Dichterwettstreit : Grabstein-Sprüche und Erziehungstipps

Sieger des Abends: Sven Kamin aus Wedel.
Sieger des Abends: Sven Kamin aus Wedel.

„Iron Slam“ mit drei Autoren vor dem Kupolofen in der Carlshütte.

shz.de von
02. Juli 2018, 10:25 Uhr

Büdelsdorf | „Alles was Gedanken und Gefühle ausdrücken kann“ (Björn Högsdal) war Thema des Abends. „Iron Slam, Poetry Slam Deluxe“ – der Wettstreit mit selbst geschriebenen und von den Autoren vorgetragenen Worten fand zum zehnten Mal vor dem Kupolofen in der Carlshütte statt. Die Verbindung von darstellender Kunst auf der Bühne und Worten vor dem Kupolofen erfreut sich seit Jahren eines wachsenden Interesses. Im Mittelpunkt des Angebots von NordArt, Kunstwerk Carlshütte, Nordkolleg und „assemble ART“ stehen eigene Texte, die von den Autoren selbst vorgetragen werden. Hilfsmittel sind nicht zugelassen, zu lang sollte die Performance auch nicht werden.

Dieser „Iron Slam“ machte seinem Namen alle Ehre: Mit Sven Kamin aus Wedel und Florian Hacke aus Kiel sowie Valerio Moser aus der Schweiz traten bereits prämierte „Slammer“ vors Publikum. Jeder Besucher erhielt am Eingang zwei Schrauben zur Abstimmung. Bewertet wurde nach dem ersten Durchgang das Gewicht der Schrauben, die für jeden der drei Dichter und Sprecher zurückgegeben worden waren. Den Sieger des Abends bestimmten Dauer und Intensität des Beifalls nach dem zweiten Durchgang.

Mit Original-Grabsteinsprüchen setzte sich Florian Hacke auseinander, zum Beispiel „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“. Erziehungs-Ratschläge, „was wir unseren Kindern sagen sollen“ und Sven Kamins Zungenbrecher vom „Waffel-Muffin-Bäcker“ sorgten für Heiterkeit. Mit ernsteren und dramatisch vorgetragenen Themen trat Valerio Moser aus der Schweiz vors Publikum. Seine Texte von Alltag, David Hasselhoff und Neuen Heimaten begeisterten weniger. Er schied nach der ersten Runde aus.

Nach der Pause verglich Sven Kamin in seinem Vortrag „Wir sind Polaroids“ das Sofortbild aus der Kamera mit der Entwicklung eines Menschen. „Wir brauchen Zeit zum Entwickeln, von uns gibt es nur ein Exemplar.“ Großartig! Intelligent durchdacht. Ebenso auch sein Vortrag über die Kraft eines Gedichts, das sich verselbstständigt. „Ich bin ein Buchstaben-Zombie – da kann man nichts machen.“ Florian Hacke machte sich als junger Vater Gedanken um die Prostata: Kein Klartext, sondern intelligent mit Humor verpackt. Erkennendes Gelächter verriet, dass vielen andere selbst auch solche Erfahrungen gemacht hatten. Florian Hacke machte sich dafür stark, dass auch Väter in Elternzeit gehen sollten. Seine Erkenntnis: „Wenn mehr Väter sich das trauen, gibt es bald auch ein Puzzle mit Feuerwehrfrauen!“ Nach langem Beifall, und was sonst noch die Zustimmung eines begeisterten Publikums ausdrückt (Trampeln, Pfeifen, Johlen), wurde Sven Kamin Sieger des Abends. Verdient!

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen