „Für mich ist diese Natur in den Alpen ein ganz großer Motivationsschub. Das kenne ich ja von zuhause nicht.“ Beim Betrachten von Fotos der Strecke überkam es ihn beinahe. „Wow, habe ich gedacht. Das muss ja ein Geschenk sein, da einmal laufen zu dürfen.“ Die Zeit von 49 Stunden steht zwar als Ziel, stehe aber nicht im Vordergrund. „Abbrechen kommt nicht nicht Frage. Ich werde das auf jeden Fall durchziehen“, verspricht er.

Heute am Donnerstag geht die Reise los. Dann wird er gemeinsam mit Katharina Kochinke nach Oberstdorf reisen. Am Freitag startet dann das Abenteuer, das in weniger als 49 Stunden auf der italienischen Seite der Alpen, in Meran, enden soll. Als Ideengeber zu diesem Experiment fungierte Ronny Schmidt. Ein Mann, der wie Dannenberg Grenzerfahrungen mag, aber den Schwerpunkt dabei zumeist auf das Überleben in verschiedenen Situationen legt. Gemeinsam mit Daniel Meier und Katharina Kochinke sollte es ursprünglich in einem Viererteam über die Berge gehen – geblieben ist ein Duo. Schmidt und Meier sagten den Trip aus unterschiedlichen Gründen ab und so wird Dannenberg mit Kochinke das Abenteuer angehen.

Gefasst machen müssen sich die beiden auf mehr oder weniger befestigte Pfade auf dem Wanderweg E5. Aber auch unübersichtliches Terrain und weit auseinander liegenden Bergstufen gilt es zu bewältigen. „Die Oberschenkelmuskulatur wird dabei besonders beansprucht“, weiß der 52-Jährige. Darüber hinaus fürchtet er in erster Linie die Müdigkeit: „Der Schlafentzug ist meine größte Sorge. Das ist echt eine fiese Nummer. Wenn es nachts kalt und dunkel wird, ist das eine ganz andere Atmosphäre.“ Aber, und da greift Dannenberg auf seinen reichhaltigen Erfahrungsschatz zurück: „Das ist alles eine Sache des Kopfes. Wenn der Geist sich entschieden hat, so etwas zu schaffen, dann zieht der Körper nach. Man darf sich von seinem Ego keine Schwäche vorgaukeln lassen“, sagt er – wohlwissend, dass schwierige Phasen während seines Trips unausweichlich sind.

Körperlich aber ist er bestens vorbereitet. Noch vor drei Wochen bestritt er den Langtriathlon in Roth. Vor wenigen Tagen absolvierte er beim Ostseeman in Glücksburg die Schwimmstrecke: „Einfach um die Körperspannung aufrecht zu erhalten.“ Auf eine Besichtigung vor Ort hat er bewusst verzichtet. „Ich will da jungfräulich und vielleicht auch ein bisschen naiv rangehen“, erklärt er. Der Kopf solle ihm nicht schon vor dem Start sagen, dass sein Vorhaben gar nicht zu schaffen sei. Schwierigkeiten könnte indes das Wetter bereiten. Die Prognosen versprechen derzeit nicht unbedingt Positives. Das könnte problematisch werden, weil die Aussichten auf den Rekord bei einigermaßen trockenem Wetter deutlich größer sind, als bei Gewitter und Starkregen. „Aber schauen wir mal“, sagt er in dieser bemerkenswert ruhigen und abgeklärten Art.

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