Chemikalien : Giftalarm auf Ex-Kasernengelände

In einem Handwagen ziehen Sebastian Zeus (links) und Florian Meggers von der Feuerwehr Rendsburg blaue Tonnen mit Proben vom Fundort hinter sich her.
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In einem Handwagen ziehen Sebastian Zeus (links) und Florian Meggers von der Feuerwehr Rendsburg blaue Tonnen mit Proben vom Fundort hinter sich her.

Munitionssucher finden Handgranaten sowie Flaschen mit faulig riechender Flüssigkeit. Brodelnde chemische Reaktion.

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15. Mai 2018, 20:16 Uhr

Rendsburg | Der Fund von Tonflaschen mit einer unbekannten Flüssigkeit hat gestern für einen Einsatz von Spezialkräften auf dem Gelände der ehemaligen Eiderkaserne gesorgt. Als ein Behälter zerbrach, zeigte sich eine brodelnde chemische Reaktion. Nach Polizeiangaben handelte es sich nicht um Kampfmittel. Eine Explosionsgefahr bestand nicht.

Wie berichtet, sucht die Firma Eggers-Kampfmittelbergung seit März etwa 16 000 Quadratmeter nach Munitionsresten ab. Sie bereitet das städtische Areal für den Wohnungsbau vor. Nach Auskunft von Landeskriminalamtssprecherin Carola Jeschke entdeckten die Arbeiter in der vergangenen Woche etwa 200 Munitionsreste, vor allem Handgranaten. Einige waren verklumpt. Georg Ocklenburg vom Kampfmittelräumdienst des Landes: „Gegen Ende des Krieges hat man die Munition oft vergraben.“

Gestern gegen 10.45 Uhr stießen Arbeiter beim Ausheben des sogenannten Vergrabelochs auf zwei Tonflaschen. Eine zerbrach. Es trat eine Flüssigkeit hervor, die anfing zu brodeln. Ein Geruch wie von altem Obst habe sich ausgebreitet. Die Arbeiter schalteten sofort ihre Maschinen aus und schlugen Alarm. Es rückten die Feuerwehr Rendsburg, der Löschzug Gefahrgut des Kreisfeuerwehrverbands, der Kampfmittelräumdienst, die Polizei und ein Krankenwagen an. Das Gelände wurde abgeriegelt, ebenso ein Wanderweg. Einsatzkräfte der Feuerwehren bildeten Zweier-Teams, die sich dem Fundort in gasdichten Chemikalienschutzanzügen (CSA) näherten. Ihre Sauerstoffflaschen reichten je für halbstündige Einsätze. Sie entdeckten abgesehen von den Ton- auch schmale grüne Glasflaschen. In drei luftdichten Metalltonnen sammelten sie Erdproben, Ton- und Glasbehälter ein, berichtete Kreisfeuerwehrsprecher Jürgen Beyer. Das Material soll heute in ein Labor der „Gesellschaft zur Entsorgung von chemischen Kampfstoffen und Rüstungsaltlasten“ in Munster (Niedersachsen) geschickt und untersucht werden. Auf dem Ex-Kasernengelände wurden Luftwerte gemessen. Die Handgranaten sollen bald vernichtet werden.

Gültig für fünf Jahre

Teile des Ex-Kasernengeländes wurden vor Jahren nach Munition durchsucht. Sie gelten als sauber, sagte Uwe Kuenzel, Leiter des Kampfmittelräumdienstes Schleswig-Holstein. Zurzeit werden andere Flächen durchkämmt. Bescheide anhand von Luftbildern sind nur fünf Jahre gültig. Die Briten haben rund 150 000 Luftbilder. Davon kaufte das Land etwa 80 000 Stück. Auf Antrag wertet der Kampfmittelräumdienst sie aus. Da das Land je nach Kassenlage Fotos hinzukauft, können immer neue Erkenntnisse auftauchen. Etwa 700 Anträge wurden noch nicht bearbeitet.

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