„Gezielte Provokation aus Moskau“

Im Garten der königlichen Residenz: Hauptmann Hans-Detlef Voß (links) und Marco „der Gewissenhafte“ Möller beim Abschreiten der Ehrenformation.
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Im Garten der königlichen Residenz: Hauptmann Hans-Detlef Voß (links) und Marco „der Gewissenhafte“ Möller beim Abschreiten der Ehrenformation.

Trotz des Beginns der Weltmeisterschaft feiert die traditionsreiche St. Vitus-Bürgerschützengilde zum 384. Mal

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18. Juni 2018, 11:04 Uhr

Thomas „der Windkundige“ Söhrens und Elisabeth „die Fürsorgende“ Magheli haben das Zepter bei der St. Vitus-Bürgerschützengilde übernommen. Die Proklamation der neuen Majestäten war der feierliche Höhepunkt des 384. Festtags der altehrwürdigen Hademarscher Gilde. Das neue zweite Königspaar bilden Ute Perret und Thomas Ruge, die neuen dritten Majestäten heißen Ilka Carlsen und Marc Baade.

Eine St. Vitus-Königsrede par excellence lieferte Marco „der Gewissenhafte“ Möller am Ende seiner Regentschaft ab. Bei der 1634 gegründeten Hademarscher Gilde ist es nämlich Sitte, dass der scheidende König in ebenso selbstherrlicher wie ironischer Weise auf seine Regierungszeit zurückblickt und dabei alle möglichen lokalen und überregionalen Ereignisse und Errungenschaften seinem majestätischen Wirken zuschreibt. „Der erste Punkt auf meiner Agenda waren die Pläne für eine neue Shopping-Mall hier in Hanerau-Hademarschen“, sagte Marco „der Gewissenhafte“, als er sich am Sonnabendmittag im Garten seiner Residenz an die ihm zu Ehren angetretenen Gildebrüder wandte.

Die „Shopping-Mall“ ist der neue Aldi-Markt, an dessen Baustelle an der Theodor-Storm-Straße die Gilde bei ihrem Umzug zur königlichen Residenz vorbeimarschiert war. Als sein „königliches Bad“ bezeichnete Möller das Freibad auf dem Batz, das die Gemeinde Hanerau-Hademarschen gerade für eine halbe Million Euro renoviert hat. „Da hatte mich mein königlicher Bademeister informiert, dass das Bad dringend einer Frischzellenkur bedürfe“, erklärte der König. Bei den nach einem Blitzeinschlag defekten Bahnschranken in der Kaiserstraße, die vor knapp zwei Monaten für viel Unmut und kuriose Szenen sorgten (wir berichteten), habe er ebenfalls seine Finger im Spiel gehabt, behauptete Möller: „Da habe ich eine weitere Haltestelle für unseren Ort eingerichtet.“ Seine Pläne für einen „Großflughafen HAD“ habe er leider nicht realisieren können, bedauerte Marco „der Gewissenhafte“. Dass die Fußball-WM ausgerechnet am vergangenen Donnerstagabend begann, als er in seiner Residenz eine Gildeabordnung zwecks Übergabe der Königskette empfing, wertete der scheidende König als „gezielte Provokation Wladimir Putins gegen unsere Gilde“. Als er seine unterhaltsame Rede mit dem Ausruf „Es lebe die Gilde!“ beendete, hatte Möller nur noch fünfeinhalb Amtsstunden vor sich. Am Sonnabend um 18 Uhr wurden auf dem Festplatz auf den Hademarscher Bergen die neuen Majestäten verkündet. Der gelernte Bootsbauer und Regattasegler Thomas Söhrens bekam den Beinamen „der Windkundige“ verpasst, Frauenärztin Elisabeth Magheli tritt ihre Regentschaft als „die Fürsorgende“ an.


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