Giro Nortorf startet nicht mehr

Beifall vom Straßenrand: Entlang der Strecke feuerten die zahlreichen Zuschauer die Radsportler an.
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Beifall vom Straßenrand: Entlang der Strecke feuerten die zahlreichen Zuschauer die Radsportler an.

Organisation der Radsportveranstaltung wurde für die Ehrenamtler zu groß / „Rund um Ascheffel“ bleibt als Ein-Tages-Event bestehen

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03. Januar 2017, 11:01 Uhr

Rund 1000 Radsportler aus ganz Deutschland, Dänemark, Holland und anderen Ländern kamen jedes Jahr nach Nortorf, um am Giro Radrennen teilzunehmen. Gemeinsam mit „Rund um Ascheffel“ etablierte die Radsportgemeinschaft Mittelpunkt Nortorf (RSG) damit ein hochkarätiges Rennen, welches die Sportler zu schätzen wussten. Sowohl Strecke als auch Organisation wurde von den Radlern hoch gelobt. Doch nun, nach neun Jahren, wird es keinen Giro mehr geben, teilt Bernd Schmidt, Vorsitzender der RSG, mit.

„Manchmal gibt es nicht nur einen Grund, warum man etwas macht oder eben nicht mehr macht“, sagt Schmidt, „es ist die Summe des organisatorischen Wahnsinns, die den Ausschlag gegeben hat.“ Monatelange Vorbereitung, Kosten von rund 20  000 Euro, Sponsorensuche, mehr als 100 Helfer akquirieren und einsetzen – „das wurde einfach zu viel“, so der RSG-Chef weiter. „Die Grenze der ehrenamtlichen Machbarkeit wurde überschritten, und wenn auch noch die persönliche Gesundheit angegriffen wird, muss man eine Entscheidung treffen.“ Schon die achte Auflage im vergangenen Jahr stand auf der Kippe (wir berichteten). Es fehlte schlicht an Geldern. Doch dank der tatkräftigen Unterstützung vieler Sponsoren, die das Rennen wertschätzen, konnte das hochklassige Rennen schließlich doch stattfinden.

Dass in diesem Jahr das Aus bekanntgegeben wurde, stand schon länger fest. Solche Entscheidung fälle man schließlich nicht von einen Tag auf den anderen, so die Nortorfer Organisatoren. Mitglieder wurden bereits informiert, und auch bei einigen Fahrern habe sich das Ende des Giros schon herumgesprochen. „Die haben natürlich alle total entsetzt reagiert“, berichtet Bernd Schmidt von ersten Rückmeldungen der Radfahrer. Kein Wunder, denn der Giro entwickelte sich über die Jahre zum einem geschätzten Amateur-Radrennen in Deutschland. Gemeinsam mit der Doppel-Veranstaltung „Rund um Ascheffel“ hatte sich die Veranstaltung einen Namen gemacht. Auch im Ausland. Aufgeteilt in elf Kategorien – von den Minis bis zu den Senioren – gingen die Sportler auf die Strecke. Das Rennsportwochenende, das seit acht Jahren immer Ende März bis zu 1000 Rennfahrer nach Schleswig-Holstein gelockt hat, wird es nun in dieser Form nicht mehr geben.

Doch „Rund um Ascheffel“, seit 26 Jahren fest im Radsportkalender verankert, wird bestehen bleiben – allerdings als Ein-Tages-Event. Organisator Manfred Bartsch („Radrennen organisieren – das ist Altern um Jahre“) hatte vergeblich versucht, in Schleswig-Holstein einen Partner für eine Doppelveranstaltung zu finden. Somit wird es in diesem Jahr lediglich am 6. Mai die von der SG Athletico Büdelsdorf organisierte Nordmeisterschaft rund um Ascheffel geben. Für 2018 ist Bartsch bei der Suche nach einem neuen Partner fündig geworden. Im März nächsten Jahres steigt Dänemarks Rødekro, 25 Kilometer von Flensburg entfernt, mit ein.

Das Ende des Giros haben auch Sponsoren mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Ralf Seidel von den Stadtwerken Nortorf sagte: „Es ist schade für den Giro selbst, und natürlich auch für die Stadt. Wir haben das Event gerne unterstützt, nicht nur finanziell, sondern beispielsweise auch beim Aufbau von Stromkästen und ähnlichem. Menschlich kann ich die Entscheidung aber absolut nachvollziehen. Wir haben ja hautnah mitbekommen, wie viel Aufwand dahinter steckt.“ Tagelang war auch das Kirchspiels Gasthaus in Nortorf restlos ausgebucht. Fahrer und Gäste nutzten das zentral gelegene Hotel, um dort abzusteigen. „Für uns war der Giro von Vorteil, weil viele Dänen oder Holländer bei uns wohnten“, berichtet Inhaber Ulf Heeschen, der ebenfalls als Sponsor mit an Bord war, „solch eine Nachricht nimmt man natürlich nicht positiv auf.“ Ein wenig Hoffnung für alle Radsportfans bleibt jedoch bestehen: „Die Entscheidung ist gefallen“, sagt Bernd Schmidt, „nicht für die Ewigkeit, aber für die nächsten Jahre.“

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