zur Navigation springen

Klimawandel : „Gigantisches Experiment mit der Erde“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Mojib Latif ist einer der renommiertesten Klimaforscher Deutschlands. 400 Schüler verfolgten im Gymnasium Kronwerk gebannt einen Vortrag des Experten.

von
erstellt am 16.Mär.2015 | 18:14 Uhr

Der Klimaforscher war schon in fast jeder Talk-Sendung und bei jedem Radiosender zu Gast. Regelmäßig warnt Mojib Latif vor den Folgen des menschenverachtenden Treibhauseffekts. Und das meist anschaulich und plakativ. Gestern konnten sich 400 Schüler live von der Ausstrahlung des Kieler Forschers überzeugen. Im Gymnasium Kronwerk lieferte der Wissenschaftler einen fesselnden Bericht über den Klimawandel und wurde von den Jugendlichen der Oberstufe mit lang anhaltendem Applaus gefeiert.

Nein, es steht nicht gut um die Natur und die Weltmeere – daran ließ Mojib Latif vom Geomar Helmholz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel vor den jungen Zuhörern keinen Zweifel. Der 60-jährige Hamburger mit pakistanischen Wurzeln zeigte sich in seinem Vortrag keineswegs als neutraler Forscher, der schlicht Fakten präsentierte. Vielmehr leuchtete in jedem Satz die Liebe und Faszination für seinen Forschungsgegenstand auf. Er bereicherte die Lehrstunde, die auf Initiative der Lehrerin Gerhild Kleinfeldt realisiert worden war, mit persönlichen Geschichten von seinen Reisen, bewegten Bildern auf der Großleinwand und seinen rhetorischen Fähigkeiten.

„Wir überschätzen uns selbst“, kritisierte der Professor den Hochmut der Menschen, die trotz der Gefahr von Seebeben in Fukushima auf Atomstrom setzten. „Wir glauben, wir können die Natur beherrschen.“ Aber das sei ein Irrtum. Er habe zwar auch nicht die Weisheit mit Löffeln gegessen, aber er wisse genau: „Es gibt den Treibhauseffekt“. Der CO2-Ausstoß lege sich wie eine Decke um die Erde, wodurch sie immer wärmer werde, 0,7    Grad waren es in den vergangenen 100 Jahren, in den kommenden könnten noch einmal bis zu vier Grad hinzukommen. Gelbe, rote und orangefarbene Flecken waren auf der Erden-Grafik zu sehen, die der Klimaforscher zur Verdeutlichung an die Wand projizierte. Die Arktis werde demnach in 100 Jahren nur noch im Winter Eis haben, im Sommer gar nicht mehr.

Neben der Erwärmung der Erde droht den Ozeanen die Versauerung durch CO2, das vom Meerwasser aus der Atmosphäre aufgenommen wird und Kohlensäure bildet. „Wir haben einen verhängnisvollen Weg eingeschlagen“, warnte der Experte. Die Menschen seien dabei, die Grenzen der Belastbarkeit der Erde zu testen. „Wir führen ein gigantisches Experiment mit der Erde aus. „Der Ausgang ist ungewiss.“ Mojib Latif war es aber auch wichtig, die Schüler davor zu bewahren, angesichts der massiven Umweltprobleme „in eine kollektive Depression zu versinken.“ Es gebe nämlich auch positive Anzeichen. Der CO2-Ausstoß sei erstmals im Zeitraum vom Jahr 2013 auf 2014 gesunken. Die Menschheit steure nicht zwangsläufig auf einen Planeten zu, auf dem am Ende unter schwefelgrünem Himmel alles Leben erloschen ist.

Ein Szenario, das sich auch die Schüler lieber nicht ausmalen wollten. In der anschließenden Fragerunde interessierte sie daher am meisten, wie man persönlich seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten könne. „Mischt Euch ein und bleibt hartnäckig“, forderte der Professor die Schüler auf. „Und informiert Euch aus erster Hand.“ Diesen Ratschlag hatten die Schüler bereits eine Stunde lang beherzigt und dem prominenten Redner konzentriert zugehört.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen