Tourismus : Gieselau-Schleuse hat kaum noch eine Chance

Vor rund 80 Jahren wurde die Gieselau-Schleuse gebaut.
Vor rund 80 Jahren wurde die Gieselau-Schleuse gebaut.

Das Berliner Verkehrsministerium will dem Bauwerk den Status einer Bundeswasserstraße entziehen.

shz.de von
15. März 2017, 06:00 Uhr

Das Verkehrsministerium in Berlin bekennt sich zur Eider als Bundeswasserstraße, zum Gieselau-Kanal und dessen Schleuse jedoch nicht. Das geht aus einer Antwort der Behörde auf eine Resolution hervor, die der Kreistag Schleswig-Flensburgs bereits im Januar an Minister Alexander Dobrindt gesendet hatte. Die Rendsburger Kreispolitiker haben sich erst in der vergangenen Woche auf eine ähnliche Stellungnahme geeinigt (wir berichteten), auf dem Postweg ist sie jedoch noch lange nicht. Nun können sie bei den Schleswiger Kollegen erfahren, dass eine Herabstufung des Gieselau-Bauwerks offenbar nicht mehr abzuwenden ist.

Der Kanal und die Schleuse in Oldenbüttel sind über 80 Jahre alt und stark verfallen. Es handelt sich jedoch um die einzige Verbindung zwischen Nord-Ostsee-Kanal und der Eider. Vor allem Sportboote nutzen sie, aber auch die Ausflugsschiffe der Adler-Reederei. Wegen ihrer Bedeutung für den Tourismus an der Eider soll sie unbedingt erhalten bleiben, meinen Politiker des Kreises und der Eider-Gemeinden. Dazu müssten Kanal und Schleuse jedoch den Status als Bundeswasserstraße behalten, denn die Kosten für die Unterhaltung der Bauwerke sind hoch. Kreis und Gemeinden können sich das nicht leisten.

Im Brief an die Schleswiger SPD-Kreistagsfraktion macht der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, deutlich, dass die Bedeutung der Gieselau-Schleuse für den Freizeitverkehr abnimmt. Die Bootspassagen sind ihm zufolge zwischen 2006 und 2015 von mehr als 2000 auf 1600 jährlich gesunken. Zudem weist Ferlemann auf die hohen Reparaturkosten hin, die derzeit anstehen. Wenn „deren volkswirtschaftliche Vorteilhaftigkeit nicht nachgewiesen werden kann, ist dem Bund eine Aufrechterhaltung des Schleusenbetriebs nicht mehr möglich“, heißt es in dem Schreiben. Es bestehe aber die Möglichkeit, dass „der Kreis Dithmarschen oder ein anderer Dritter“ Schleuse und Kanal übernimmt. In dem Fall würde der Bund die Hälfte der Gesamtinvestitionssumme tragen. Den Rest sowie Planung, Genehmigung und Bau müsse der neue Eigentümer übernehmen.

Tim Albrecht (CDU), Vorsitzender des zuständigen Regionalentwicklungsausschusses, rechnet damit, dass auf die Resolution Rendsburg-Eckernfördes eine ähnliche Antwort aus Berlin kommt. „Das Resultat würde uns nicht zufriedenstellen.“ Er halte die Stellungnahme, die derzeit in der Abstimmung ist und am 27. März im Kreistag verabschiedet werden soll, aber nicht für überholt. „Wir fordern weiter, mehr als appellieren können wir nicht.“

Die Befürchtung, dass auch die Eider ihren Status als Bundeswasserstraße verliert, hat sich mit Ferlemanns Brief jedoch zerschlagen. Die Eider-Gemeinden hatten Sorge, dass der Bund mit einer Entwidmung auch den Geldhahn für alle Bauwerke an dem Fluss zudrehen würde. „An Eider und Schlei soll grundsätzlich der Status Quo erhalten bleiben“, schreibt der Staatssekretär an die Politiker in Schleswig.

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