Ausflug ins Mittelalter : Graf Utzo rettete Hohenwestedt

Bruchenballturnier: Beim Wettkampf der Knappen war „Der Tod“ als Co-Kommentator im Einsatz.
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Bruchenballturnier: Beim Wettkampf der Knappen war „Der Tod“ als Co-Kommentator im Einsatz.

Das spannende Ritterturnier begeisterte beim Mittelalterlich Phantasie Spectaculum viele Tausend Besucher im Park Wilhelmshöhe in Hohenwestedt.

shz.de von
10. Juni 2014, 06:00 Uhr

Mit seinem Sieg beim Ritterturnier sorgte Landesherr Utzo von Hirzenberg dafür, dass den Hohenwestedtern die Knechtschaft durch den kaiserlichen Ritter Gerhard von Löwen erspart blieb. Die Reitergruppe „Ars Equitandi“ aus Krefeld denkt sich jedes Jahr ein neues Szenario für ihre Auftritte beim „Mittelalterlich Phantasie Spectaculum“ (MPS) aus. „Euer Landesherr hat den Kaiser vergrätzt“, erklärte der Herold von „Ars Equtandi“ diesmal dem wie gewohnt in Adel und Bauernpöbel geschiedenen Publikum in der Turnierarena.

Graf Utzo hatte wegen der Erkrankung seines Sohns auf eine Teilnahme am Reichstag in Goslar verzichtet. Sehr zum Unwillen von Kaiser Heinrich dem IV., der seinen Herold sowie zwei getreue Ritter nach Hohenwestedt entsandte, um den Reichsbann über Graf Utzo zu verhängen. Der „schwarze Ritter“ Gerhard von Löwen sollte bei der Gelegenheit Burg und Ländereien des Hohenwestedter Grafen übernehmen. Was voraussichtlich mit „mehr Steuern, mehr Arbeit und weniger Freude“ verbunden wäre, wie der kaiserliche Herold mutmaßte, als er das Publikum aufs Tjostturnier einstimmte: „Wenn Ihr weiterhin solche Feste wie heute feiern wollt, müsst Ihr Euren Landesherrn unterstützen.“

Nachdem sie nachmittags durch verschiedene Exerzitien ihre Ritterlichkeit unter Beweis gestellt hatten, traten am Abend jedes Festivaltags vier Recken zum „hohen Stechen“ gegeneinander an: Graf Utzo und sein Kumpan Siegfried von Wittgenstein sowie die beiden kaiserlichen Ritter Gerhard von Löwen und Wilhelm von Sassenheim. „Es geht bei diesem Kampf um die Landesherrschaft hier in Hohenwestedt“, kündigte der Herold an, der nach dem entscheidenden Tjost zwischen dem einheimischen Burgherrn und dem „schwarzen Ritter“ und einem anschließenden Schwertkampf erst hoch zu Ross und dann am Boden Graf Utzo als „alten und neuen Landesherrn“ proklamieren konnte.

Mindestens ebenso erfreulich für die Hohenwestedter war das Ergebnis der Nachtshow, die „Ars Equitandi“ an den beiden ersten MPS-Tagen um 23 Uhr präsentierte: Da nämlich wurden die vier apokalyptischen Reiter von einem Engel mit brennenden Schwingen besiegt. Die Apokalypse abgewendet, den seinen Untertanen wohl gesonnenen Landesherrn im Amt bestätigt: Die rundum positive Bilanz des MPS-Gastspiels in Hohenwestedt wurde nur durch Defizite auf dem Gebiet der Hexenjagd getrübt.

Wegen der Eintaktung in den allgemeinen Programmablauf habe man pro Festivaltag nur vier Vorstellungen, berichtete Wolfgang Drockner vom Nindorfer Verein „Das Hexenbad“, und das bedeute, dass man pro Tag gerade mal vier mal drei, also zwölf Hexen als solche entlarven könne. „Das reicht nicht, das ist zu wenig“, kritisierte Drockner, so könne man dem Hexenproblem nicht Herr werden. Bei der Wasserprobe des Vereins „Das Hexenbad“ wurde verdächtiges Weibsvolk wie gewohnt ebenso fair wie wissenschaftlich behandelt. „Geht sie in unserem Wasserzuber unter und ertrinkt, dann ist sie keine Hexe und bekommt ein christliches Begräbnis im Gottesacker gegenüber“, erläuterte Drockner, „taucht sie aber wieder auf, dann ist Zauberei im Spiel: Hexen haben ihre Seele an den Teufel verkauft, und darum sind sie leichter als Wasser.“

Der Verein „Das Hexenbad“ steuerte 63 Darsteller aus Schleswig-Holstein und Hamburg zu den insgesamt 2500 Mitwirkenden bei, die das MPS zum größten reisenden Mittelalter-Kulturfestivals der Welt machen. Dass das MPS im kommenden Jahr zu Pfingsten zum dann insgesamt 20. Mal in Hohenwestedt zu Gast sein wird, haben die Veranstalter bereits bekannt gegeben.


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