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Gnadenfrist für 60 Jahre alte Fähren auf dem Kanal tpo

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

shz.de von
erstellt am 05.Feb.2016 | 11:34 Uhr

Der Austausch der Fährflotte auf dem Nord-Ostsee-Kanal ist in Verzug geraten. Eigentlich sollte das erste Schiff in diesem Jahr außer Dienst gestellt und durch einen neuen Typ ersetzt werden. Doch die Generaldirektion der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes kann ihren Zeitplan nicht mehr einhalten. Nun rechnet sie mit bis zu zwei Jahren Verzögerung, bis das erste neue Fahrzeug an einer Fährstelle zwischen den Kanalufern pendelt.

Insgesamt 70 Millionen Euro lässt sich der Bund den Austausch seiner Nord-Ostsee-Kanal-Fährflotte kosten. In den nächsten Jahren sollen alle 16 Fähren, die an 14 Orten zwischen Kiel und Brunsbüttel Autos, Radfahrer und Fußgänger über den Kanal bringen, ersetzt werden. Jüngst hat das Verkehrsministerium die erste Tranche über 14,5 Millionen Euro in den Bundeshaushalt eingestellt, um den Bau von drei 45-Tonnen-Fähren zu finanzieren (wir berichteten). Sie sollen die ältesten Schiffe ersetzen. Das sind die 64 Jahre alten Fähren „Audorf“ und „Nobiskrug“ sowie die 63 Jahre alte „Hochdonn“. Doch die Aufträge für die Neubauten sind noch nicht einmal ausgeschrieben. Die Generaldirektion ist damit mehr als ein Jahr in Verzug. „Die ursprünglich für das erste Quartal 2015 geplante europaweite Ausschreibung wird nach aktueller Terminplanung im zweiten Quartal 2016 erfolgen“, teilte Pressesprecherin Claudia Thoma auf Nachfrage der Landeszeitung mit. „Damit ist eine Auftragserteilung zum Jahresende 2016 möglich und die Inbetriebnahme des ersten Schiffes kann dann voraussichtlich 2018 erfolgen“, fügte sie hinzu. Nach ursprünglicher Planung sollte die erste neue Fähre noch 2016 eingesetzt werden.

Hintergrund der Verzögerung ist laut Thoma, dass die Generaldirektion kurzfristig auf ein neues Investitionsprogramm zugreifen konnte, mit dem es den Bau eines neuen Laderaumsaugbaggers für die Nordsee finanzieren konnte. „Das musste vorgezogen werden, um die Mittel auszuschöpfen“, sagte die Sprecherin. Mit dem späteren Einsatz der neuen Schiffe ist der Fährverkehr über den Kanal laut Thoma nicht gefährdet. „Alle Fähren sind in einem guten technischen Zustand“, sagte sie. Jedes der Schiffe geht alle zwei bis drei Jahre für Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten in die Werft. Während dieser Zeit werden Reservefähren eingesetzt.

Das große Neubau-Programm wurde angestoßen, um den Fährverkehr zuverlässiger und wirtschaftlicher zu machen. „Die neuen Fähren werden mit modernster Antriebstechnik ausgestattet. Geplant ist ein Diesel-Hybridantrieb“, erklärte Thoma. Dabei werden die Fähren elektrisch über einen Batteriesatz angetrieben, die Stromerzeugung erfolgt über einen Dieselgenerator an Bord, der bei Bedarf anspringt und die Batterien nachlädt. „Großer Vorteil dieses Antriebs ist der erheblich reduzierte Brennstoffverbrauch, das bedeutet auch einen geringeren Schadstoffausstoß. Das wirkt sich besonders auf dem Kanal mit kurzen Überfahrstrecken aus.“ Denn der Dieselmotor könne zur zeitweiligen Stromerzeugung mit wirtschaftlicher Drehzahl laufen, während beim bisherigen Antrieb der Dauerbetrieb nötig sei. „Bei längeren Liegezeiten in verkehrsarmen Zeiten kann dieser Ladevorgang auch über einen Landanschluss erfolgen, also ohne Motor – schadstofffrei“, teilte Thoma mit.

Die meisten der Fähren über den Nord-Ostsee-Kanal wurden zwischen 1958 und 1963 gebaut. Die „Berlin“ ist Thoma zufolge die jüngste, sie stammt aus dem Jahr 1972.

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