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Gilgenast rechnet 2016 mit mehr als 1000 Flüchtlingen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bürgermeister geht von Erweiterung des Erstaufnahmelagers an der Büsumer Straße durch das Land aus

Das Erstaufnahmelager an der Büsumer Straße wird länger bleiben als ursprünglich geplant. Zudem werden mehr Container aufgestellt werden müssen. Mit diesen Erkenntnissen kehrte Bürgermeister Pierre Gilgenast gestern von der Kommunalkonferenz der Landesregierung in Kiel zurück nach Rendsburg. Dort hatte Ministerpräsident Torsten Albig die Flüchtlingsprognose für Schleswig-Holstein fast verdoppelt (siehe Artikel auf Seite 1).

Was das für Rendsburg in konkreten Zahlen bedeutet, sei noch nicht klar, aber: „Wir müssen davon ausgehen, dass das Erstaufnahmelager in Rendsburg erweitert wird“, sagte Gilgenast gestern zur Landeszeitung. Derzeit befinden sich dort rund 700 Flüchtlinge. Im kommenden Jahr könne die Marke von 1000 Menschen jedoch geknackt werden. Außerdem geht er davon aus, dass die Erstaufnahme länger bleiben wird: „Die Befristung auf 18 Monate wird nicht zu halten sein.“ Wie lange genau das Containerdorf bleibt, konnte er nicht sagen. Es werde sich aber sicher um mehrere Jahre handeln, weil die Regierung in Kiel damit rechne, dass der Flüchtlingsstrom noch zehn Jahre anhalte. Gilgenast schließt nicht aus, dass das Lager an anderer Stelle als im Gewerbegebiet an der Büsumer Straße erweitert werden muss, etwa auf einer Fläche westlich des Oktogons. Er werde sich umgehend mit dem Landesamt für Migration in Verbindung setzen, um die Auswirkungen auf das Rendsburger Lager zu klären.

Auch die Kreisverwaltung passe ihre Prognose aufgrund der jüngsten Zahlen an, sagte Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer. Er war bislang davon ausgegangen, dass 3000 Flüchtlinge den Kreis in diesem Jahr erreichen. Nun rechne er mit viel mehr Menschen. „Nicht unrealistisch ist, dass die Zahl im oberen Bereich zwischen 3000 und 5000 liegen wird“, sagte Schwemer gestern. Entscheidend sei, wie schnell die Erstaufnahme-Kapazitäten ausgebaut werden können. Die garantieren dem Landrat zufolge nur einen zeitlichen Puffer, denn „irgendwann kommen die Menschen in den Kommunen an“. Das bedeute, dass die Gemeinden weiterhin Wohnraum zur Verfügung stellen müssen. „Dafür müssen die Anstrengungen vor Ort noch einmal intensiviert werden.“ Auch die bereits berücksichtigten Mehraufwendungen im Kreishaushalt müssen Schwemer zufolge korrigiert werden. Die Steigerungen um jeweils drei Millionen Euro in diesem und im kommenden Jahr werden nicht zu halten sein. Die Kreisverwaltung lädt Vertreter der Städte, Ämter und Gemeinden für den kommenden Dienstag ein, um zu diskutieren, wie mit den Mehrbelastungen umzugehen ist. Ob die Erhöhung der Mittel für Unterbringung und Betreuung beispielsweise in Rendsburg von 20  000 auf 50  000 Euro für dieses Jahr reicht, steht in Frage. Denn sie war daran orientiert, dass die Stadt 192 Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf bieten muss. Doch auch ihr werden künftig aus den Erstaufnahme-Einrichtungen zusätzliche Menschen zugewiesen. Um das zu schaffen, hat der Bürgermeister in dieser Woche bereits einen eigenen Fachdienst „Migration und Flüchtlingshilfe“ in seiner Verwaltung gegründet. Fünf Mitarbeiter, zusammengezogen aus anderen Bereichen, beschaffen zum Beispiel Wohnungen und sorgen für Plätze an Schulen und Kindergärten. Gilgenast kündigte gestern jedoch bereits an, dass weiteres Personal angestellt werden müsse, um die Aufgaben zu bewältigen. „Es wird finanzielle Mehrbelastungen für die Stadt geben.“ Zudem halte er die dezentrale Unterbringung für den richtigen Weg, an ihr soll so lange wie möglich festgehalten werden. Den Kauf der ehemaligen Standortverwaltung an der Kaiserstraße (wir berichteten) wolle er angesichts der aktuellen Entwicklung jedoch offen halten.

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erstellt am 30.Sep.2015 | 17:34 Uhr

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