Jubiläum : Glückwunsch, alte Dame!

Im Cockpit: Die Wartungstechniker Burkhard Kuhn (links) und Michael Büchler bereiten eine Transall für den Abflug vor – streng nach Checkliste.
Im Cockpit: Die Wartungstechniker Burkhard Kuhn (links) und Michael Büchler bereiten eine Transall für den Abflug vor – streng nach Checkliste.

Vor 50 Jahren wurde in Hohn die erste Transall stationiert. Aktive und ehemalige Soldaten tauschten Erinnerungen aus.

shz.de von
10. August 2018, 10:27 Uhr

Hohn | Über den Käfer textete Volkswagen einst: „Er fährt und fährt und fährt“. Würde man „Fahren“ gegen „Fliegen“ austauschen, hätte man einen zutreffenden Slogan für die Transall. Das mit zwei Propellertriebwerken ausgestattete Transportflugzeug ist derzeit aus der Logistik der Bundeswehr nicht wegzudenken. Vor genau 50 Jahren wurden die ersten Maschine aus der Serienfertigung in Hohn stationiert. Oberst Hartmut Zitzewitz, Kommodore des Lufttransportgeschwaders 63, nahm dies zum Anlass, um gestern mit aktiven und ehemaligen Soldaten in der Hugo-Junkers-Kaserne in Erinnerungen zu schwelgen.

Wenn Piloten, Navigatoren und Mechaniker von der Transall sprechen, fällt oft spätestens im zweiten Satz der Begriff „Alte Dame“. Er wird mit Respekt gebraucht – Anerkennung für ein Flugzeug, das die Crews stets zuverlässig in den Einsatz und wieder nach Hause gebracht hat. Die Transall gilt als Musterbeispiel für Zuverlässigkeit und Einsatzbereitschaft. Oberstleutnant Bernd Kluge, Chef der technischen Gruppe in Hohn, konnte das mit einer Zahl untermauern. Die „Klarstandsrate“ beträgt bei der Transall 70 Prozent. Gemeint sind die Maschinen, die sofort einsatzbereit sind. „Das schafft kein anderes Flugzeug“, sagte der Offizier. Zum Vergleich: Beim modernen Eurofighter liegt die Klarstandsrate bei etwa 50 Prozent.

Die meisten Ehemaligen hatten auf Bitten von Zitzewitz Erinnerungsstücke mitgebracht, meist Fotos, aber sogar der Produktkatalog einer Herstellerfirma war darunter. Am packendsten waren jedoch die Geschichten, zum Beispiel von dem Transall-Fluglehrer und früheren stellvertretenden LTG-Kommodore Helmut Henk, der mit der Maschine sogar durch den Grand Canyon geflogen ist („als das noch erlaubt war“). Einmal ist es sogar vorgekommen, dass einer Transall der Bundeswehr die Landeerlaubnis verweigert wurde. Das war im kanadischen Goose Bay. Als die Crew des Flugzeuges sich nach dem Grund erkundigte, verwies der Tower auf „Willy“, der die Landebahn blockierte. Es handelte sich um einen Moschusochsen, der die vom Asphalt der Landebahn abstrahlende Wärme mochte.

Robust ist die Maschine, darin waren sich alle Aktiven und Ehemaligen einig. Die Transall kann auf den schlechtesten Pisten landen, sogar dann, wenn diese nicht schnurgerade gebaut wurden, sondern kurvig. Und am Strand auf Römö hat man ebenfalls schon eine Landung hingelegt. Alles kein Problem für den Flugzeugtyp, der eigentlich nur bis Mitte der achtziger Jahre im Dienst bleiben sollte. Gute Pflege und eine souveräne Konstruktion stellten alle Prognosen zur technischen Lebenserwartung in den Schatten.

2021 soll das Lufttransportgeschwader 63 aufgelöst werden. Der neue Militärtransporter A 400 M wird in Wunstorf bei Hannover stationiert. Die Erinnerung an die Hohner Flieger soll jedoch in der Region bewahrt werden, wie Kommodore Hartmut Zitzewitz gestern betonte. Nach intensiven Verhandlungen hat Berlin die Genehmigung dafür erteilt, dass die auf den Namen „Hohn“ getaufte Transall an die Gemeinde verkauft werden darf. Die Maschine soll am alten Bahnhof ausgestellt werden.

Unglück auf Kreta

Auch wenn die Transall zu den zuverlässigsten Flugzeugen der Welt zählt, Unfälle gab es dennoch, wenn auch nur wenige. Im Gedächtnis der Crews sind sie jedoch präsent. Der schwerste Unfall ereignete sich auf Kreta. Am 9. Februar 1975 zerschellte ein Flugzeug des Hohner Geschwaders an einem Berg während eines Instrumentenanfluges. Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschte dichtes Schneetreiben. Ein Navigationsfehler führte zur Katastrophe. Alle 42 Insassen kamen ums Leben. Ein Modell der Unglücksmaschine wurde gestern bei dem Treffen der aktiven und ehemaligen Soldaten ausgestellt.

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