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Christkirche : Göttlicher Auftritt der Cello-Königin

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die argentinische Weltklasse-Künstlerin Sol Gabetta begeistert das Publikum in der restlos ausverkauften Christkirche.

Es war ein ganz besonderer Abend, jedoch nicht für alle. Am Eingang zur Christkirche standen noch viele Fans mit der Bitte: „Suche Karte“. Wer von ihnen noch eine für das restlos ausverkaufte Konzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals (shmf) ergatterte, war auf der glücklichen Seite dieses sonnigen Sommerabends angekommen. Unter ihnen Festivalintendant Dr. Christian Kuhnt und NDR-Intendant Lutz Marmor. Auch sie lernten die herzliche Atmosphäre in Rendsburgs großer Kirche kennen und schätzen.

Sol Gabetta (32), künstlerische Festival-„Säule“ und Cello-Königin zum Anfassen, schien mit dem italienischen Kammerorchester „Il Giardino Armonico“ die Traumbesetzung für dieses Familien-Bach- und Telemann-Programm in aktueller Spielweise zu sein: Lebendige Barock-Klänge vom Feinsten, spritzig, dynamisch, frisch, mitreißend. Und schön. Nichts mehr von früherer Nähmaschinen-Treppendynamik und steifem Musik-Zelebrieren. Hier wurde das Publikum mit engagiertem Spiel angesprochen und im tiefsten Herzen bewegt. Um das zu erleben, war Christa Westphal extra aus Bremen nach Rendsburg gekommen. Auch, um ihren Sohn zu besuchen. Oder war es umgekehrt? „Ich bin begeistert. Ein Erlebnis, Sol Gabetta zu sehen und zu hören. Ein wunderschönes Konzert, dazu die tolle Atmosphäre um die Kirche!“ „So etwas habe ich noch nie gehört“, schwärmte Renate Henning aus Rendsburg. „Wie Giovanni Antonini Dirigieren und Blockflöte spielen unter einen Hut kriegt. Toll!“ Eva Kahl: „Ich höre so gerne Orchester-Barockmusik, sie wird viel zu selten von klein besetzten Orchestern wie hier gespielt.“

Sol Gabetta und „Il Giardino Armonico“ bildeten eine vertraute, klanglich und spielerisch feinstens abgestimmte Einheit, die ihresgleichen sucht. Vater Johann Sebastian Bach, seine Söhne Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel sowie der Taufpate Georg Philipp Telemann lieferten die Werke: Zwei Brandenburgische Konzerte (4 und 3), eine Sinfonie, ein Cello-Konzert und eines für Blockflöte und Viola da Gamba, letztere mit Sol Gabetta als Solistin. Alles feinsinnige und feinfühlige Werke mit viel Esprit. Angenehm zu hören, mit spieltechnischen Raffinessen und Herausforderungen, um Können zu beweisen. Das galt in erster Linie für Sol Gabetta, mindestens aber auch für Giovanni Antonini, den Leiter des Orchesters. Er adelte die Blockflöte, sie das Violoncello. Großartig auch Marco Brolli (2. Blockflöte) und die Mitglieder des „Il Giardino Armonico“ an Violinen, Violen, Kontrabass und Cembalo.

Ob scheinbar in Gedanken verloren in C.P.E. Bachs Largo, in sehnsuchtsvoller Stimmung („Dolce“ von G.P. Telemann) oder fetzig, mit kraftvollem Zugriff auf die Saiten im nachfolgenden Allegro assai: Bei Sol Gabetta standen Können und Virtuosität immer im Dienst des Werkes und der Zuhörer. Sie schien „nur“ Medium zwischen ihnen und den Komponisten zu sein. „Bravo-Rufe“ und stehender Applaus waren nach dieser Darbietung selbstverständlich, eine Zugabe ebenfalls. Der zweite Satz aus dem 3. Brandenburgischen Konzert von J.S. Bach: erneut wurde mit tänzerischer Kraft „in den Bässen gewühlt“ und gezeigt, wie sicher diese Künstler in ihrem Element sind.

Wie in Rendsburg üblich, wurden nach dem Auftritt der Blumenkinder die Orgelpfeifen als Andenken überreicht. Vor der Abreise nach Wismar etwas improvisiert und in Eile, dafür umso herzlicher. Denn beim „shmf zu Gast“ am Tag darauf stand Sol Gabetta bereits wieder mit „Bach“ auf dem Podest.

 

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